» 07.02.2012, 11:16

Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn steigt aus dem Gemeinschaftsprojekt Thalys aus. Das Unternehmen besitzt derzeit zehn Prozent an dem deutsch-französisch-belgischen Konsortium. Die SNCF hält 62 Prozent, die Belgier des Rest. Die Thalys-Züge verbinden die Städte Köln, Brüssel und Paris miteinander.

 
Spekulationen über den Verkauf der Anteile gibt es schon länger, obwohl der Konzern erst 2007 eingestiegen ist. Nun macht die Deutsche Bahn Nägeln mit Köpfen. Die Entscheidung zeigt, dass die Deutsche Bahn beim Joint Venture nie richtig heimisch wurde. Vor allem ist sie als Zeichen zu deuten, was der Staatskonzern in Berlin in den kommenden Jahren vorhat.
 
Denn das Image der Deutschen Bahn auf der Strecke zwischen der Hauptstadt Belgiens und dem Rheinland ist deutlich besser als das des Thalys. Während Thalys-Züge dem SNCF-Produkt TGV gleichen, setzt die Deutsche Bahn parallel auch eigene ICE-Züge ein – seit Dezember 2010 vier Mal am Tag. Bislang galten Tickets für die Strecke zischen Köln und Aachen in beiden Zügen. Ab März sind Tickets dann nicht mehr übertragbar. Das bestätigte ein Sprecher. Für die grenzüberschreitenden Verbindungen sind die Tickets beim Thalys zuggebunden, bei der Deutschen Bahn ist ein Zug flexibel wählbar.
 
Die Deutsche Bahn nimmt den Wettbewerb mit Thalys nun offen auf. Wirtschaftlich hätte sich der Thalys für die Deutsche Bahn nicht gelohnt, heißt es im Unternehmen. Das soll sich künftig ändern. Und die Chancen stehen gut. Die meisten Pendler zwischen Köln und Brüssel bevorzugen die ICE-Züge der Deustchen Bahn. Sie wirken moderner. Die Deutsche Bahn bietet zudem Vielfahrerrabatte wie die Bahncard. Das Unternemen dürfte daher keine Probleme haben, Tickets für ihre Züge weiter zu verkaufen. Ohnehin liegt die Auslastung der Züge bereits bei mehr als 60 Prozent – der Durchschnitt liegtt bei rund 45 Prozent.
 
Hinzu kommt, dass Bahnchef Rüdiger Grube die Strecke Frankfurt-Köln-Brüssel-London in Zukunft ebenfalls in Eigenregie fahren will. Der Ausstieg des Konzerns aus dem Thalys-Projekt ist daher auch ein gutes Zeichen für mehr Wettbewerb auf der Schiene.
 

 

» 07.02.2012, 11:16

    4 Kommentare zu “Thalys: In Zukunft ohne Deutsche Bahn”


  1. Alfred Neumann sagt:

    Welch eine groteske Überschätzung der eigenen Marktposition ! Die Thalys-Züge funktionieren stets tadellos. Meine letzte Fahrt nach Brüssel mit einem DB-Zug endete in Aachen … man hatte einen Zug auf den Weg geschickt, in dem Nichts funktionierte und der für das belgische Streckennetz nicht geeignet war ! Seitdem fahre ich nur noch Thalys.

  2. Peter sagt:

    Ich vermute dass die DB damals nur eingestiegen ist um Wissen abzugreifen und Erfahrungen für die eigene Bedienung der Strecke sammeln zu können.
    Auch wenn die DB-Züge zunächst moderner wirken, wird einem bei einer Fahrt mit Thalys schnell klar, dass hier kräftigere und zuverlässigere Züge fahren (insbesondere bei deutlicheren Wetterbedingungen) und viele Jahre mehr Erfahrung auf diesen Strecken hinterstehen. Auch ist das Thalys-Frühstück in der 1. Klasse mit mehrfachem Nachschlag und guter Qualität nicht zu toppen.
    Ich fahre seit 1998 Thalys und die Züge kamen meist sogar 3 Minuten vor Ankunftszeit am Zielbahnhof an.

  3. WG sagt:

    na Klasse, die Deutsche Bahn macht durch diesen Schritt den Pendlern das Leben wieder schwerer. Ich fahre mehrmals in der Woche von Aachen nach Köln. Der ICE um 7:39 Uhr ist so gut wie immer zu spät. Wenn ich den nehmen möchte kaufe das Ticket nie online, da ich mich nicht festlegen möchte. Oft muss ich nämlich auf den Regionalzug ausweichen, weil der ICE mal wieder 30 min zu spät kommt. Anders der Thalys um 8:39 Uhr. Bislang ist dieser in der Regel pünktlich.
    Die DB bestätigt mit ihrem Schritt ihren grottenschlechten Ruf. Die Verbindung nach Köln wird stetig schlechter. Verbindungen wurden gestrichen, Pünktlichkeit und exakte Kundeninfomation sind bei der DB offenbar unmöglich.
    Meine Bahncard 50 First lohnt sich demnächst nicht mehr, wenn ich viele meiner Tickets bei Thalys kaufe. Für meine Begriffe hat Thalys den Konkurrenzkampf bereits gewonnen. Die DB werde ich meiden, wo es nur geht.

  4. Olaf Clasen sagt:

    Woher kommt immer wieder die Überheblichkeit der DB? Jeder Bahnfahrer weiss, dass beim ersten Schneeflöckchen der “moderner wirkende” ICE stehen bleibt. Ich hörte mal die schöne Durchsage:”Sehr geehrte Passagiere, wir werden versuchen diesen Zug unbeschadet im Schrittempo nach Bielefeld zu bringen.” Und bei Sommerhitze fällt die Klimaanlage aus. Das ist die Regel, nicht die Ausnahme. Während Thalys und TGV sowohl sommers, wie winters pünktlich fahren. Schade, wäre doch so bequem und gleichzeitig ökologisch, wenn man sich auf die DB verlassen könnte.