Es ist die zweite Kampfansage innerhalb weniger Tage. Die französische Staatsbahn SNCF will im Nahverkehr in Deutschland neu durchstarten. Derzeit ist die Tochter Keolis die Nummer fünf im deutschen Nahverkehrsmarkt auf der Schiene. “Wir werden uns weiter an Ausschreibungen beteiligen”, sagte Guillaume Pepy, Vorstandschef der SNCF, auf der derzeit stattfindenden Bahnmesse Innotrans in Berlin. Insgesamt zeigte sich Pepy mit der Entwicklung von Keolis noch nicht zufrieden. “Wir müssen besser werden”, so Pepy. “Dafür werden wir auch Geld in die Hand nehmen.”
Keolis betreibt in Deutschland die Nahverkehrsflotte Eurobahn, die etwa in der ostwestfälischen Stadt Bielefeld unterwegs ist. Der Marktanteil von Keolis liegt bundesweit bei rund zwei Prozent. Der SNCF-Chef wolle den Marktanteil erhöhen, dabei aber konservativ vorgehen und sich einen Vertrag nach dem anderen anschauen. Es gehe nicht darum, “die Muskeln zu zeigen”, sondern profitabel zu wachsen. Den deutschen Nahverkehrsmarkt bezeichnete Pepy als “offen, aber schwierig”. Da die Betreiber auch die Finanzierung der Züge stemmen müssten, sei der Markt deutlich anspruchsvoller als etwa der französische.
In den deutschen Nahverkehrsmarkt auf der Schiene kommt durch die Ankündigung von SNCF aber wieder deutlich mehr Bewegung. Zuvor hatte auch Netinera, die Tochter der italienischen Staatsbahn Trenitalia, den Markt in Deutschland weit oben auf die Agenda gesetzt. Netinera-Chef Jost Knebel sagte der “Welt am Sonntag”, er peile an, 2014 den Wettbewerber Veolia von Rang zwei verdrängen zu wollen. Mittelfristiges Ziel sei ein Marktanteil von 20 Prozent – so viel wie derzeit alle Wettbewerber der Deutschen Bahn zusammen. Zu Netinera gehören Unternehmen wie die Vogtland- und Länderbahn, Metronom und die Prignitzer Eisenbahn.
Der Bund subventioniert den Nahverkehr in Deutschland mit rund sieben Milliarden Euro pro Jahr. Die Deutsche Bahn ist mit ihrer Nahverkehrstochter DB Regio Marktführer mit einem Anteil von rund 80 Prozent. Nach der Finanzkrise brach der Wettbewerb zunächst ein. Viele Unternehmen taten sich schwer, die Finanzierung der Nahverkehrszüge zu organisieren, da sich Banken immer mehr aus der Kreditvergabe zurück gezogen haben. Durch Keolis und Netinera bekunden nun aber zwei finanzstarke Konzerne Interesse am deutschen Markt. An Ausschreibungen beteiligten sich in jüngster Zeit mitunter auch Abellio, eine Tochter der niederländischen Staatsbahn, und Benex, eine Tochter der Hamburger Hochbahn.
Unklar bleibt die Situation bei der derzeitigen Nummer zwei, Veolia Verkehr. Der französische Mutterkonzern Veolia will den Verkehrssektor laut Medienberichten eigentlich verkaufen. An dem Deutschland-Geschäft dürften auch Nahverkehrsunternehmen wie Netinera Interesse haben. Doch noch ist nicht klar, wann und wie Teile der Transportsparte veräußert werden könnten.










