Europas Eisenbahnen gewinnen an Attraktivtät. Das zeigen die Zahlen der beiden führenden europäischen Staatsbahnen in Deutschland und Frankreich. Sowohl die Deutsche Bahn als auch die SNCF haben bei der Anzahl der transportierten Fahrgäste deutlich zugelegt.
So veröffentlichte der Berliner Konzern gar einen Fahrgastrekord. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 erhöhte sich die Zahl der Fahrgäste – ohne Arriva – gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 um fast 40 Millionen auf über eine Milliarde Reisende. Das bedeutet einen Zuwachs von rund vier Prozent. Der Umsatz kletterte im Nahverkehr um rund ein Prozent, im Fernverkehr gar um acht Prozent.
Über der Grenze sieht es kaum anders aus. SNCF legte beim Umsatz sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr um jeweils knapp vier Prozent zu. Der Personenverkehr sicherte dem Konzern ein einigermaßen akzeptables Konzernergebnis. SNCF habe “die besondere Dynamik seiner Personenverkehrsparten unter Beweis gestellt”, sagte Guillaume Pepy, Präsident von SNCF. Das operative Ergebnis, das sich auf Vorjahresniveau hält, sei daher “besser als erwartet“.
Auffällig beim Blick auf die Konzerzahlen beider Unternehmen ist die Schere, die zwischen Personen- und Güterverkehr auseinander geht. Rekorde beim Passagierwachstum, Flaute im Güterverkehr auf der Schiene.Wie ist also das Wachstum bei den Fahrgastzahlen zu erklären?
Dazu gibt es drei Gründe:
1. Das Wetter: Die Jahreszeiten gingen vergleichsweise sanft mit den Eisenbahnen um. Vor allem Winter und Sommer haben sich mit Extremwerten in den vergangenen 16 Monaten zurück gehalten. So konnten die Bahnen einiges an Image und Vertrauen wiedergutmachen, was sie Anfang 2011 wegen klirrender Kälte verloren hatten. Damals war etwa auf die Deutsche Bahn kein Verlass. Investitionen in Züge, Infrastruktur und Personal haben das Unternehmen erst danach robuster gemacht. Unter Beweis stellen konnte die Bahn es nicht, denn danach blieb es weitestgehend mild.
2. Besserer Service: Die Bahnen haben ihre Pünktlichkeitswerte verbessert. Das gute Wetter ist ein Grund dafür. Ein anderer: Seit Jahren optimiert die Deutsche Bahn die Baustellenplanung. Seit 2006 investiert das Unternehmen vor allem in Prävention – im vergangenen Jahr allein 214 Millionen Euro, sprich: 15 Prozent der Gesamtaufwendungen in die Instandhaltung. Die Langsamfahrstellen wurden von rund 700 im jahr 2006 auf weit weniger als 100 im vergangenen Jahr reduziert. Auf Fahrpläne ist mehr Verlass. Anschlusszüge werden besser erreicht. Gute Erfahrungen damit sorgen automatisch dafür, dass Fahrgäste bei ihrer nächsten Reise erneut auf den Zug setzen. Im Übrigen hat sich auch die Qualität der Regionalzüge deutlich verbessert.
3. Gesellschaftlicher Trend: Für Jugendliche ist das Smartphone heute wichtiger als das eigene Auto. Sie wollen über Facebook mit ihren Freunden chatten – und das geht im Zug besser als als Fahrer im Auto. Dieser soziale Trend spielt den Eisenbahnen in ganz Europa in die Hände. Auch die Nahverkehrsunternehmen in den Städten verzeichnen seit Jahren einen Aufwärtstrend. Die Metropolenkinder lieben das Zusammenspiel aus Leihfahrrad, Straßenbahn und Carsharing auf der Kurzstrecke sowie ICE und Intercity auf der Fernstrecke.










