» 05.10.2012, 09:02

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Deutsche Bahn: Wieder Ärger mit Zugherstellern

Das Drama um neue Züge bei der Deutschen Bahn setzt sich fort. Nach Siemens muss nun auch Bombardier eingestehen, versprochene Züge nicht pünktlich liefern zu können. Eigentlich wollte das Unternehmen der Bahn 27 Doppelstockwagen bis Ende 2013 auf den Hof stellen. Nun kommen die Züge erste Mitte 2014. „Uns wurde mitgeteilt, dass die Züge drei bis fünf Monate später kommen“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg auf einer Veranstaltung in Hamburg. „Die Botschaft hat uns nicht gefreut.“

Wer Homburg kennt, weiß, dass er innerlich brodelt. Denn für die Deutsche Bahn ist die Nachricht von Bombardier eine Hiobsbotschaft. Angesichts der erhöhten Ultraschalluntersuchungen an der bestehenden ICE-Flotte fehlen der Bahn im aktuellen Betrieb de facto zwölf Züge. Seit 2006 ging das Platzangebot dadurch um vier Prozent zurück, gleichzeitig stieg die Nachfrage im Fernverkehr im gleichen Zeitraum um neun Prozent. Die Deutsche Bahn ist auf neue Züge angewiesen, um die Qualität zu erhalten und zu verbessern.

Die erneute Verzögerung wirft ein schlechtes Licht auf die deutsche Bahnindustrie. Siemens musste die eigentlich für Ende 2011 versprochenen ICE-Züge bereits auf Ende 2012 verschieben. Zudem werden die ersten acht der 16 Züge nur in Deutschland einsetzbar sein. Die Deutsche Bahn hatte aber für 500 Millionen Euro ICE-Züge bestellt, die auch in Frankreich und Belgien fahren können. Nun macht zudem Bombardier erneut als unverlässlicher Lieferant von sich reden. Der Hersteller hatte jüngst auch bei der Lieferung des Nahverkehrszuges „Talent 2“ gepatzt.

Die Deutsche Bahn setzt nun die Modernisierung ihrer in die Jahre gekommenen Intercity-Flotte fort. Insgesamt investiert der Konzern dafür rund 250 Millionen Euro. Den Prototyp stellte die Bahn gestern in Hamburg vor. Die Züge erhalten neue Klimaanlagen, Sitze und Teppiche. Die Wagen der Ersten Klasse werden mit Repeatern für besseren Handyempfang aufgerüstet. In der Zweiten Klasse belässt es der Konzern zunächst bei technischen Vorrüstungen, um in Zukunft die Signale des neuen Mobilfunkstandards LTE besser empfangen und verstärken zu können.

Das Design der modernisierten IC-Züge ähnelt der Ausstattung in den neuen ICE-Zügen: Ledersitze in der  Ersten, Velour-Bezüge in der Zweiten Klasse. Es gibt mindestens eine Steckdose pro Doppelsitz, tastbare Platzziffern für sehbehinderte Kunden und mehr Stellplätze für Fahrräder. Der Speisewagen wird zu einem Bistro umgebaut: Die Tische sind höher, die Sitzbezüge ebenfalls aus Velour. Zudem erhalten die Bistros neue Kaffeemaschinen.

Die ersten Züge werden vor allem auf der Strecke zwischen Köln und Hamburg eingesetzt. „Das ist kein Zufall“, sagte Fernverkehrschef Berthold Huber. Seit einigen Monaten gibt es dort den ersten privaten Konkurrenten im Fernverkehr. Der Hamburg-Köln-Express (HKX) pendelt ein- bis dreimal täglich zwischen den Städten. „Wir wollen beweisen, dass wir besser sind als der Wettbewerber“, sagte Huber. Auf der Strecke werde die Bahn bis zum Fahrplanwechsel im Dezember dieses Jahres 80 Prozent der Intercity-Züge modernisiert haben.

Insgesamt will die Bahn bis 2014 rund 800 Intercitys renovieren. Der Zug ist ein wichtiger Imagetreiber für die Deutsche Bahn im Fernverkehr. „40 Prozent unserer Fahrgäste sind mit dem IC unterwegs“, sagt Huber. Der älteste Zug kommt aus dem Jahr 1971.

 

» 05.10.2012, 09:02

    Ein Kommentar zu “Deutsche Bahn: Wieder Ärger mit Zugherstellern”


  1. anonym sagt:

    “Eigentlich wollte das Unternehmen der Bahn 27 Doppelstockwagen bis Ende 2013 auf den Hof stellen. Nun kommen die Züge erste Mitte 2104.”

    Verzögerung von 91 Jahren…. Wahnsinn! Das würde ich wieder abbestellen!