» 27.01.2012, 11:41

Vorstandsgehälter: Vorbild Bahn

Bahnchef Rüdiger Grube hatte die Idee früher schon mal angekündigt, nun hat er sie konkretisiert. Die Höhe der Managergehälter bei der Deutschen Bahn soll künftig auch von der Höhe der Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit abhängen. „Zum ersten Mal sind jetzt, und zwar für jeden Konzernvorstand, die Kundenzufriedenheit und die Mitarbeiterzufriedenheit in den Vergütungssystemen verankert worden“, sagte Grube. Die Deutsche Bahn misst die Zufriedenheit der Fahrgäste schon lange, für die Mitarbeiter wird eine Befragung ab Herbst initiiert. Das Ergebnis soll dann eine Art „Null-Linie“ bilden, die Ausreißer nach oben und unten in der Zukunft messbar macht. Die Boni der Vorstände sollen rund 50 Prozent von den Ergebnissen abhängen.

Die Deutsche Bahn macht sich damit zum Vorbild für deutsche Unternehmen. Ohnehin verdienen die Vorstände des Staatskonzerns im Vergleich zu Vorstandskollegen anderer Konzerne wenig. Wenn ein Großteil der variablen Vergütung, die zwei Drittel der Einkommen von Vorständen ausmachen, nun auch an Zufriedenheitswerte gekoppelt wird, ist dies ein wichtiges Signal nach außen, dass die Belange der Kunden und Mitarbeiter ernst genommen werden.

Zudem – und das ist viel wichtiger – wirkt die Vergütung wie ein wichtiges Korrektiv in einem monopolitischen Markt. Zwar gibt es im Personennah- und Güterverkehr auf der Schiene Wettbewerb, der dem Bahnkonzern deutlich Marktanteile abgenommen hat. Doch im Fernverkehr liegt der Marktanteil bei 99 Prozent. Wenn unzufriedene Fahrgäste und frustrierte Lokführer das Gehalt nach unten beeinflussen, dann dürften sich im Umkehrschluss die Vorstände Mühe geben, das Image und die Qualität zu steigern.

Die Gretchenfrage wird sein, wie hoch die Zufriedenheit sein muss, damit die Vorstände ihr Geld verdienen dürfen. Nehmen wir die Pünktlichkeit als fiktiven Maßstab für Zufriedenheit der Fahrgäste. Im vergangenen Jahr waren 92,9 Prozent der Züge pünktlich oder nur sechs Minuten verspätet. Ist das nun gut oder schlecht? Im Fernverkehr lag die Pünktlichkeit bei 80 Prozent. Gut oder schlecht? Wie weit die Zufriedenheit der Reisenden Einfluss auf die Vergütung hat, hängt dann im Wesentlichen von den Maßstäben ab. Ein Glas ist immer halb leer und halb voll.  

 

» 27.01.2012, 11:41

    5 Kommentare zu “Vorstandsgehälter: Vorbild Bahn”


  1. Fahrgast^ sagt:

    Die Kundenzufriedenheit bei solchen Tankern hängt nicht vom Managment ab, sondern von den Mitarbeitern in der “Produktion”. Und die Kundebeschwerden deuten doch wohl daraufhin, daß bei der Bahn das Chaos herrscht. Fehlende Verspätungs-Ansagen z.B. sollen eigentlich gemacht werden; immer gleichlautende Beschwerden werden oft über Jahre hinweg mit immer gleichlautenden Standard-Schreiben beantwortet ohne daß sich was ändert.

  2. toni sagt:

    Über welche Bahn reden die ganzen Meckerer eigentlich immer? Vielleicht von ihrer Phantasiebahn?

  3. Helmut Schmidt sagt:

    Sehr geehrter Herr Schlesiger,
    die “Idee” von Herrn Grube ist ein alter Hut: schon Amtsvorgänger Ludewig wollte vor 14 Jahren die Boni der Vorständler von der Pünktlichkeit abhängig machen. Johannes Ludewig paßte – z.T. auch aufgrund des schwarzen Parteibuches – vielen nicht in ihre Vorstellungen wurde unter Gerhard Schröder abgesägt und durch Hartmut Mehdorn ersetzt – dessen Arbeitsresultate uns Fahrgäste und Steuerzahler noch lange beschäftigen werden.
    Daß die Bahnvorstände im Vergleich “wenig” verdienen zeigt nur, wie völlig maßlos und gierig die Vorstände in Deutschland geworden sind: mehrere Millionen Euro p.a. sind “wenig” ?!?
    Zum Thema “Pünktlichkeit sollte weniger das bahneigene Zahlenmaterial, sondern vielmehr das der unabhängigen “Stiftung Warentest” druch die Presse verwendet werden. Da sieht die “Wirklichkeit” gleich ganz anders aus.

  4. torben sagt:

    @Helmut Schmidt
    Das “Zahlenmaterial” der “Stiftung Warentest”, welches die “Wirklichkeit” abbilden soll, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Gesamtsystem Flächenbahn und von daher nicht mit dem “Zahlenmaterial” der Deutschen Bahn AG vergleichbar.

  5. moechtegernbrite sagt:

    @ Toni

    Stimme Ihnen zu, Zitat von WDR2: “Eigentlich meckern nur die über die Bahn, die gerade mit ihrem Auto im Stau stehen.”

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