» 05.10.2012, 14:48

Was die Bahn bewegte: Mein Rückblick auf die Woche 40

Sicherheitsdebatte um S21, modernisierte Intercitys, City-Maut zur Rettung des Nahverkehrs – die wichtigsten Ereignisse der Woche.

Angst um S21-Sicherheit

Lassen Baumaßnahmen für S21 Intercity-Züge entgleisen? Seit zwei Jahren legt die Deutsche Bahn im Gleisvorfeld des Stuttgarter Hauptbahnhofs Hand an und in diesem Zeitraum entgleiste bereits der fünfte Zug – vergangenen Samstag traf es einen IC Richtung Hamburg. Ein kausaler Zusammenhang liegt da nahe. Kritiker werfen der Bahn deshalb nun vor, die Sicherheit der Kunden aufs Spiel zu setzen. Die Bahn widerspricht erwartungsgemäß. Diskutiert wird nun, ob durch die Bauarbeiten im Gleisvorfeld einige Gleiskurven zu eng wurden. Das Eisenbahnbundesamt prüft. Eine mögliche Konsequenz: Intercity-Züge halten nicht mehr in Stuttgart Hauptbahnhof, sondern in Vaihingen und Esslingen.

Modernisierter Intercity

Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen: Als die Deutsche Bahn am Donnerstag der Presse in Hamburg ihren ersten modernisierten Intercity vorstellt, war die Kaffeemaschine im Bordbistro schon kaputt. Statt Cappuccino und Café Creme gab es Filterkaffee aus der Thermoskanne. Ansonsten sieht im renovierten IC vieles so aus wie in den modernisierten ICE-2-Zügen: Ledersitze in der Ersten, Velour-Bezüge in der Zweiten Klasse. Es gibt mindestens eine Steckdose pro Doppelsitz, tastbare Platzziffern für sehbehinderte Kunden und mehr Stellplätze für Fahrräder als in den alten Intercitys. Ein gemütliches, modernes Ambiente. 250 Millionen Euro investiert der Konzern und schickt die ersten Züge auf die Strecke Köln-Hamburg, wo der private Wettbewerber HKX (Hamburg-Köln-Express) ihr seit einigen Monaten Konkurrenz macht. Die Deutsche Bahn kontert dann hoffentlich mit gutem Kaffee.

Wieder Ärger mit Zugherstellern

Es geht doch noch peinlicher. Eigentlich präsentieren sich deutsche Zughersteller gerne als innovative Meister ihres Fachs. Die Frage ist nur, wann kommen die Innovationen endlich auf die Schiene? Bombardier reißt den versprochenen Liefertermin für 27 Doppelstockwagen an die Deutsche Bahn. Statt Ende 2013 wird der “Dostock”, der im Fernverkehr zum Einsatz kommen soll, erst Mitte 2014 eintrudeln. Auch Siemens patzte jüngst. Der neue ICE kommt statt Ende 2011 erst in den kommenden Wochen. Die Verzögerungen bringen die Deutsche Bahn in Bedrängnis: Seit 2006 sank die Sitzplatzkapazität um vier Prozent, gleichzeitig stieg die Nachfrage um neun Prozent. Sie ist angewiesen auf neue Züge. Die Schmlamperei der Hersteller könnte sich für die Unternehmen bald rächen. Die Deutsche Bahn sucht schon nach neuen Lieferanten in Polen, Spanien und Japan.

Verbesserter Kundenservice

Endlich ist sie da: die minutengenaue Verspätungsanzeige von Zügen. Die Deutsche Bahn informiert seit Anfang Oktober im Internet, zum Beispiel über Smartphone-Apps, wie viele Minuten eine S-Bahn oder ein Regionalexpress verspätet abfährt. Zunächst beschränkt die Bahn das Angebot auf den Nahverkehr, aber bald soll der Fernverkehr folgen. Dort gelten weiterhin Verspätungsanzeigen in Fünf-Minuten-Schritten. Neu ist auch die Sitzplatzauswahl, die der Konzern im Fernverkehr ab Dezember einführt. Wer sein Ticket im Internet bucht, kann über die grafische Anzeige des Zuges seinen Sitzplatz individuell auswählen. Das Angebot gilt leider nur für drei Viertel der ICE-Flotte. Ausgerechnet die Züge zwischen den Ballungsräumen zwischen Köln und Berlin sind noch von diesem Service ausgeschlossen – und die Intercity-Züge dauerhaft. Für Leute, denen beim Rückwärtsfahren schlecht wird, bleibt der neue Service übrigens ein Vabanquespiel: Nur bei jedem zweiten Zug kann die Bahn im Internet auch die Fahrtrichtung angeben. Mehr dazu hier.

City-Maut als Retter des Nahverkehrs

Mal wieder geht es ums Geld. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) warnt vor dem „schleichenden Verfall der kommunalen Verkehrsinfrastruktur“ und fordert ab 2014 jährlich 1,9 Milliarden Euro. Warum dann also nicht gleich die Autofahrer zur Kasse zu bitten? Die Verkehrsminister diskutieren daher über eine City-Maut, wie sie es etwa in London und Stockholm gibt. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer will das nicht kommentieren. Das sei Ländersache. Er unterstützt lieber die Pkw-Maut. Eines scheint klar – egal ob City- oder Pkw-Maut: Für Autofahrer wird es wohl bald teurer. 

Arbeitnehmer-Kampf gegen Trennung

Die Eisenbahner in Belgien machen vor, was auch Deutschland droht, wenn die Politik eine Trennung der Deutschen Bahn in Schienennetz und Zugbetrieb vorantreiben würde. Mitte der Woche legten die belgischen Eisenbahner ihre Arbeit nieder und damit den Verkehr im Land lahm. Der Arbeitskampf richtete sich gegen die geplante Umstrukturierung der belgischen Staatsbahn SNCB. Die Regierung will den Betrieb des Schienennetzes noch weiter vom Betrieb des Verkehrs trennen. ICE-Verbindungen zwischen Köln und Brüssel mussten auf belgischer Seite durch Busse ersetzt werden. Thalys-Züge blieben stehen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), ein strikter Gegner der Trennung der Deutschen Bahn, hat sich mit den Kollegen in Belgien schon mal vorsorglich solidarisch erklärt.

Schlechter Google-Service

Die Welt lacht über den schlechten Kartendienst von Apple, dabei ist kaum einem bekannt, dass Googles Map teilweise ebenso floppt. Der IT-Konzern nutzt Fahrplandaten der Deutschen Bahn, um seinen Nutzern die schnellste Bahn-Verbindung anzuzeigen. Doch die Ergebnisse sind erschütternd. Das System lotst Reisende mitunter über Umwege zum Ziel. Wer vom hessischen Siegen nach Frankfurt Hauptbahnhof fahren will, erhält eine Verbindung von 3:17 Stunden. Die Strecke ließe sich auch in 1:40 Stunden zurücklegen – mit der Hessischen Landesbahn, die nicht angezeigt wird. Problem: Google hat die Fahrplandaten vieler Nahverkehrsunternehmen nicht in das System eingepflegt. Den Ärger bekommt aber nun zu Unrecht die Deutsche Bahn zu spüren. Einen Skandal wittert etwa der Verband Mofair, der Nahverkehrsunternehmen vertritt. Die Deutsche Bahn würde Wettbewerber bewusst diskrimieren. Dabei darf die Deutsche Bahn gar keine Verbindungsdaten der Wettbewerber weitergeben. Google ist allein dafür verantwortlich, ein Produkt anzubieten, das keinem Reisenden etwas bringt.

Mein persönlicher Wochenrückblick – immer Freitags. Den letzten Rückblick gibt es hier.

» 05.10.2012, 14:48

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