Die Piraten in Nordrhein-Westfalen starteten vor einigen Wochen einen zaghaften Versuch: Die Einführung des Nulltarifs im Nahverkehr wurde in der Partei eifrig diskutiert. Doch wie absurd die Idee ist, zeigt eine neue Berechnung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Demnach würde die Einführung eines Nulltarifs allein im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), also der kostenlosen Bus- und Bahnnutzung für alle Bürger, die öffentlichen Kassen und damit den Steuerzahler in Deutschland mit jährlich mindestens zwölf Milliarden Euro mehr belasten.
Die Berechnung im Konkreten: Die Fahrgeldeinnahmen würden jedes Jahr um acht Milliarden Euro abnehmen. Zieht man eingesparte Vertriebskosten ab, blieben 6,8 Milliarden Euro. Hinzu käme ein Mehraufwand in Höhe von 5,2 Milliarden Euro, weil kostenfreier Nahverkehr nach Schätzung des VDV 30 Prozent mehr Nutzer zum Fahren motivieren würde. Nun sind Zahlen des VDV politisch motivierte Lobbyzahlen und mit Vorsicht zu genießen. Dennoch dürfte die Belastung für die Nahverkehrsunternehmen um mehrere Milliarden Euro zunehmen.
Die Folge: Wie Steuern des Staates haben eben auch Nulltarife eine Lenkungswirkung. Leider in diesem Fall eine katastrophale. Nicht Autofahrer steigen um, sondern vor allem Fußgänger und Radfahrer, die sich bislang ihr Nahverkehrsticket sparten. Die erhöhte Nachfrage würden den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zudem verstopfen. Es würden etliche Millionen mehr in Busse und Bahnen steigen. „Wir fahren jetzt schon in den Ballungsräumen und Großstädten teilweise an der Kapazitätsgrenze”, sagt VDV-Präsident Jürgen Fenske. Die Forderung nach einem kostenlosen bzw. durch Steuergelder finanzierten Nahverkehr sei daher absurd, falsch und ungerecht.
Platzt der Nahverkehr aus allen Nähten, müssten dann auch zusätzliche Züge angeschafft werden. Die Infrastruktur müsste ausgebaut und Personal eingestellt werden. So schön die Vision von kostenlosem Straßenverkehr klingt, am Ende wird das teurer als vorher. Zu den zwölf Milliarden Euro müssten die Investitionen in Züge, Infrastruktur und Personal nämlich noch addiert werden.
Aber so richtig ernst schien die Forderung der Piraten ja ohnehin keiner genommen zu haben.










