Pünktlich zu den beiden stattfindenden Branchenmessen von Bahn- und Lkw-Industrie haben sich die Lobbyisten mit Gutachten gerüstet, um sich jeweils als das grünere Transportmittel zu positionieren. “Schiene vergrößert Umweltvorsprung”, heißt es in einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die der Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), die Allianz pro Schiene und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) als Beleg für ihre These nehmen. “Solche pauschalen Aussagen haben nur wenig Aussagekraft”, kontert der Verband der Automobilindustrie (VDA) und legte seinerseits eine Studie von PE International vor. “Es kommt auf den Einzelfall an”, so die Botschaft.
Tatsächlich sagen beide Statistiken im Kern das Gleiche aus. Laut UBA stoßen die Lastwagen pro Tonnenkilometer etwa 4,5 Mal so viel CO2 aus wie die Güterbahnen. Grundlage waren Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2011. Beim Personenverkehr ist die CO2-Verschmutzung beim Pkw etwa zweieinhalb mal so groß wie bei der Bahn. Die Eisenbahn habe also hier einen deutlichen Umweltvorteil. Seit dem Jahr 2000 habe sich die Eisenbahn sowohl im Güter- als auch Personenverkehr zudem deutlich besser entwickelt als die Konkurrenz auf der Straße. Gemessen an den Zahlen hat die Bahn “weiterhin einen Riesenvorsprung vor dem Lkw”, heißt es in der Pressemitteilung. An den durschnittlichen Zahlen bestehen wenig Zweifel.
Doch der VDA hat ebenso Recht, wenn er behauptet, dass es auf den Einzelfall ankommt. Am Beispiel des Containertransports rechnet der Verband vor: Bei langen Zügen mit mehr als 20 beladenen Wagen zeigt die Bahn gegenüber dem LKW die niedrigeren Emissionen. Bei kurzen Zügen mit weniger als zehn beladenen Wagen schneidet der LKW besser ab. Dann sei “der Lkw der Bahn vorzuziehen”. Und wenn die Eisenbahnen bei Vor- und Nachlaufstrecken des Zuges ebenfalls mit Leerwagen unterwegs seien, “verschiebt sich das Ergebnis weiter zugunsten des LKW”.
Auch daran dürften wenig Zweifel bestehen. Es ist ja schon fast eine Binse, dass die Eisenbahnen auf der langen Strecke ihren ökologischen Vorteil ausspielen, während die Lastwagen auf kurzen Strecken nicht wegzudenken sind. So rückt der Kombinierte Verkehr automatisch in das Zentrum der Öko-Betrachtung. Das bedeutet aber auch, gemeinsame Lösungen zu suchen, die Infrastruktur zu verbessern und Lang-LKW zu erproben. Wenn es darum geht, den Transport durch Deutschland und Europa grüner zu machen, sollten sich die Vertreter nicht einseitig mit Gutachten beschmeißen, sondern ideologiefrei daran arbeiten, das Beste aus zwei Welten zu finden.










