» 17.06.2011, 17:03

Vertauschte Rollen: Im Ton gibt Grube den Politiker, Kretschmann den Manager

SZ-Journalist Heribert Prantl hat es süffisant und prägnant auf den Punkt gebracht: “Bahnchef Grube benimmt sich, als sei der Mehdorn in ihn gefahren”, schreibt Prantl Anfang der Woche in einem Kommentar über den Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube. Im Streit um Stuttgart 21 wirft Grube den Grünen Wählerfängerei und Volksverdummung vor – “und erinnert damit fatal an seinen bollerigen Vorgänger”, so das Fazit Prantls.

Der verbale Frontalangriff Grubes zeigt, dass der Streit um S21 wieder voll entbrannt ist. Grube scheint sich sicher zu sein, dass an dem Bau des Bahnhofs kein Weg vorbei führt. Mag er inhaltlich Recht haben, so eignet er sich auf diese Weise die Eigenschaften von Politikern an, die nicht der Stil von Vorstandschefs sein sollte: polternd, polemisch, attackierend.

Ganz anders dagegen Winfried Kretschmann. Auch er greift die Deutsche Bahn an. Kretschmann wirft der Bahn einen Bruch der Stuttgart-21-Schlichtung vor. Laut Schlichterspruch werde erst der Stresstest zeigen, ob der geplante Tiefbahnhof „überhaupt funktioniert“, sagte Kretschmann dem Südwestrundfunk (SWR2). Daher müssten bis zur Bekanntgabe der Testergebnisse am 14. Juli die Bauarbeiten ruhen. Kretschmann wählt gemäßigte Worte: „Dass man bis dahin nicht weiter macht, ergibt sich eigentlich aus der Logik dieses Vorgangs“, so Kretschmann. „Insofern verhält sich die Bahn nicht vernünftig und nicht wirklich dementsprechend, worauf sie sich eingelassen hat, auf die Schlichtung. Die ist erst zu
Ende, wenn der Stresstest gemacht wurde.“

Grube und Kretschmann wechseln ihre Rollen. Grube mimt den polternden Politiker, Kretschmann den auf Ausgleich orientierten Unternehmer. Am Ende wird ihr Verhalten keinen Einfluss auf den Ausgang des Verfahrens haben. Gemäßigte Worte waren aber tatsählich das erfolgversprechende Wesen der Schichtung.

» 17.06.2011, 17:03

    3 Kommentare zu “Vertauschte Rollen: Im Ton gibt Grube den Politiker, Kretschmann den Manager”


  1. [...] kritisiert S21-Stresstest: Grüne: Bahn sucht Konfrontation n-tv.de NACHRICHTEN WirtschaftsWoche  - Stuttgarter Zeitung  - BILDAlle 87 Artikel » Ähnliche [...]

  2. bond sagt:

    die Bahn hat Recht. In dem Stresstest geht es nicht mehr darum ob gebaut wird oder nicht sondern wie gebaut wird. Ansonsten muss sich die Landesregierung auch an Gesetze halten. Persönlich bin ich dafür Stuttgart aus dem ICE-Plan zu nehmen und vorbei zu fahren. Da will doch wirklich keiner Aussteigen

  3. [...] weniger begeistert. Verbal aber ging vor allem der Bahn-Chef persönlich auf Konfrontationskurs: Er hatte den Grünen Wählerfängerei und Volksverdummung vorgeworfen. Während Grube neuerdings seinem Vorgänger Mehdorn, zumindest hinsichtlich öffentlichkeitswirksam [...]

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