Es ist wieder soweit: mit Rio Plus 20 steht ein neuer Umweltgipfel der Superlative bevor. Dabei wissen wir längst, dass globale Abkommen für Umweltschutz nicht funktionieren. Viel aussichtsreicher sind die kleinen Schritte. Deshalb haben wir für die neue Ausgabe der WirtschaftsWoche Green Economy 50 Ideen für eine bessere Welt zusammengetragen.
Vielleicht waren die Ambitionen auch einfach zu groß: Die Menschheit stehe an einem „entscheidenden Punkt“, schrieben die Teilnehmer des UN-Umweltgipfels im Juni 1992, für den sich 10.000 Politiker und Delegierte aus 172 Ländern in Rio de Janeiro zum Weltretten trafen. Wir erleben eine „Verschlimmerung von Armut, Hunger, Krankheit sowie die Zerstörung der Ökosysteme“, stellten sie fest. Das wollten sie ändern.
Sie unterzeichneten Abkommen, Erklärungen und Vereinbarungen. Darin versprachen sie, die Umwelt mit „nachhaltigen Produktionsweisen“ zu schützen, den Klimawandel aufzuhalten und eine bessere Gesundheitsversorgung für alle Menschen zu ermöglichen.
Nun jährt sich dieses Treffen zum 20. Mal. Die Nachfolger der Politiker von damals werden wieder in ihre Regierungsjets steigen, um nach Brasilien zu reisen. Im Gepäck Papiere zu den üblichen Themen: zur Balance von Entwicklung und Umwelt, zum Übergang in eine grüne Wirtschaft, und all dies in globalem Maßstab.
Das atmet den Geist des ersten Gipfels von Rio.
Doch 20 Jahre später klingen die Sätze von damals nur mehr wie sinnentleerte Worthülsen. Zwar wissen wir heute viel besser als 1992, welch verheerende Folgen der Klimawandel auf den Alltag von Millionen Menschen haben wird, und doch sind die politischen Führer nicht in der Lage, Regeln zu schaffen, die das Wohl ihrer Enkel angemessen würdigen.
So stieg allein der Ausstoß des Klimagases CO2 seit 1992 um 45 Prozent. In den ärmsten Ländern sind Gesundheit, Bildung und saubere Technologien weiter bloß Hoffnung. Und selbst Gastgeberland Brasilien hat kurz vor dem Folgegipfel noch ein Gesetz verabschiedet, das illegales Abholzen von Regenwald nachträglich legalisiert.
All das offenbart eine traurige Realität: Globale Umweltvereinbarungen funktionieren nicht in einer Welt, in der die Interessen so sehr auseinanderdriften. Die armen Länder wollen wachsen, endlich das Wohlstandsniveau der entwickelten Welt erreichen. Zudem überlagern neue Probleme die alten Sorgen, die Schuldenkrise etwa und die Angst der reichen europäischen Länder vor dem wirtschaftlichen Abstieg. Armut, Hunger und eben die Zerstörung der Ökosysteme geraten aus dem Fokus, wenn die Zinsen von Staatsanleihen schneller steigen als der Meeresspiegel.
Doch dass die Lösung der Probleme auf globaler Ebene scheitert, heißt nicht, dass die Menschheit vor ihnen kapituliert. Während die Weltenretter auf großer Bühne ihr Schauspiel aufführen, versuchen in ihrem Schatten Unternehmer, Wissenschaftler und Gründer die großen Probleme an ungezählten Stellen im Kleinen zu lösen. Diese Ansätze zusammengenommen, haben sehr wohl das Potenzial, die Welt zu verändern.
Deshalb stellt die WirtschaftsWoche Green Economy 50 faszinierende Ideen vor, darunter eine Vielzahl neuer Technologien. Sie helfen Haushalten, ein Drittel ihrer Heizkosten einzusparen, sie kappen den Ausstoß giftiger Emissionen bei Containerschiffen, und sie tragen dazu bei, die Logistik nachhaltiger zu organisieren.
Viele der Menschen, die diese Innovationen vorantreiben, wollen Geld verdienen. Aber sie sind nicht allein vom Streben nach Umsatzwachstum getrieben. Einer ist Shiro Kondo, der Chef des japanischen Büro‧kommunikationsausrüsters Ricoh. Er verordnete seinem Unternehmen, den Ausstoß an Treibhausgasen drastisch zu reduzieren, und führte ein branchenweit bislang einmaliges Recyclingsystem ein. Ein anderer, Christian Hiß, sammelt mit seinem Unternehmen Regionalwert Geld ein, um es in Biolandwirtschaft zu investieren.
Schöne Worte auf Megakonferenzen schaden nicht, und sie schaffen sicher ein Bewusstsein für die Probleme. Solange diese Konferenzen aber keine verbindlichen Regeln schaffen, die auch Konsequenzen nach sich ziehen, müssen wir uns auf die Ideen derer verlassen, die in diesem Moment in Labors, Büros und Forschungszentren an einer besseren Welt arbeiten.
Wenn sie aus Rio zurückkommen, sollten sich die Weltenlenker zu Hause bei den Weltenrettern von morgen bedanken.











Ein Kommentar zu “Green Economy: Die Illusion der Retter”
Die kleinen Schritte beginnen schon bei persönlicher Begegnung, Gesprächen über Nachhaltigkeit und dem Austausch von Wissen darüber. So steht unsere demnächst beginnende Weltreise unter dem Motto “Nachhaltigkeit”. Wir – zwei Geoökologen auf Motorrädern – wollen unser Wissen darüber weitertragen und uns mit Menschen austauschen, wie diese sich eine nachhaltige Landbewirtschaftung vorstellen und was sie davon auch leben können. Sollten wir dabei auf so etwas wie ‘best practices’ stoßen, tragen wir diese ebenso weiter auf unserer Route. Mehr Infos zu uns und unseren Absichten finden sich auf unserer Webseite (http://www.baiertal.net).