Die Preiserhöhung der Deutschen Bahn in Höhe von durchschnittlich 2,8 Prozent kommt nicht überraschend. Der Konzern macht das jedes Jahr. Nur 2010, als der Winter die Geduld der Fahrgäste überstrapazierte und der Sommer die Klimaanlagen überforderte, setzte die Bahn die Preiserhöhung aus – um ein Jahr später gleich doppelt so stark wie sonst zuzulangen.
Die Begründung der Bahn für das diesjährige Plus: gestiegene Energiekosten. Hinzu kommen höhere Löhne für Lokführer von 3,8 Prozent seit Juli. Bald steigen auch die Löhne der Zugbegleiter um 2,4 Prozent. Tatsächlich kommt die Bahn an diesen Realitäten nicht vorbei.
Doch auch andere Wahrheiten sind zu nennen. Stolz präsentierte die Deutsche Bahn im Juli Rekord-Fahrgastzahlen für das erste Halbjahr 2012 – ein Plus von fünf Prozent in den ersten sechs Monaten. Das Umsatzplus lag sogar bei acht Prozent. Solche Mehreinnahmen sollten den Kostenanstieg eigentlich einfangen.
Andererseits sind die Leistungen der Deutschen Bahn im Fenrverkehr nicht überwältigend. Die Pünktlichkeitsquote etwa in den Monaten Juli und August ist auf deutlich unter 80 Prozent gesunken, sprich: jeder fünfte Züge ist mindestens sechs Minuten zu spät, jeder zehnte Zug sogar mindestens 15 Minuten zu spät. Verbraucher kritisieren die Preiserhöhung daher mit Blick auf die Qualität durchaus zurecht.
Die Deutsche Bahn kann sich die Preiserhöhung dennoch erlauben, denn als Monopolist auf der Schiene mit einem Marktanteil von 99 Prozent kommen Fahrgäste an dem Staatskonzern nicht vorbei. Fahrten mit dem eigenen Auto sind wegen des teuren Kraftstoffs ebenfalls keine wirklich preiswerte Alternative.
Dennoch könnte dieses Jahr vielleicht das letzte Mal sein, wo Bahnchef Rüdiger Grube für sein Ziel, den Umsatz von heute 38 Milliarden Euro bis 2020 auf 70 Milliarden Euro zu verdoppeln, ungezügelt an der Preisschraube drehen kann. Denn auf der Straße positioniert sich neuer Wettbewerb. Die Fernbusgesellschaften werden 2013 auf die Deutsche Bahn losgelassen. Und sie werden der Bahn nicht nur beim Preis einheizen, sondern auch in Werbung geschickt auf ihre Leistungen aufmerksam machen.
Das Spannende daran: Die Busunternehmen wie meinfernbus.de oder deinbus.de sind junge Start-ups, die mit wenig Geld, aber viel Kreativität den Markt aufrollen werden. Sie haben es schon heute fertig gebracht, die behäbigen Mittelständler auf ihre Seite zu bringen und gegen die Deutsche Bahn auf Fernbusstrecken anzufahren. Hinzu kommen alt eingesessene Busunternehmen wie Deutsche Touring, die auch Kapital mitbingen, um die Deutsche Bahn anzugreifen.
Kritik allein bringt die Deutsche Bahn nicht dazu, auf ihre alljährlichen Preiserhöhungen zu verzichten. Dem Unternehmen ist nicht einmal ein Vorwurf zu machen, denn letztlich muss Bahnchef Grube den Konzern führen wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch. Was aber fehlt, ist Wettbewerb im Personenverkehr. Die Busliberalisierung ist daher endlich ein wichtiger Schritt. Und hoffentlich kommen bald auch andere mutige Investoren nach Deutschland, die Züge wie den Hamburg-Köln-Express auf die Schiene setzen.











Ein Kommentar zu “Deutsche Bahn: Die vielleicht letzte ungezügelte Preiserhöhung”
Das mit den Fernbussen könnte auch anders ausgehen. Ein viel größeres Busunternehmen als meinfernbus.de oder DeinBus oder wie sie heißen mögen ist die Deutsche Bahn AG. Und die könnte auf die Idee kommen, preissensible Fahrgäste in Richtung von der DB betriebene Fernbuslinien abzudrängen, und für die Preise im Bahnverkehr ein eher hohes Niveau anzuvisieren.
Würde man beispielsweise zu den freitags und samstags überlasteten Fernzügen parallel zu deutlich niedrigeren Preisen Busse fahren lassen, würde ein Teil der Kunden umsteigen – trotz längerer Fahrzeit und Stau. Das würde die ICEs entlasten, und man könnte dort auch weiter höhere Preise nehmen.
Da die DB anders als andere Busfirmen außerdem Umsteigen in Bahn-Nahverkehr mit gleichem Fahrschein, Anerkennung der Bahncard, City-Ticket etc. auch in ihren Bussen anbieten kann, besitzt sie viele Instrumente, um die Fernbuskonkurrenz klein zu halten. Nach ein oder zwei Jahren wird vielen Startups schlicht das Geld ausgehen.