Von dem Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs stammt die Feststellung: Kaum eine andere Technologie wird in der Entwicklung armer Länder eine größere Rolle spielen als das Mobiltelefon. Wie Recht der US-Ökonom damit hatte, ist mir zuletzt während einer Recherchereise in Indien aufgefallen. Sogar in kleineren, vom Touristenstrom nahezu unberührten Himalaja-Orten besitzt mittlerweile jeder Rikscha-Fahrer ein Handy. Selbst Bauern tippen während der Arbeit in den Menüs ihrer Handys herum. Die Technik ist dabei, ihr Leben grundlegend zu verändern – viel mehr, als wir es uns in Europa vorstellen können: Mobiltelefone schaffen neue Märkte, sie ermöglichen sicheren, bargeldlosen Zahlungsverkehr und eröffnen ihnen Zugang zu bislang unerreichbaren Informationen.
Eine Studie der London Business School zeigt deshalb auch: Zehn zusätzliche Handys auf 100 Einwohner eines typischen Entwicklungslandes steigern das Pro-Kopf-Wachstum um 0,6 Prozentpunkte. Und so ist die oft beschriebene Geschichte des Aufstiegs der Entwicklungsländer auch eine Geschichte des mobilen Internets.
Das zeigt auch diese Infografik: Demnach stammen in Afrika fast 20 Prozent der Internet-Seitenaufrufe von mobilen Endgeräten. In Asien sind es 14 Prozent. Europa hingegen kommt nur auf 4,2 Prozent.
(In Zusammenarbeit mit Statista)
Der Grund für diese Entwicklung: Nur ein kleiner Teil der Menschen in armen Ländern besitzt überhaupt einen Rechner. Viele haben nicht einmal Zugang zu Internet-Cafés. Dafür besitzen immer mehr von ihnen ein Handy, das zumindest einfachste Web-Angebote darstellen kann. Und das tun immer mehr von ihnen. Denn in Ländern wie Ghana, Indonesien oder Indien sind gebrauchte Nokia-Handys oft schon für wenige Dollar zu haben.
Indische Bauern etwa nutzen Reuters Market Lite, einen textbasierten Dienst, der sie mehrmals am Tag mit Wetterinformationen, Marktdaten und anderen Informationen versorgt. Ähnliche Dienste sind auch in China und Afrika erfolgreich. Andere mobil erreichbare Plattformen vermitteln gebrauchte Handys, Veranstaltungstickets oder bieten die Möglichkeit, via Mobiltelefon Englischkenntnisse zu polieren.
Eines der größten Wachstumsfelder des mobilen Internets in Entwicklungsländern ist zudem das Bezahlen mit dem Handy. Etwa 13 Millionen der 38 Millionen Kenianer nutzen M-Pesa, mit dem auch Menschen ohne Bankkonto, Rechnungen, Löhne und Spenden begleichen können – ein Handy genügt.
Weniger verbreitet sind bislang Dienste, die von Instrumenten des Crowdsourcing Gebrauch machen: Die Plattform Ushahidi sammelt nicht nur Hinweise von Nutzern über die Sicherheitslage in bestimmten afrikanischen Regionen, sondern gibt auch Auskunft darüber, wo bestimmte Medikamente ausverkauft sind.
Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren ein paar Mark Zuckerbergs des mobilen Webs aus Entwicklungsländer sehen werden. Denn die Revolution hat gerade erst begonnen. Bislang sind die in Entwicklungsländern verbreiteten Telefone eher auf einem technischen Stand wie er vor zehn Jahren in Europa üblich war.
Doch das wird sich ändern. Daran besteht kein Zweifel.
Hübsch zusammengefasst ist der Einfluss der mobilen Revolution auch in diesem Video:
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2 Kommentare zu “Infografik der Woche: Wie Entwicklungsländer die mobile Revolution antreiben”
SOPA (…)
“And they conspire to silence us” — Rainer Maria Rilke
Sometimes, silence is not an option
@ H.R. Goetting: Ich habe Ihren Beitrag gelöscht. Er hat rein garnichts mit dem Thema hier zu tun. Stattdessen findet man Versatzstücke dieses Beitrags quer durchs Netz verteilt. Und somit werte ich Ihren Beitrag als Spam. Sorry.