Die Deutsche Bahn ist derzeit ihr härtester Gegner: ein Versuchs-Zug entgleist, das Brandschutzkonzept für S21 fällt durch und beim Schienenkartell könnte der Konzern mitschuldig sein – die Woche brachte schlechte Nachrichten für die Deutsche Bahn.
Bahn bei Schienenkartell auch Täter?
Die spannendste Frage stellt diese Woche das Bundeskartellamt aus Bonn: War die Deutsche Bahn beim Schienenkartell auch Täter? Die Behörde ist davon überzeugt, wie das Handelsblatt schreibt. Demnach befeuerte die Deutsche Bahn das Kartell, indem es den Stahllieferanten Thyssenkrupp, Voestalpine und Vossloh feste jährliche Abnahmemengen zusagte. Das habe die Preisabsprache erleichtert. Offenbar – und das wäre tatsächlich der Hammer – wollte die Bahn die Unternehmen nicht als Kunden im Güterverkehr verlieren. Denn damals war die Güterbahntochter Cargo noch für den Einkauf des Stahls verantwortlich. Geschädigter wäre somit vor allem der Steuerzahler, der den Neubau der Schienen bezahlt. Die Deutsche Bahn, die ihren Schaden auf 500 Millionen Euro beziffert, könnte möglicherweise weniger Schadenersatz geltend machen, sollte sie denn auch Mittäter gewesen sein. Die Verquickung in das Kartell weist sie allerdings zurück.
Bauarbeiten an S21 lassen Züge entgleisen
Spätestens seit vergangenem Dienstag dürfte der letzte Zweifler überzeugt sein: Die Bauarbeiten auf dem Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahanhofs tun dem Bahnverkehr nicht gut. Beim Test ohne Passagiere entgleiste ein Versuchs-Intercity der Deutschen Bahn erneut an der gleichen Stelle wie Ende September ein Intercity mit 200 Fahrgästen. Mit dem Test wollten Deutsche Bahn und Eisenbahnbundesamt die letzte verunglückte Zugfahrt nachstellen. Die Entgleisung ist nun die dritte innerhalb eines Vierteljahres. Insgesamt sind nun sechs Züge seit Beginn der Bauarbeiten zu S21 vor zwei Jahren entgleist – einige davon aber nach Informationen der WirtschaftsWoche auch aufgrund menschlichen Versagens. Kritiker fordern das Ende der Bauarbeiten.
Brandschutz-Konzept bei S21 fällt durch
Mit plakativen Worten sind die Gegner von S21 immer schnell zur Sache: “Rauchfalle”, nennt der Parkschützer Matthias von Herrmann den geplanten Tiefbahnhof in Stuttgart.Doch dieses Mal hat er nicht ganz unrecht. Ein Gutachten, das die Deutsche Bahn selbst in Auftrag gegeben hat, bemängelt eklatante Fehler beim Brandschutz-Konzept. Die unterirdische Durchgangsstation könne bei Feuer nicht schnell genug evakuiert werden und flüchtende Personen würden “kontaminierte Luft atmen“. Fazit der beauftragten Fachleute der Baseler Gruner AG : Es liege “derzeit kein gesamthaftes, funktions- und genehmigungsfähiges Konzept“ vor. Das Gutachten ist eine Ohrfeige für die Deutsche Bahn, die vor einem Jahr Kritik am Brandschutzkonzept noch als “Panikmache” zurückgewiesen hat.
Big Brother am Bahnhof
Sicherheit kostet Geld – und darüber ist in Berlin nun ein Streit ausgebrochen. In der Hauptstadt werden alle Bahnhöfe, an denen Fern- und Regionalzüge halten, videoüberwacht. Doch an reinen S-Bahn-Bahnhöfen fehlt die Big-Brother-Technik. Nach brutalen Überfällen an einzelnen Bahnsteigen in Berlin fordert der Senat nun von der Deutschen Bahn, die Video-Überwachung auszuweiten. Die Kosten von 1,5 Millionen Euro will aber weder das Unternehmen noch die Stadt übernehmen.
Bahnhof ohne Klo
Eine Nachricht aus der Rubrik “Fundstück der Woche”: In Weißenfels bei Halle ist die Bahnhofs-Toilette defekt – und die Deutsche Bahn empfiehlt Kunden stattdessen die Klo-Benutzung im Regionalexpress. Das schreibt die Mitteldeutsche Zeitung. Grund für diese Notmaßnahme ist, dass sich die Toilette im Bahnhofsgebäude nicht wirtschaftlich betreiben lasse. Ob je ein Bedürftiger die RE-Toilette als Bahnhofsklo-Ersatz genutzt hat, wird nicht übermittelt. Und überhaupt, Zweifel bleiben…
Mein persönlicher Wochenrückblick – immer freitags. Den letzten Rückblick gibt es hier.










