Ist es klug oder fahrlässig, den Winter schon Anfang Oktober herbei zu reden? Zumindest ist es selbstbewusst. Die Deutsche Bahn erklärt schon vor dem Einbruch der ersten Winterwochen, dass sie die Probleme in den Griff bekommen wird. Vor ein paar Wochen klang das noch ganz anders. Da warnte der Staatskonzern vor Verspätungen im Winter. Und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) rief eilig zum Bahn-Gipfel nach Berlin.
Doch offenbar sieht sich die Deutsche Bahn inzwischen gut gerüstet. 70 Millionen Euro investierte der Konzern zusätzlich, um sich auf Herbstlaub, Kälte und Schnee vorzubereiten. Mehr Schneeräumkräfte, neue Weichenheizungen, mehr Werkstattkapazitäten und bessere Kommunikation sollen Probleme erst gar nicht erst entstehen lassen. Bis 2015 werden sogar rund 300 Millionen Euro investiert.
Die Maßnahmen zusammengefasst:
- Die Bahn richtet in sechs Fernverkehrswerken bundesweit – München, Frankfurt (Main), Köln, Dortmund, Hamburg und Berlin – Enteisungsanlagen ein, um das Abtauen der Züge zu beschleunigen.
- Im Nahverkehr verstärken acht Abtauzelte neben den Werkshallen die Abtaukapazitäten bundesweit. Hinzu kommen 200 neue Heizlüfter und 13 Außenreinigungsanlagen mit Abtauanlagen.
- Die Zahl der beheizten Weichen steigt um rund 700 auf jetzt knapp 48.000. Alle Weichen auf Strecken mit fahrplanmäßigem Personenverkehr haben damit eine Weichenheizung.
- Die Antriebe von rund 1.200 Weichen an besonders sensiblen Stellen rüstet die Deutsche Bahn mit zusätzlichen Abdeckungen aus, um sie widerstandsfähiger gegen Schneeverwehungen und von Fahrzeugen herabfallende Eisbrocken zu machen.
- Die Deutsche Bahn hat sämtliche Verträge mit Firmen für das Schneeräumen von Bahnsteigen neu abgeschlossen. Mit Winterbeginn stehen bundesweit rund 600 Mitarbeiter zusätzlich in Bereitschaft, um wetterbedingte Störungen schneller beseitigen zu können. Rund 6.000 Schneeräumkräfte sorgen in zwei Schichten dafür, dass insbesondere Weichen nach Schneefall und Eisbildung schneller wieder in Betrieb gehen.
- Ein GPS-gestütztes Meldesystem erlaubt jederzeit eindeutige Rückmeldungen über den Räumzustand von Bahnsteigen und verbessert die Disposition der Schneeräumkräfte.
- 461 Fahrzeuge der S-Bahn-Baureihe ET 423 wurden mit neuen Besandungsanlagen und neuer Software nachgerüstet, um auch auf durch Herbstlaub rutschigen Schienen optimal bremsen zu können.
- Die Bahn hat ein neues Verfahren zur Schienenreinigung entwickelt, um besonders rutschige Streckenabschnitte schneller wieder passierbar zu machen. Dazu sind in den Nachtstunden Spezialfahrzeuge im Einsatz, die mit Hochdruckreinigern die Schienenköpfe von Laub und Schmierfilm befreien.
- Im Störfall will das Unternehmen die Kunden besser informieren und betreuen. Dazu hat die Deutsche Bahn mehr als 2.000 dynamische Schriftanzeiger (DSA) auf den Bahnhöfen installiert, mit denen Kunden informiert werden, falls es zu Abweichungen vom Fahrplan kommt.
Ziel sei eine nachhaltige Steigerung der Fahrzeug- und Infrastrukturverfügbarkeit – gerade auch bei extremer Witterung. „Wir wollen unseren Kunden auch bei starken Wintereinbrüchen einen zuverlässigen und planbaren Zugverkehr bieten“, erklärte Ulrich Homburg, DB-Vorstand Personenverkehr. Die Investitionen in die Krisenprävention dürften Teil der Service- und Kundenoffensive sein, die Bahnchef Rüdiger Grube mehrfach ausgerufen hat. Die Ausgaben sind gut angelegt. Im Frühjahr wird Bilanz gezogen, ob die Deutsche Bahn ihre Versprechen halten konnte.
Schon jetzt hat der Konzern aber eine Begründung parat gelegt, sollte der Fahrplan dann doch mal nicht zu halten sein: Die Verfügbarkeit der Fahrzeuge im Personenverkehr bleibe angespannt. Durch die verkürzten Ultraschalluntersuchungen – zehnmal häufiger als vom Hersteller vorgesehen – fehlen im täglichen Betrieb bis zu 18 ICE-Züge. Zusätzlich verspäte sich die Lieferung der 16 neuen ICE 3-Züge von Siemens, heißt es beid er Bahn. Zudem gebe es seit Längerem erhebliche Verzögerungen bei der Auslieferung von 178 Nahverkehrstriebwagen des Typs Talent 2 von Bombardier.











10 Kommentare zu “Deutsche Bahn: Der Winter kann kommen”
Hoffen wir das Beste!
Der Versuch, klamme Staatskassen durch Privatisierung zu füllen, hat die Bahn und damit Deutschland entsetzlich geschadet. Der Güterverkehr ging auf die Autobahn, und im Personenverkehr wurde nur noch auf Geschäftreisende geschaut. Der normale Bürger, der eine preiswerte und zuverlässige Verbindung braucht, fiel runter.
Seltsam!
All diese spektakulären Maßnahmen waren bei der alten Bundesbahn der Normalfall, der nicht der Rede wert war.
Außer dem GPS-Müll natürlich.
Nun, da die Bahn – wie bei den S21 Stresstestergebnissen unwidersprochen deutlich wurde – als vorrangiges Qualitätskriterium “wirtschaftlich optimales Handeln” ansieht, kann ich mir kaum vorstellen, dass sie sich um den Winter scheren.
Wirtschaftlich optimal ist es, die Leute frieren zu lassen.
Sollte eigentlich alles selbstverständlich sein. Ist jedoch nur ein weiterer Beweis für Mehdorns jahrelanges Missmanagement, dessen Auswüchse nach und nach behoben werden müssen.
Die effektivste Art, bei Schmierfilmbildung durch Laub auf den Schienen, den Zug zum Halten zu bringen, sind Magnetschienenbremsen (Mg). Die reinigen nicht nur den Schienenkopf, sondern bremsen auch und sind nicht erschöpfbar wie (leere) Sandkästen. Warum seltsamerweise die Mg nur in Diesel- und nicht in Elektrotriebwagen eingebaut werden, ist mir rätselhaft.
Ich war vor Kurzem in der Schweiz und musste auf Grund einer Motorradpanne auf die Bahn umsteigen. Fazit: Saubere Züge, Bahnhöfe Pikobello, überall hilfsbereites, kompetentes, freundliches Personal, richtige Fahrkartenschalter (Man höre und staune…) und keine dämlichen Automaten, die ständig kaputt sind UND: Die Züge sind pünktlich, die Kosten überschaubar.
na also, geht doch!
Toll, nun kommen die “Errungenschaften” zurück, die es bereits vor vielen Jahren bei der Staatsbahn gab. Offenbar war also die “böse staatliche” Deutsche Bahn besser als die “tolle privatisierte” Deutsche Bahn, die als Tafelsilber des Landes für Peanuts letztlich noch Spekulanten zum Fraß vorgeworfen werden soll. Wie toll doch die neoliberale Ideologie und der Privatisierungswahn sind…
… und was tat die Bahn gegen ausgefallene Heizungen? Es ist ja schön, daß die Gleise sauber und geräumt sind (ich dachte immer, das sei selbstverständlich), aber müssen wir auch dieses Jahr wieder mit Mänteln und eiskalten Füßen im (teuren) iCE sitzen und frieren?
Können Bahnfahrer eigentlich die Flachzange Mehdorn für den Mist belangen, den dieser angerichtet hat?
Fazit: Ekelhafter Kerl.
Dann wird es zukünftig auch bei Air Berlin schwitzen und frieren heißen… ?