» 21.02.2012, 18:10

Verspätungs-Info per E-Mail: Eigentlich schon veraltet

Die Deutsche Bahn will Kunden künftig per E-Mail informieren, wenn ein Zug zehn Minuten zu spät kommt. Kann das funktionieren?

Eines vorab. Ich bin iPhone-Besitzer und liebe den Zugriff auf die Fahrgastinformationen über den DB Navigator. Sobald ich eine Reise mit der Bahn antrete, geht mein Blick vorab auf mein Smartphone: Muss ich mich beeilen oder kann ich mir Zeit lassen? Die App der Deutschen Bahn gehört zu den fünf am meisten von mir genutzten Apps. Dieses Informationsangebot ist großartig!

Insofern war ich sehr überrascht, welche Ausbreitung die Meldung über die neue E-Mail-Funktion der Deutschen Bahn gefunden hat. Nahezu alle überregionalen Medien von Süddeutsche Zeitung bis Handelsblatt berichteten über das neue Informationsangebot der Fernverkehrssparte. Zunächst ist das Projekt der Deutschen Bahn ein Pilot und insofern lobenswert.

Doch die E-Mail ist nicht wirklich die perfekte Lösung, um Fahrgäste auf Verspätungen aufmerksam zu machen. Im Grunde ist die E-Mail als Informationskanal bereits veraltet, da sie viel zu statisch arbeitet. E-Mails lesen die meisten im Büro oder zu Hause am PC. Wer kein internetfähiges Handy hat, muss also noch einmal kurz bevor er das Haus verlässt seine E-Mails checken. Das ist zwar kein großer Aufwand. Doch für all jene, die von unterwegs keinen Zugriff auf ihre E-Mails haben, ist der Informationskanal spätestens nach Verlassen der Wohnung oder des Büros  abgeschnitten.

Besser wäre also, Fahrgäste zusätzlich per SMS zu informieren. Ein Handy hat jeder. Die Information über eine Verspätung erhielte der Reisende dann auch noch auf dem Weg zum Bahnhof. Das ist die eigentlich kritische Phase, wenn es auf jede Minute ankommt. Der Reisende könnte dann zumindest noch die kostenpflichtige Rufnummer 01805-996633 wählen, wenn er weitere Informationen wünscht – mit 42 Cent vom Handy aus allerdings auch kein Schnäppchen.

Selbst für Smartphone-Nutzer wäre eine Alternative zur E-Mail die bessere Variante. Eine E-Mail muss abgerufen werden. Eine SMS hingegen wird auf das Handy gepusht. Alternativ böte sich für die Deutsche Bahn auch die kostenlose Zusatzsoftware Whatsapp an, die wie eine SMS-Funktion funktioniert, aber dem Nutzer – und auch der Deutschen Bahn – im Grunde nichts kostet.

Ohnehin informiert die E-Mail nur pauschal über eine Verspätung, einen Ausfall oder eine Störung. Konkrete Angaben wie Verspätungsminuten liefert die Mail über Links. Dort steht dann die genaue Verspätung oder Störung. Wenn nötig bietet die Webseite alternative Verbindungen an. Diese Internetseite werde laufend aktualisiert, heißt es. Doch spätestens dann komme ich ohnehin wieder auf den DB Navigator zurück.

Fazit: Für Smartphone-Nutzer ist das, was die Deutsche Bahn schon heute mit dem DB Navigator anbietet, die sinnvollste Informationsquelle. Für Reisende mit einfachem Handy wäre die SMS (vielleicht in Kombination mit der E-Mail) die bessere Wahl. Dennoch bin ich gespannt auf die  Ergebnisse des E-Mail-Piloten.

» 21.02.2012, 18:10

    Ein Kommentar zu “Verspätungs-Info per E-Mail: Eigentlich schon veraltet”


  1. manfred sagt:

    Whatsapp kostet nichts? Will die “App” nicht mein ganzes Telefonbuch auf deren Server laden oder womit macht Whatsapp sein Geld?

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