Nachrichtenangebote gehören längst zum Alltag – könnte man denken. Dabei stimmt das nur für einen Teil der Deutschen. Wie viele Menschen tatsächlich News im Netz lesen – und in welchen Ländern der Web-Nachrichtenkonsum am größten ist, zeigt eine Studie der EU.
Das Ergebnis ist überraschend: In Island, Norwegen, Schweden und Finnland lesen die meisten Menschen Zeitungen oder Nachrichtenmagazine im Internet. Nämlich 85, 79, 77 und 76 Prozent der Bevölkerung. In Deutschland tut das nur etwa jeder Zweite. Zu dem Ergebnis kommt die Studie Digital Agenda der Europäischen Kommission, die Statista exklusiv für die WirtschaftsWoche aufbereitet hat.
Überhaupt ist Skandinavien in der gesamten Studie stark: Hier haben die meisten Haushalte Anschluss ans Internet, die Versorgung mit schnellem mobilen Datenfunk (3G) ist besser als im Rest Europas und in Skandinavien haben die meisten Einwohner schon einmal ein Computerprogramm geschrieben.
Nein, man muss das nicht unbedingt getan haben, um webaffin zu sein. Aber es sagt doch einiges aus.
Wie kommt es also zu dieser Spitzenposition der Skandinavier?
Neben einer generellen Begeisterung für Mobiltelefone – wir erinnern uns an einen einst bewunderten Smartphone-Pionier – sind die Tarife günstiger. Handyverträge mit Datenoption etwa sind in Norwegen wesentlich billiger als in Deutschland, berichtet unser Technik-Kolumnist Ben Schwan: So bietet der Provider Telenor 20 Gigabyte Inklusivvolumen aktuell für 40 Euro im Monat. Auch in Estland gibt es extrem günstige Konditionen.
In Deutschland hingegen drosselt T-Mobile in seinem 80-Euro-iPhone-Tarif schon nach 500 Megabyte die Geschwindigkeit. Kein Wunder, dass bei uns viele Menschen zwar ein Smartphone besitzen, es aber nicht in vollem Umfang nutzen. Ihnen sind schlicht die Verträge zu teuer.
Zudem haben die Skandinavier eine exzellente Infrastruktur, was die gute 3-G-Ausstattung und die vielen Breitband-Internetanschlüsse belegen. Dafür nutzen die Anbieter in Skandinavien oft auch andere Technologien als die Deutschen: So nutzt etwa Ice.net das ehemals analoge Mobilfunknetz (450 Mhz), um ganz Dänemark, Finnland und Norwegen bis an die dünn besiedelten Küsten über die sogenannte CDMA-Technik mit schnellem Datenfunk zu versorgen. „So kriegt man selbst in seiner Hütte oder auf dem Boot eine Verbindung“, sagt Schwan, der selbst einen Teil seiner Zeit in Norwegen lebt.
Den krassen Kontrast dazu erlebe ich gerade wieder. Ich sitze im ICE und fahre durch das Ruhrgebiet. Obwohl dies die am dichtesten besiedelte Region Europas ist, bricht meine Mobilfunkverbundung (die sicher gleich gedrosselt wird) alle paar Minuten ab. Und WLAN gibts hier im Abteil auch nicht.
So viel zum Hightechland Deutschland.
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Ein Kommentar zu “Online-Nachrichten: Wo die meisten News-Junkies leben”
Ich finde den Titel ein wenig irreführend. Denn News-Junkies definieren sich ja nicht unbedingt über ihren Online-Konsum…