» 06.08.2012, 17:55

Hoffnung für Bezahlinhalte im Netz?

Auf diese Zahlen schaut die gesamte Verlagsbranche: Schon bald könnte nach der Londoner Financial Times auch die New York Times mehr digitale Abonnenten haben als Print-Kunden. Ist das die Wende?

Seit Jahren beklagen die Verlage, dass sie im Netz zwar wachsen, zugleich aber ihre sinkenden Einnahmen im Print-Geschäft nicht kompensieren können. Die Lösung vieler Zeitungshäuser: Bezahlinhalte im Netz. Und von der Front gab es zuletzt positive Nachrichten: Vor einigen Tagen gab die Financial Times bekannt, im ersten Halbjahr 2012 mehr digitale Kunden (Plus 31 Prozent in einem Jahr) zu haben als Print-Abonnenten. Interessant dabei ist, dass für das starke Wachstum zu einem großen Teil mobile Endgeräte verantwortlich waren.

Eine ähnliche Schwelle könnte nun bald auch die New York Times erreichen, die heute schon über 530.000 digitale Abonnenten hat – 13 Prozent mehr als im Quartal zuvor. Laut einer Analyse des Barclays-Capital-Analysten Kannan Venkateshwar könnte dieser Punkt 2014 erreicht sein, wie diese bei AllThingsD veröffentlichte Grafik zeigt:

Diese Entwicklung ist bemerkenswert. Denn die “Financial Times” und das bei Online-Abos ebenfalls starke “Wallstreet Journal” sind Produkte, die sich an eine sehr spezialisierte Zielgruppe richten. Für sie ist es einfacher, Inhalte zu verkaufen, schlicht, weil sie anderswo nicht zu haben sind.

Mit der “NYT” wäre das erste General-Interest-Medium im Online-Bezahlzeitalter angekommen.

Die allgemeine Paid-Content-Euphorie wird dadurch noch zunehmen, gerade jetzt, wo die Anzeigenabteilungen zunehmend nervös auf ihre wegbrechenden Umsätze blicken. Auch in Deutschland.

Wahrscheinlich aber werden von Paid-Content am ehesten die Marktführer und die sehr speziellen Angebote profitieren. Denn für was bezahlen Menschen im Netz? Für Inhalte, die sie anderswo nicht lesen können. Für lange, exklusive Analysen aus der “Zeit” zum Beispiel (die zu unserem Verlag gehört); für Kommentare aus großen Blättern wie der “Süddeutschen” oder der “FAZ” vielleicht oder eben für hochspezialisierte Informationen.

Medien aber, die im Netz ein austauschbares Programm liefern, werden mit Bezahlinhalten keine Chance haben. Wenn sie auf Paid-Content setzen, werden sie von der virtuellen Bildfläche verschwinden. Und das sind, fürchte ich, mehr als man gemeinhin denkt.

Viele Tageszeitungen werden wohl Modelle versuchen, in denen die Inhalte der Online-Redaktion kostenlos bleiben. Bezahlt wird dann nur für die Print-Texte. So eine Trennung führt aber zu einer noch verschärften Zwei-Klassen-Gesellschaft im Journalismus. Denn auch die Online-Kollegen liefern Scoops und großartige Analysen, wenn man sie nur lässt. Sinnvoller finde ich Modelle wie sie der Economist anwendet, bei denen jeder eine bestimmte Zahl von Texten pro Woche frei hat, erst danach müssen sie zahlen.

Spätestens Ende des Jahres dürften solche und ähnliche Modelle auch in Deutschland starten. Zu groß wird der Druck auf die Online-Redaktionen, alternative Einnahmequellen zu erschließen. Denn das Anzeigengeschäft ist nicht nur Print eine Katastrophe. Online läuft es für viele Verlage gerade auch nicht rund.

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» 06.08.2012, 17:55

    2 Kommentare zu “Hoffnung für Bezahlinhalte im Netz?”


  1. Schulze sagt:

    Für mich sind die Paid content Angebote der HAZ ein wiederkehrendes Beispiel dafür, wie man es besser nicht macht:

    Sollte ich mich tatsächlich dafür interessieren, wie die kleine Stadt Burgdorf gegen Hundekot an Straßenlaternen vorzugehen gegedenkt, verlangt die HAZ tatsächlich, dass ich für den Bericht darüber zahle.

    Das ist mir im letzten Jahr seit ich dieser Region wohne x-fach mit ähnlich albernen Artikeln so ergangen……

    Schätze, da müssen einige Printmedien tatsächlich noch den Boden der Tatsachen bzw. des Machbaren erreichen.

    Für hervorragende Texte bin ich übrigens gerne bereit, zu zahlen.
    Aber auf eine einfache und sichere Art bitte !!

  2. Das sehe ich auch so: Relevanz wäre die wichtigste Erfolgsbedingung für ein funktionierendes Bezahlmodell. So wie es für Produkte aller Art gilt, die Unternehmen zum Verkauf bieten.

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