Steigende Ticketpreise, die Bahncard auf dem Smartphone und eine Bahnmesse mit Rekordergebnissen. Die wichtigsten Ereignisse der Bahn-Woche.
Höhere Preise
Wie jedes Jahr zum Fahrplanwechsel erhöht die Deutsche Bahn auch in diesem Jahr ihre Preise im Nah- und Fernverkehr. Sie steigen ab 9. Dezember dieses Jahres um durchschnittlich 2,8 Prozent. Der Maximalpreis für ein Ticket in der Zweiten Klasse beispielsweise steigt so von bisher 135 Euro auf künftig 139 Euro. Auch die Bahncard wird teurer. Die Bahncard25 kostet für die Zweite Klasse dann einen Euro mehr als heute, sprich: 60 Euro. Die Bahncard50 wird um sieben Euro auf 247 Euro erhöht. Grund seien die stetig steigenden Energiekosten, hieß es als Begründung. Ob 2013 noch mal erhöht wird? Busse werden den Wettbewerbsdruck erhöhen.
Heftige Kritik
Wie jedes Jahr erntet die Bahn dafür natürlich heftige Kritik. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die höheren Preise als nicht gerechtfertigt, „weil die Qualität längst noch nicht so ist wie sie sein sollte“, sagte Karl-Peter Naumann vom Verband. Der Umwelt-Verkehrsclub VCD monierte, trotz gestiegener Preise hätten sich das Angebot und die Fahrpläne nicht verbessert. Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Bundestags, Anton Hofreiter von den Grünen, wertete die Maßnahme als „viel zu hoch“ und „teilweise unsozial.“ Die Linkspartei sprach gar von einem „Abzocke-Skandal“. Tatsächlich ist alles eine Frage der Perspektive, wie zwei Grafiken zeigen, die der gleichen Frage nachgingen: Ist die Erhöhung angemessen?
Maßnahmen gegen Schlepper
Die Deutsche Bahn verstärkt ihren Kampf gegen den Missbrauch von Monatskarten. Mit diesen Fahrkarten kann ein Pendler am Samstag mehrere andere Reisende, etwa Familienmitglieder, mitnehmen. Das Angebot werde auf Strecken wie Berlin-Hamburg systematisch und kommerziell ausgenutzt, heißt es bei der Bahn. Über Internetportale wie mitfahrgelegenheit.de bieten Schlepper etwa Mitreisenden Tickets von Hamburg nach Berlin für 14 Euro. Regulär kostet eine Fahrkarte 73 Euro. Künftig darf der Besitzer der Monatskarte am Samstag nur noch
einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder mitnehmen.
InnoTrans mit Rekordbilanz
Die Messe Berlin zeigt sich mit der Bahnmesse Innotrans zufrieden. Mehr als 126.000 Fachbesucher aus 140 Ländern informierten sich an den Messetagen in der Vorwoche über Innovationen auf der Schiene. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent gegenüber der letzten Messe von vor zwei Jahren. Damit konnte die nach eigenen Angaben führende Messe für Bahntechnik erneut Maßstäbe setzen und Rekordwerte erzielen. Insgesamt zeigten die Aussteller 104 Weltpremieren. Mit Geschäftsabschlüssen von insgesamt über 1,8 Milliarden Euro erlangte die InnoTrans auch als Ordermesse eine große Bedeutung. Ein Beispiel ist der abgeschlossene Rahmenvertrag zwischen der Deutschen Bahn und dem polnischen Unternehmen PESA über die Lieferung von bis zu 470 Triebzügen im Gesamtwert von 1,2 Milliarden Euro.
Doch keine Trennung
Punktsieg für die Deutsche Bahn. Die vollständige Trennung von Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen auf der Schiene ist in Brüssel vom Tisch. Das berichtet die DVZ. Auf einer Konferenz der EU-Kommission legte sich Verkehrskommissar Siim Kallas zwar nicht fest, wie er die Unabhängigkeit des Netzbetreibers sichern will. Ein gesetzlich vorgeschriebenes Unbundling werde es aber nicht geben. Zu rechnen sei eher mit strengen Vorschriften, mit denen die EU die Neutralität des Infrastrukturmanager sichern wolle. Der Interessenverband Mofair, der einige Privatbahnen in Deutschland vertritt und seit jeher eine Trennung forderte, zeigte sich dennoch zufrieden. Mofair begrüßte insbesondere, dass die EU-Kommission die finanziellen Ströme innerhalb einer Holding offenlegen will.
Keine Autozüge nach Berlin
Die Deutsche-Bahn-Tochter DB Autozug gibt ihren Standort Berlin nahezu auf. Zum Winterfahrplan ab November werden sieben der derzeit acht Ziele ab ihrem einzigen Berliner Bahnhof Wannsee gestrichen, berichtete der Tagesspiegel. Bozen, Verona, Triest und Alessandria in Norditalien fallen raus. Auch die Österreich-Verbindungen nach Innsbruck und Schwarzach-St. Veith so wie nach Narbonne in Südfrankreich werden gestrichen, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Lediglich die tägliche bediente Strecke nach München, die Autozug gemeinsam mit City Night Line abwickelt, bleibe bestehen. „Die gestrichenen Ziele werden höchstwahrscheinlich auch nicht wieder im neuen Sommerfahrplan auftauchen“, sagte Gerhard Großer von DB Autozug der Zeitung. Er begründete dies damit, dass es in der Hauptstadtregion zu wenige Interessenten gäbe, die bereit seien, einen ansatzweise kostendeckenden Preis zu zahlen. DB Autozug fahre seit langem rote Zahlen ein und müsse die Fahrpläne „zukunftsfähig machen, um insgesamt erhalten zu bleiben“.
Schlappe für DB Regio
Die WestfalenBahn GmbH übernimmt zum Fahrplanwechsel im Dezember 2015 den Betrieb auf der „Emsland-Linie“, der Expresslinie von Münster über Rheine, Meppen und Leer nach Emden. Das in Bielefeld ansässige Bahnunternehmen, das bislang das Teuteburger Wald-Netz fährt, erhält einen 15jährigen Verkehrsvertrag und löst den bisherigen Betreiber DB Regio ab. Das teilten die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG) und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) am Dienstag in Hannover mit. Beide Organisationen bestellen und finanzieren jeweils für ihren Verantwortungsbereich den Personennahverkehr auf der Schiene. „Die WestfalenBahn hat für den jährlich 2,4 Millionen Zugkilometer umfassenden Fahrplan das wirtschaftlichste Angebot unterbreitet“, begründet Hans-Joachim Menn, Geschäftsführer der für das Wettbewerbsverfahren federführenden LNVG, die Vergabeentscheidung.
Bahncard bald auf Smartphone
Die Deutsche Bahn plant das Ende der Plastikkarte. Die Zeit sei nicht mehr fern, da sich alle Funktionen der Bahncard in einem Smartphone darstellen ließen, sagte Fernverkehrsvorstand Berthold Huber am Donnerstag in Berlin zum 20. Jubiläum der „Halbpreiskarte“ der Bahn. Bis zum Jahresende will das Unternehmen den fünfmillionsten BahnCard-Kunden begrüßen. Zurzeit gibt es 4,8 Millionen BahnCard-Kunden. Davon besitzen 40.000 Kunden eine Bahncard100, 1,6 Millionen eine Bahncard50 und 3,1 Millionen eine Bahncard25. Zum Jubiläum legt die Bahn eine Aktions-BahnCard 25 auf. Sie kostet für vier Monate 20 Euro. Die reguläre BahnCard 25 kostet für zwölf Monate noch 59 Euro, ab 9. Dezember 60 Euro.
Quellen: DPA, OTS, Reuters, eigene Recherchen










