Die Deutsche Bahn präsentiert für das erste Halbjahr bombastische Zahlen: Der Umsatz stieg von Januar bis Juni um 3,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro – so viel wie noch nie. Vor allem der Personenverkehr entwickelte sich prächtig. Die Zahl der Fahrgäste stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf mehr als eine Milliarde – ebenfalls ein neuer Rekord.
Der Vorstand bleibt für das Gesamtjahr daher bei seiner ambitionierten Prognose. Der Umsatz werde zwar wegen der „konjunkturellen Abkühlung“ nicht die Anfang des Jahres angepeilten 40 Milliarden Euro erreichen, sagte Finanzvorstand Richard Lutz. Doch das Ziel für den operativen Gewinn (Ebit) bleibe unangetastet. Weiterhin rechnet die Deutsche Bahn mit einem Ebit von mehr als 2,5 Milliarden Euro.
Die guten Zahlen vor allem im Fernverkehr führt der Staatskonzern auf die gestiegene Pünktlichkeit und den besseren Service zurück. Der Umsatz stieg in der Sparte um knapp 150 Millionen Euro. Seit geraumer Zeit sei die Deutsche Bahn „stabil unterwegs“, sagte Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg auf der Halbjahrespressekonferenz in Berlin. Die Pünktlichkeitsquote habe sich zudem verbessert und die Qualität der Züge habe sich erhöht.
Das ist durchaus richtig. Doch ursächlich dafür war nur in Teilen die Deutsche Bahn selbst. Vor allem das milde Winterwetter dürfte das Fahrgastwachstum angetrieben haben. Zur Erinnerung: Ein Jahr zuvor war der Winter kalt und zäh. Die Deutsche Bahn enttäuschte bei der Bewältigung der Winterprobleme. Offenbar konnte der Konzern das Image aber wieder wettmachen und viele Reisende, die ein Jahr zuvor wegen zahlreicher Verspätungen auf die Nutzung der Bahn verzichteten, zum Einstieg in den ICE und Intercity bewegen.
Sorgenkind des Konzerns bleibt weiterhin der Güterverkehr auf der Schiene. DB Schenker Rail erlitt einen leichten Einbruch beim Umsatz in Deutschland. Die Transportmenge sank um fast drei Prozent. Die starke Abhängigkeit von der schwächelnden Stahlindustrie macht der Sparte das Leben schwer. Logistikvorstand Karl-Friedrich Rausch sprach daher zunächst auch von der „Krise“, korrigierte dann in „konjunkturelle Abkühlung“. So etwas nennt man Freud‘schen Versprecher.











Ein Kommentar zu “Deutsche Bahn strotzt vor Kraft – teilweise”
… das Mehr an Service ist mir bislang verborgen geblieben. Und schon eine überdurchschnittlich warme Woche zeigt, dass die Bahn wohl doch nicht so gut gerüstet ist…
Trotzdem finde ich die Bahn eine gute Alternative zum Auto – aber die selbstgefällige Lobhudelei ist und bleibt unsympathisch, Herr Grube.