Der Erfolgsmeldung aus Japan folgt die Kritik aus Deutschland. Der Zughersteller Hitachi aus Tokio feierte jüngst einen Großauftrag aus Großbritannien über den Bau von rund 600 Eisenbahnwagen. Gesamtvolumen: 4,5 Milliarden britische Pfund. Nun folgt die Gegenreaktion des Verbands der Bahnindustrie in Deutschland (VDB). Wettbewerb ja, aber dann bitte für beide Seiten.
Der Lobbyverband der Hersteller in Deutschland wie Siemens, Bombardier und Alstom kritisiert die fehlende Marktöffnung des japanischen Eisenbahnmarktes. Es wäre “zu begrüßen, wenn der japanische Markt für europäische Zughersteller schnell geöffnet und die bisherigen nicht-tarifären Handelshemmnisse beseitigt würden”, schreibt der VDB im aktuellen Politikbrief.
Die Probleme laut VDB: Fehlende Informationen und Transparenz bei öffentlichen Aufträgen, die um ein Vielfaches komplexere Registrierung als anerkannter Lieferant von Schienenfahrzeugen und die auf japanische Züge zugeschnittenen Ausschreibungen. Hinzu kommen vorgeschobene Betriebssicherheitsklauseln, die europäische Züge aus sicherheitstechnischen Gründen für Japan nicht zulassen,weil sie angeblich nicht erdbebensicher sind, obwohl deutsche Zughersteller seit Jahren nach Taiwan und Kalifornien liefern.
Bisher ist Japan damit nur für einzelne Hersteller von Komponenten und Subsystemen mit besonderem Alleinstellungsmerkmal zugänglich. Hierzu gehört etwa der Bremsenhersteller Knorr Bremse aus München. Der Technologiekonzern verkündete im April dieses Jahres die Lieferung von Bremssystemen für 23 neue Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszüge vom Modell E6. Knorr fertigt Bremsscheiben, Bremszangen und Bremsbeläge für die Motordrehgestelle, wie bereits beim Vorgängermodell E5. Die neuen Shinkansen-Züge werden ab Frühjahr 2013 im Einsatz sein und zwischen Tokio und Akita an der Westküste der Hauptinsel Honshu verkehren. Zunächst gilt für die E6-Züge eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h, ab Frühjahr 2014 dann 320 km/h.
Der VDB setzt nun auf die laufenden Verhandlungen eines Freihandelsabkommens zwischen Japan und der EU. Sie bieten eine “nicht nur symbolträchtige sondern auch wirksame Gelegenheit, künftig auch Züge und Lokomotiven in den Handel zwischen beiden Wirtschaftsräumen aufzunehmen”, heißt es in dem Schreiben von VDB-Präsident Ronald Pörner. “Denn vom Wettbewerb, der dadurch möglich wird, profitieren alle.”










