Path: Die Zentrale unserer sozialen Aktivitäten

Es wird viel geschrieben über das neue Online-Netzwerk Path. Ein elitärer Club für Internet-Stars sei es, meinen einige. Viel zur kurz gedacht, sagen die anderen: Es sei die erste echte Gefahr für Facebook & Co. Wie auch immer – viel spannender ist ohnehin, dass Path das Potenzial hat, unser Leben in sozialen Netzen wesentlich zu vereinfachen.

Denn das kleine Smartphone-Programm wird zu einer Art Zentrale der sozialen Kommunikation, von der aus Nutzer die wichtigsten sozialen Netzwerke bespielen können: Facebook, Twitter, Foursquare und künftig vielleicht sogar Runkeeper & Co.

Aber von vorn. Path ist eine Art Tagebuch, das Freunde gemeinsam führen. Sie schießen Fotos, teilen sich gegenseitig mit, wo sie sind, diskutieren in twitterartigen Kurzkommentaren und verraten auf Wunsch auch, welche Musik sie gerade hören. Der prominente Web-Unternehmer Loïc Le Meur berichtet, dass Path mittlerweile ein Ort sei, an dem sich die erfolgreichsten Unternehmer des Silicon Valley, die gefragtesten Investoren und einflussreichsten Schreiber austauschen, Fotos herumschicken und sogar mitteilen, wann sie schlafen gehen.

Einige nutzen für all das immer noch Facebook. Doch bei vielen Nutzern der ersten Stunde sammeln sich Hunderte, wenn nicht Tausende Kontakte in den Freundeslisten.

Es wird unübersichtlich im sozialen Netz.

Nicht so bei Path. Hier kann sich jeder nur mit maximal 150 Freunden verknüpfen. Dann ist Schluss. Path zwingt zur Selektion der wirklich wichtigen Kontakte.

Dabei ist Path weit mehr als bloß ein weiteres soziales Netzwerk oder auch nur eine coole neue App: Durch ein paar sehr praktische Funktionen könnte es zu einer Zentrale aller sozialen Internet-Aktivitäten werden.

Das erreicht das für Apple- und Android-Handys verfügbare Programm schlicht dadurch, dass jeder seine Fotos, Gedanken und Musiktipps auf Wunsch auch an seine Profile bei Twitter, Facebook und Foursquare weiterleiten kann. Wer mehrere Kanäle bespielt, etwa Facebook und Twitter, muss sie nicht mehr einzeln aufrufen.

Eine kleine Funktion mit enormer Wirkung.

Path bündelt damit sämtlichen sozialen Aktivitäten und bietet eine gewisse Kontrolle, mit wem die veröffentlichten Inhalte geteilt werden: Ganz private Dinge gehen nur an die engsten Freunde bei Path. Etwas allgemeinere Gedanken gehen per Knopfdruck auch an Facebook – noch öffentlichere Dinge schließlich auch an Twitter.

Path ist ein wenig wie ein Wohnzimmer, in dem man mit Freunden zusammensitzt: Man unterhält sich, bleibt unter sich. Ist dann doch etwas auch für einen größeren Kreis bestimmt, ruft man es eben heraus.

Für welche Anbieter Path nun gefährlich wird?

Schwer zu sagen. Klar aber ist: Es verändert das Verhalten im sozialen Netz: Ich nutze Instagram bereits seltener, eine App, mit der iPhone-Besitzer Fotos schießen und mit Filtern nachbearbeiten. Denn Path ermöglicht das auch. Das Netzwerk übernimmt bei mir zudem die Funktion von Foursquare. Bald könnte die App Runkeeper & Co. überflüssig machen: Gerade hat Path angekündigt, an einer Funktion zu arbeite, mit der sich Nutzer auch über ihre sportlichen Aktivitäten austauschen können.

Was mir besonders gefällt: Was immer die Path-Macher bisher auch anpacken: Es funktioniert jedes Mal reibungslos. Und ganz nebenbei haben sie auch eine der besten und hübschesten Apps programmiert, die derzeit zu haben ist. Path funktioniert nicht nur intuitiv und ist bis ins kleinste Detail durchdacht, sondern es ist auch liebevoll gestaltet.

Egal, ob die App tatsächlich erfolgreich sein wird, sie ist setzt schon jetzt einen neuen Standard bei Eleganz, Funktionalität und Benutzerfreundlichkeit.

Mehr von mir finden Sie bei Twitter, Google Plus oder Facebook.

Kategorie: Studien | Tags:

Über Sebastian Matthes

Wenn Sebastian Matthes ins Grüne fährt, denkt er spätestens beim ersten Windrad an die Arbeit. Grüne Technologie gehört neben den neuesten Techniktrends zu den Schwerpunkten des sechsköpfigen Ressorts "Technik & Wissen", das der Politologe und Volkswirt seit 2007 leitet. Und wenn irgendwo zwischen Bristol und Bangalore eine Internetbude im Gespräch ist, dann ordnet er das für die Leser der WirtschaftsWoche, auf WiWo.de oder via Twitter ein. Der passionierte Geiger und Rennradfahrer hat nach seinem Studium ein halbes Jahr in Indien geforscht und im Anschluss daran die Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten besucht. Stationen seiner Ausbildung waren das "Handelsblatt" der "Spiegel" und die "Neue Zürcher Zeitung".

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>