Dieser Text wird Fehler enthalten. Einige Wörter werden keinen Sinn ergeben. Aber das ist halb so wild. Denn ich diktiere den Text meinem Computer.
Die neueste Version des Apple Betriebssystems USX (“OSX)” macht das möglich. Und es läuft gar nicht einmal schlecht. Mein Computer und ich müssen uns zwar noch ein wenig an diese neue Umgangsformen gewöhnen. Immer noch kommt es zu kleinen Missverständnissen. Neulich wurde zum Beispiel aus dem Wort “Satzzeichen” in einem Text das Wort “Satz-Leichen”. Aber das bekommen wir schon hin. (Wo mein Rechner noch Verständnisprobleme hat sehen Sie immer dort wo Wörter in Klammern und ” ” stehen. Dort habe ich nachträglich die Wörter eingefügt, die wirklich gemeint waren.)
Ich nutze die Diktierefunktion nun seit einer Woche und ich liebe sie. Ich muss nur eine Taste zwei Mal drücken und schon kann ich diktieren, egal ob ich mit dem Browser unterwegs bin, eine Mail schreibe oder das Textprogramm nutze.
Mein iPhone kann all das schon länger. Aber seit auch mein Rechner mit der Funktion ausgestattet ist, erreicht das Thema eine neue Qualität. Ich habe mich sogar schon dabei erwischt, längere Antworten auf Mails in die Abendstunden zu verschieben, weil ich im Büro an einem Windows Rechner arbeite. Und der versteht mich nicht – erst recht nicht, wenn ich mit ihm spreche.
Jahrelang haben wir fasziniert über die Möglichkeiten der Spracherkennung diskutiert. Nun ist sie da. Es ist nicht lange her da musste man seinen Computer mit einem Headset ausstatten, eine potente Soundkarte installieren und außerdem zahlreiche CD’s installieren wenn man seinen Rechner etwas diktieren wollte. Dann musste man vor jedem Diktat ein Programm öffnen. Anschließend dauerte die Kurskorrektur des diktierten Textes ewig.
Heute klappt es in vielen Fällen fehlerfrei. Jedenfalls bei kürzeren Texten.
Ich glaube, dass wir uns in einigen Jahren zurückerinnern werden und dann heißt es: damals, als die ersten Rechner aufs Wort gehorchen, hat eine neue Zeit begonnen. Dann werden vergleiche gezogen mit der Zeit, als die Schreibmaschine Liberos (“die Büros”) eroberte Oder als die von der Tastatur des Rechners abgelöst wurde.
Es besteht kein Zweifel daran, dass Spracheingabe zum bedeutsamen Steuerungsinstrument von Computern wird. In vielen Fällen gern (“werden”) Tastaturen wohl überflüssig. Außer vielleicht in Großraumbüros. Dort wird das reparabel (“Gebrabbel”) ansonsten noch unerträglicher.
In einem sehr interessanten Text haben sich die Kollegen von Beerlandsweg (“The Atlantic”) neulich schon mit der Frage auseinandergesetzt, wie diese neue Technik die Art zu schreiben und vor allem die Art zu denken verändert. In dem Text kommt etwa Markt freuen (“Mark Twain”) zu Wort, der einen Stift oder eine Schreibmaschine als störende Barriere zwischen Autor und Geschichte sieht. Er habe seine Storys erzählt und sie von anderen transferieren (“transkribieren”) lassen. Der Vorteil der spracherkennung so heißen den Text weiter sei, dass die Menschen mithilfe der Technik zu besseren Retina (“Rednern”) werden.
Das stimmt vielleicht.
Mir fällt es leichter, Mails zu diktieren. Artikel, die oft wesentlich komprimierter geschrieben werden, sind etwas schwieriger. Zumal ich daran gewöhnt bin, während des Tippens in Sekunden Buchstaben, Wörter oder ganze Absätze zu verschieben oder wieder zu löschen – und neu zu beginnen.
Höchste Zeit, dass die lange vermissten Kulturpessimisten wieder Aktiv werden. Sie werden fragen: verlangen (“verlernen”) wir durch die Spracherkennungstechnik, lange Texte schön aufzuschreiben? Schreiben wir künftig gar nur noch wie wir sprechen ist das der Niedergang des Textes?
Aber wahrscheinlich müssen wir uns da keine Sorgen machen. Natürlich muss man sich eine (“an die”) Spracheingabe gewöhnen. Wie schwer so ein Umstieg sein kann, sieht man ja auch eine (“an der”) überwältigende Zahl von Menschen, die immer noch Mails ausdrucken.
Und ehrlich gesagt wünsche ich dir (“mie”) bei vielen Texten, dass die Autoren öfter so schreiben, wie sie sprechen würden. Es würde viele Texte verständlicher besser machen.
Aber lassen wir das. Warten wir darauf, bis Nachrichtenmagazine die abendländischen Kultur wieder einmal untergehen lassen.
Denn ob sie nun untergeht oder nicht: die Technik wird unseren Alltag erobern. Seit einigen Jahren wird sie in immer mehr Smartphones, nun (“und”) immer mehr Autos zum Standard und bald ist die Spracheingabe auch auf Computer nicht mehr wegzudenken.
Dabei wird die Technik immer besser. Voraussetzung dafür: die Verarbeitung der diktierten Worte findet nicht mehr auf den Computern oder Mobiltelefonen selbst statt. Während ich diesen Text diktiere, schickt das Programm die Sounddateien an einen Großrechner, der die Worte analysiert und den Text anschließend auf meinen Rechner liefert. Dieser Großrechner lernt, während er das tut. Er lernt, welch unterschiedliche Arten es gibt, bestimmte Worte zu sagen und er wird dadurch immer treffsicherer. Denn während ich die Technik nutze, diktieren auch Tausende andere. Mit jedem neuen Text für (“wird”) das Programm ein Stück präziser.
Aber auch das ist nur der Anfang. Schon bald wird es Software geben, die simultan Texte übersetzen kann. Forscher des Karlsruher Institut auf technology arbeiten an einem Programm, das ganze vortragsfähige (“Vorträge”) nahezu in Echtzeit übersetzen kann – so gut, dass etwas Spanier einen deutschen Vortrag lauschen können, ohne ein Wort deutsch kennen zu müssen.
Den eigentlichen Kuh (“Coup”) haben US Soldaten in Afghanistan getestet: im Auftrag des Militärs haben Forscher ein Mobiltelefon entwickelt, das mit einer speziellen Software simultan Englisch ins paschtunische übersetzen kann. Mit solchen Handydolmetschern sollen US Soldaten künftig auch dann mit einheimischen kommunizieren können, wenn sie keinen Übersetzer dabeihaben.
Das Handy zeichnet dafür zunächst das gesprochene Wort auch (“auf”), wandelt die Aufnahme dann in ein Textdokument um und übersetzt die Wörter anschließend wieder in die gewünschte Zielsprache. All das in beide Richtungen und in Sekunden. So sind, das zeigen erste Tests, bereits kurze Gespräche möglich.
Sollte ich diese elektronischen Übersetzer bewähren haben Sie beste Chancen, zivile Mobiltelefone zu erobern. Und letztlich könnte die Vision von Science-Fiction Autor Douglas doch noch wahr werden: zwar hat immer noch keiner ein kleines Lebewesen aller (“á la”) Babel Fisch im Ohr, dass alle Sprachen beherrscht. Aber vielleicht tut es ja auch ein Mobiltelefon.











15 Kommentare zu ““Der eigentliche Kuh…”: Wie Spracherkennung meinen Alltag verändert”
Diese Antwort wurde mit der Windows Spracherkennung geschrieben.
Auch das klappt ganz hervorragend! Nur dass selbst (“@”) Zeichen in der E-Mail hat sie nicht erkannt.
Mit den besten Grüßen,
Henning
ach ja, nochmal. ich weiß gar nicht was alle immer mit spracherkennung und mac haben… windows kann das seit jahren.
dieses video ist von 2009: http://www.youtube.com/watch?v=Nkq2Ae68TDQ
Die entscheidende Frage ist doch: Wie lange haben Sie für das Einsprechen dieses Textes gebraucht? Wären Sie nicht schneller gewesen, wenn Sie ihn eingetippt hätten? Zeitersparnis ist im Computeralltag alles.
Ich will im Übrigen gar nicht mit Rechnern reden. Rechner sind meine Sklaven, auf die ich einhacke und die dann gefälligst machen, was die Krone der Schöpfung befiehlt. Textkommunikation ist meist profan, im Beruf erst recht. Dafür werde ich meine Stimmbänder nicht belasten.
Wie lange? Ich habe den Text gesprochen, dann die korrigierten Wörter in den Text geschrieben und war fertig. Es ist vor allem wesentlich bequemer,l als den gesamten Text zu tippen.
Das dieser Text mit der Spracherkennung geschrieben wurde wäre dann noch eine Entschuldigung (wenngleich keine Ausrede) für die diversen Groß- und Kleinschreibfehler.
Allerdings neige ich zu der Auffassung, dass ein veröffentlichter Text durchaus fehlerfrei geboten werden sollte, und keine Diktierfunktion oder installierten Rechtschreibprogramme entbinden den Autoren von der Pflicht seine Sprache auch in der Rechtschreibung zu beherrschen.
Hier wird eigentlich billigend hingenommen, das Schreibfehler in einer Veröffentlichung erlaubt sind.
Ansonsten stimme ich grundsätzlich zu: Seit der PC Einzug in das tägliche Leben genommen ist, sind Maus und Tastatur als Eingabemedien geblieben. Die Computer sind eigentlich auch immer gleich geblieben. Also der nächste Schritt wäre schon wünschenswert.
@Dirk Aßmann: Wie Sie bei genauerem Lesen sehen, ist dieser Text als eine Art Experiment gedacht. Er soll zeigen, was mit Spracherkennungssoftware möglich ist – und was nicht.
Es ist erfreulich, dass Herr Matthes inzwischen auch dahinter gekommen ist. Als Neuerung würde ich dies allerdings nicht bezeichnen. Ich habe mehrere Bücher mit Dragon unter Windows diktiert – angefangen 1996 !!! – darunter einen Roman mit annähernd 500 Seiten und zwei weitere mit 250 Seiten. Keine Frage das die neue Version der Diktiersoftware und ich nach jahrelangen Diktierübungen nahezu fehlerfrei schreiben. Es braucht also keinen Apple, um das Diktat durch den Computer schreiben zu lassen. Also Herr Matthes: Willkommen im Club – wenn auch ein wenig spät…
Nachtrag aus der Praxis (bevor es hier Kritiken hagelt):
…hätte ich hinter “Keine Frage das…” diktiert “Keine Frage KOMMA das”, wäre das “dass” natürlich mit zwei “ss” geschrieben worden und das Ganze hätte dann so – und damit richtig – ausgesehen:
“Keine Frage, dass…”
@Bodo Lanza: Mir ist natürlich klar, dass es schon lange entsprechende Software gibt. Die neue Qualität ist, dass die nahtlos in Geräte aller Art integriert wird. Darunter eben auch in das Betriebssystem von Apple-Rechnern. Aber eben auch in Autos, Smartphones, etc. pp. Das ist eine neue Qualität.
Mir scheint nicht erst nach diesem -guten- Artikel, die Spracheingabe führt zu umfangreicheren Texten.
Getippt kommt man IMO eher auf den Punkt, kommuniziert fokussierter, schweift weniger ab.
Sofern das so ist, stellt sich die Frage, womit man die Aufmerksamkeitsspanne der Leser besser trifft…
Darf ich bitte mal eine Hausfrauenfrage stellen?
Vor mir liegt das allerneueste MacBook pro mit allen Schikanen, aber ich finde keine Spracherkennung darauf.
Diktiere seit Jahren mit dem iphone, wo und unter welchem Namen finde ich es auf dem MacBook.
Danke für ihre Hilfe und jeden Tipp.
Claudia
Hallo Herr Matthes, dann ist es doch verwunderlich, dass die Qualität nicht besser geworden ist (Bezug nehmend auf Ihre Klammerbegriffe). Damit meine ich nicht Begriffe wie “The Atlantic” “Mark Twain” oder gar “Beerlandsweg” – das kann er nicht kennen, und er wird nur schreiben, was er kennt (wobei ich mich über das “mie” wundere, denn das kenne ich in der deutschen Sprache nicht. Alles in allem erscheinen mir die Fehler zu häufig. Oder haben Sie nicht deutlich genug gesprochen. Auch eine Diktatübung vorab ist hilfreich, sich an Ihre Stimme anzupassen. Gibt es sowas beim Mac auch?
Na wenn die liebe Technik auch heute immer noch mit der Kuh auf den Hund… äh das Rindvieh gekommen ist
, dann möchte ich lieber gar nicht erst wissen, was die Spracherkennung aus meinen ständigen dämlichen Wortspielen machen würde.
Die verstehen ja schon viele Menschen nicht…
@ Bodo Lanza: Ich habe zwar deutlich gesprochen aber auch in einem normalen Tempo. Ziel des Ganzen war zu ermitteln, wie die Software damit klarkommt.
@Claudia: Sie müssen die Funktion in den Systemeinstellungen aktivieren. Dann bestimmen Sie eine Taste, mit der Sie die Spracheingabe starten – und los gehts.