» 22.10.2012, 14:51

Neue Thalys-Lounge: Köln wird Zentrum des Bahn-Wettbewerbs

Der Bahnbetreiber Thalys eröffnet seine erste Lounge außerhalb des Drehkreuzes in Brüssel. Köln entwickelt sich zum Hotspot des Wettbewerbs auf der Schiene.

Kaffee für Vielfahrer. Neue Thalys-Lounge in Köln

Sieben lilafarbene Sessel, ein Kaffeeautomat und aktuelle Tageszeitungen – Thalys umwirbt seine Vielfahrer ab sofort mit einer neuen Lounge in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofes. Besitzer der Rabattkarte “Thalys TheCard” – einem Pendant zur Bahncard der Deutschen Bahn – sollen ihre Reise künftig mit kostenlosem Wifi und Blick auf den Dom beginnen können. Fünf Jahre habe Thalys nach einem geeigneten Standort gesucht, um “an unsere deutschen Kunden näher heranrücken zu können”, sagte Thalys-Chef Franck Gervais bei der Eröffnung. Nun sei man fünfig geworden. Die Lounge liegt in der ersten Etage eines Eckhauses rund 50 Meter außerhalb des Bahnhofes.

Köln entwickelt sich damit zum Hotspot des Wettbewerbs auf der Schiene. Seit Sommer dieses Jahres fährt der private Anbieter Hamburg-Köln-Express (HKX) bis zu drei Mal täglich von Köln bis nach Hamburg gegen den Intercity. Nachdem die Deutsche Bahn Anfang des Jahres ihren Ausstieg aus dem Thalys-Joint Venture mit französischer Bahn SNCF und belgischer Bahn SNCB ankündigte, buhlen Thalys und Deutsche Bahn separat um Kunden, die nach Brüssel fahren wollen.

Zwar pendeln Thalys und Deutsche Bahn zwischen Köln und Brüssel nach wie vor gut abgestimmt gegeneinander. Im stündlichen Wechsel fährt mal der TGV von Thalys, mal der ICE der Deutschen Bahn. Doch beim Preis, Service und Fahrplan gibt es deutliche Unterschiede.

So kündigte Thalys beispielsweise die Verlängerung von zwei Verbindungen ins Ruhrgebiet an. Drei Mal pro Tag fährt der lila Zug ab Dezember von Paris über Köln nach Düsseldorf, Duisburg und Essen. Bislang gab es nur eine tägliche Verbindung von Frankreich ins Ruhrgebiet. In die Gegenrichtung von Essen nach Paris bleibt es zunächst bei nur einer täglichen Verbindung. Thalys hofft, bis Ende 2013 freie Trassen zu bekommen, um auch ab Essen drei Mal täglich die Direktverbindung nach Paris anbieten zu können.

Thalys wirbt für das eigene Angebot anfangs mit Schnäppchenpreisen. Von Weihnachten bis Ende März 2013 lockt das Unternehmen mit einem täglichen Kontingent von 100 Tickets ab 25 Euro. Die Fahrscheine gelten für die zweite Klasse. Die Deutsche Bahn bietet schon seit längerem Sparpreise ab 29 Euro an.

Unterschiede zwischen Thalys und Deutsche Bahn zeigen sich vor allem beim Service. So hat Thalys seine Züge mit Wifi-Technik ausgerüstet. Fahrgäste können in der ersten und zweiten Klasse im Internet surfen – teilweise ist der Zugang im Ticketpreis inbegriffen. In der ersten Klasse wird allen Fahrgästen zudem ein Essen am Platz serviert. Die Tickets sind allerdings zuggebunden. Die Deutsche Bahn kontert mit einem Gastroservice auf Wunsch. Statt Wifi bietet sie ihren Kunden mehr Flexibilität: Ein Ticket ist in allen ICE-Zügen gültig.

Für Thalys ist die Verbindung nach Deutschland eine der wichtigsten Linien. Das Unternehmen erwartet auf der Strecke von Frankreich und Belgien nach Deutschland dieses Jahr rund 600.000 Reisende. Davon fahren 54.000 die gesamte Verbindung von Essen nach Paris oder zurück. Bis heute stieg die Zahl der Fahrgäste 2012 bereits um vier Prozent. Dieses Wachstum erwartet Thalys auch für das Gesamtjahr.

Das Wachstum gehe aber nicht unbedingt zulasten der Deutschen Bahn. “Die meisten Reisenden haben wir von den Fluggesellschaften geholt”, sagt Gervais.

 

» 22.10.2012, 14:51

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