Die Deutsche Bahn hat verstanden: Sie hat Millionen investiert, um im kommenden Winter ein Desaster wie 2010 zu verhindern. Doch gegen bestimmte Wetterphänomene ist die Bahn machtlos. Und die ICE-Flotte bleibt bis 2014 ein Schwachpunkt.
Rüdiger Grube sieht sein Unternehmen für den kommenden Winter gerüstet. “Wir sind zunehmend besser vorbereitet, nicht zuletzt haben wir auch sehr viel in eine bessere Prävention investiert”, sagte der Konzernchef der “Frankfurter Rundschau” vom Montag. Nach dreistelligen Millioneninvestitionen im vergangenen Jahr habe die Bahn dieses Jahr noch einmal Ausgaben im zweistelligen Millionenbereich geplant. Das Geld fließe unter anderem in Zug-Enteisungsanlagen, Weichenheizungen, Heizlüfter, Abtauzelte und in einen umfangreichen Schneeräumdienst.
Schon vor einem Jahr sah sich der Konzern für die kalten Monate bestens gerüstet. Weil die Züge ganz gut durch den Winter fuhren, traut sich die Deutsche Bahn offenbar zu, die Aussage vom Vorjahr zu wiederholen. Im Vergleich zum Winterchaos im Jahr 2009/2010, als die Deutsche Bahn die Geduld ihrer Fahrgäste arg strapazierte, ist das Unternehmen tatsächlich besser gerüstet. Allein die Enteisungsanlagen, die das Abtauen der Züge beschleunigen, gibt es inzwischen in fast jedem Fernverkehrswerk bundesweit. Die Anlagen sind in München, Frankfurt (Main), Köln, Dortmund, Hamburg und Berlin gut über die Republik verteilt.
Ein erneutes Chaos droht bei einem normalen Winter also nicht. Ein kalter und trockener Winter bereitet den Zügen keine Probleme. Minustemperaturen per se zwingt die Technik nicht in die Knie. Schwieriger wird es jedoch, wenn neben der Kälte auch Schnee und Eis dazu kommen und die Temperaturen um die Null Grad Celsius schwanken: Je feuchter der Schnee, desto mehr müssen sich Reisende auf Zugausfälle und Verspätungen einstellen.
Denn anders als die Hochgeschwindigkeitszüge in Russland, die dem ICE ähnlich sind und ebenfalls von Siemens produziert werden, verfügen die deutschen Züge über eine schwächere Technik. Die russische Variante setzt auf Ansaugvorrichtungen, die Außenluft in den Motorblock leiten und so einen Überdruck produzieren. Dadurch wird Schnee und Nässe abgehalten, in den Motorblock einzudringen und Kurzschlüsse zu verursachen. Der Siemens-Schnellzug, der zwischen Moskau und St. Petersburg pendelt, ist seit seiner Jungfernfahrt 2010 verlässlich unterwegs.
Weil der Winter in Deutschland in der Regel milder ist, hat die Deutsche Bahn bei der Beschaffung ihrer ICE-Zügen von der intelligenten, aber auch teureren Technik abgesehen. Daher haben in der Vergangenheit insbesondere kalt-nasse Schneetage zu Ausfällen geführt. Dann drosselt die Bahn auch die Höchstgeschwindigkeit ihrer bis zu 300 km/h schnellen ICE-Züge auf maximal 200, um zu verhindern, dass Eisbrocken auf den Gleisen von Schnellzügen aufgewirbelt und beim Aufschlag gegen den Unterboden Schäden an den Leitungen verursachen. Machtlos ist der Eisenbahnverkehr grundsätzlich, wenn Oberleitungen vereisen. Das kommt etwa bei Eisregen vor.
Angespannt bleibt zudem die Situation mit der Flotte. Seitdem die Deutsche Bahn gezwungen ist, ihre ICE-3-Züge bis zu zehn Mal häufiger als früher auf Risse in den Radsatzwellen zu prüfen, fehlen ihr im laufenden Betrieb zwölf Züge als Ersatz. Eine nachhaltige Verbesserung im Zugverkehr wird es nach Angaben des Bahn-Chefs daher auch erst in einigen Jahren geben: “Wir sind derzeit ganz gut unterwegs. Aber richtig gut werden wir erst wieder, wenn wir eine Reserveflotte haben. Das wird Ende 2014 der Fall sein.”










