Als Wettbewerber im Fernverkehr sieht die Deutsche Bahn vor allem die Lufthansa und Air Berlin. Ein Vorteil der Bahn: Arbeiten ist in Zügen besser möglich. Umso erstaunlicher ist, dass die Deutsche Bahn nicht alle Maßnahmen konsequent nutzt, um sich gegenüber den Fliegern bedeutende Vorteile zu erkämpfen.
Der Internetzugang in ICE-Zügen wäre so eine sinnvolle und wichtige Maßnahme. Doch statt Geld in die Hand zu nehmen und den Reisenden einen ruckelfreien Zugang ins Internet zu ermöglichen, schwärmt die Bahn nur von dem, was möglich ist, aber offenbar nur schleppend umsetzt. So schreibt die Bahn auf ihren Internetseiten vollmundig von „rollenden Büros mit WLAN-Zugang“. Der HotSpot im ICE sei „die beste Verbindung von Mobilität und Internet“. Zusammen mit der Deutschen Telekom biete die Bahn einen „besonderen Service“ an – „ganz nach dem Motto ‚Reisezeit ist Nutzzeit‘“.
Die schöne Bahnwelt endet leider in der Realität. HotSpots gibt es derzeit nur auf wenigen Strecken, etwa von Köln nach Frankfurt und weiter über Stuttgart nach München. Ein bisschen Ruhrgebiet und Fahrten von Frankfurt über Hannover nach Hamburg sind ebenfalls abgedeckt. Insgesamt sind rund 1500 Kilometer Bahnnetz umgerüstet – weniger als ein Drittel der geplanten Strecken. Ohnehin muss man Glück haben, einen Zug zu erwischen, der auch entsprechend auf Vordermann gebracht wurde. Insgesamt gibt es derzeit 69 Züge mit WLAN-Netz – sprich: weniger als ein Drittel der ICE-Flotte.
So herrscht viel zu oft Funkstille. Die Zugfahrt etwa von Köln nach Berlin ist spätestens nach Dortmund keine Nutzzeit mehr, sondern nutzlose Zeit, wenn man auf Informationen aus dem Internet angewiesen ist. Gleiches gilt auf so wichtigen Strecken wie Hamburg-Berlin oder Köln-Hamburg. Das WLAN-Angebot ist schlichtweg eine Katastrophe. Und wenn die Züge durch die Prärie donnern, ist auch Mobilfunk keine Alternative.
Die Deutsche Bahn verweist gerne auf die Telekom und andere Netzbetreiber, die ja zumindest Masten an die Strecke stellen könnten. Doch für die lohnt sich das wirtschaftlich nicht. Solange der neue Übertragungsstandard LTE die dünn besiedelten Landesteile noch nicht abdeckt, ist Surfen im Zug oft unmöglich. Dies gilt übrigens auch für den Nahverkehr. Wichtige Pendlerstrecken wie Köln-Düsseldorf, die täglich von zig Tausenden Berufstätigen genutzt werden, sind 20 bis 30 Minuten lang kommunikationsfreie Zone.
Im Flieger ist es schön, mal abzuschalten, aber im Zug verlangen Reisende das volle Programm: surfen, telefonieren, e-mailen. Die Deutsche Bahn könnte sich gerade gegenüber ihren wichtigsten Wettbewerbern, den Fluggesellschaften, einen Vorteil erarbeiten. Eine Fahrt von Köln nach Berlin beispielsweise dauert 4:19 Stunden – von Stadtzentrum zu Stadtzentrum. Ein Flug mit Lufthansa und Air Berlin inklusive Transfer zum Flughafen und in die Innenstadt dauert circa zweieinhalb bis drei Stunden. Zeitlich gesehen liegt der Flieger im Vorteil. Doch bei der Bahn brauchen Reisende nicht umsteigen und können durchgehend arbeiten. Umso wichtiger ist es, ihnen auch eine Infrastruktur anzubieten, die das einwandfrei ermöglicht. Doch davon ist die Deutsche Bahn noch meilenweit entfernt.
Zwar gelobt das Unternehmen Besserung. „Die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom bauen gemeinsam den Internetzugang im ICE aus“, heißt es offiziell. Doch das dauert. „Bis voraussichtlich Ende 2014 sollen insgesamt 255 ICE-Züge und 5200 Kilometer im ICE(Kern-)Netz mit der Breitband-Internettechnik ausgerüstet sein.“
Bis zu zwei Jahre ohne funktionierenden Internetzugang sind ein Armutszeugnis für ein Unternehmen, das sich gegenüber dem Flugverkehr in Deutschland als das bessere Vehikel präsentieren will. „Kein anderes Verkehrsmittel bietet so optimale Bedingungen für die Internetzugang wie der ICE“, schreibt die Deutsche Bahn auf ihren Internetseiten. Es wird Zeit, dass sie ihren Worten konsequent Taten folgen lässt.











6 Kommentare zu “WLAN im Zug: Rollender Murks”
Danke Hr. Schlesinger, Sie haben da ein Thema angepackt, was mir schon lange auf den Nägeln brennt. Ich denke, man müsste zu Verbesserung des Dienstes nicht einmal unendlich viele Maste aufstellen, denn im heimischen Bereich funktioniert WLan auch über die Netzsteckdose. Der Zug fährt über Strom leitende Schienen, da müsste doch was gehen.
Für nicht Telekom-Kunden ist der HotSpot-Dienst auch sehr teuer..bei den Millionen Bahnkunden müsste da auch was günstiger zu organisieren sein.
Das Hauptproblem ist vor allem die starke Funkisolierung der ICEs. Trotz Einsatz von Repeatern ist der UMTS-Empfang sehr lückenhaft. In älteren Zügen (IC oder Regionalbahn, möglichst ohne metallbedampfte Scheiben) hat man oft einen deutlich besseren Empfang. Nichtsdestotrotz: Der Ausbau der WLAN-Hotspots vollzieht sich zu langsam. Es sollte ja nicht so kompliziert sein, zumindest einen Waggon pro Zug mit WLAN auszustatten.
Es ist sehr schade, es gibt tausende von Bahnkunden, die täglich auf das arbeiten im Zug angewiesen sind. Internet gehört einfach dazu. Ich bezahle jetzt 4.000,- Euro für eine Bahncard 100. Da sollte es doch drin sein, denen willigen Zahlern auch eine entsprechende Arbeitsumgebung zu gewährleisten. Ganz zu schweigen von dem Konsum im Zug, der noch dazugerechnet werden muss. Ich bin es jedenfalls bald leid und überlege ernsthaft wieder auf den Flieger umzusteigen. Sollten mehr Personen so denken, würde doch eine erhebliche Summe zusammenkommen, die dann der DB fehlt. LTE ist eine gute Alternative. Also dürften sich die alten Schlachtrosse DB und DT mal was einfallen lassen.
Ich gebe Herrn Warnke Recht: Arbeiten im Zug kann eine Hilfe sein. Aber: ein Recht auf einen Arbeitsplatz im Zug kann es so nicht geben – auch nicht mit BC100. Als jemand der auch ohne Arbeit den ICE benutzt, muss ich leider vermehrt feststellen, dass viele Leute sich arbeitsplatzmäßig ziemlich ausbreiten. Große Laptops sind eine Belästigung für die Mitreisenden – ausufernde Handy-Gespräche ebenso.
Ich befürchte, es wird genau wie bei anderen Aspekten darauf herauslaufen, dass die mangelhafte Rücksichtsnahme irgendwann zu irgendwelche Verboten führt. Oder dazu, dass die Leute, die ungestört von ihren arbeitswütigen Mitreisenden sein wollen, die Bahn meiden, und wieder ins Auto steigen. Die Arbeiter können das ja nicht, da sich Laptop und Lenkras schlecht vertragen.
Wie wäre es mit der einer direkten Buchbarkeit eines Offices-Bereiches, in welches dann gezielt WLAN- und Mobiltelefon-Repeater installiert sind. Andere Reisende werden von den Arbeitenden nicht gestört . Ich glaube, ähnliches gab es schon einmal mit den Konferenzräumen.Erst bei Überlastung des einen und unterbuchung des anderen Bereiches wird gemischt.
Eine direkte Buchbarkeit eines Offices-Bereichs könnte eine gute Idee sein. Nur, wie ich die DB kenne, wird sie dafür entweder extra-Geld verlangen, oder es nur in der ersten Klasse anbieten. Damit rutschen dann die “Billig-Arbeiter” wieder in den allgemeinen Bereich.
Übrigens: nicht jeder mit Laptop arbeitet. Das Video-Anschauen, das Comuterspielen oder das Surfen zum Zeitvertreib ist inzwischen genauso üblich. Und leider schafft es nicht jeder User ohne Geräuschvermeidung. Besonders nett: Eltern die ihren Kleinen den Filmton auf den Lautsprecher legen. Wenn man da was sagt ist man Buhmann.