Mit dieser Begründung hatte keiner gerechnet: „Wir werden vor dem 21. Februar 2011 nicht streiken, weil wir die Skiweltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen nicht beeinträchtigen wollen.“ Das erklärte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, heute gleich zu Beginn der Protestveranstaltung der GDL in Berlin vor rund 1 000 Lokomotivführern. Bis Ende dieser Woche wolle der GDL-Chef der Deutschen Bahn und der Gruppe der sechs großen Schienenpersonennahverkehrsunternehmen Abellio, Arriva Deutschland, Benex, Keolis Deutschland, Veolia Verkehr und den Hessischen Landesbahnen (auch G6 genannt) eine letzte Chance geben, der GDL ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten.
Ein Streik wird damit immer wahrscheinlicher. Ab kommenden Monatg werden erste Warnstreiks möglich sein. Der Arbeitskampf bei der Deutschen Bahn und rund drei Vierteln ihrer Wettbewerber im Regionalverkehr werde „in den nächsten Tagen“ beginnen, sagte Weselsky.
Die GDL lässt nun also ihre Muskeln spielen und ist kaum zu erwarten, dass sie klein beigeben wird. Die GDL ist stärker denn je. Die G6-Unternehmen scheuen einen Ausstand der Lokführer wie der Teufel das Weihwasser. Wenn nichts mehr fährt, drohen den Bahnunternehmen hohe Strafen, die sie an die Landesgesellschaften und Verkehrsverbünde zahlen müssten, die den Schienenpersonennahverkehr jedes Jahr mit sieben Milliarden Euro subventionieren. Wie wichtig den G6 die Vermeidung von Streiks ist, zeigt das Ergebnis bei den separat verlaufenden Verhandlungen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), in denen es um die Löhne und Arbeitszeiten von Zugbegleiter, Wartungs- und Vertriebspersonal ging. Die G6 kam der EVG deutlich entgegen. Der maximale Lohnunterschied zwischen den G6 und der Deutschen Bahn beträgt nur noch 6,5 Prozent. Alle Parteien – EVG, G6 und Deutsche Bahn – einigten sich auf einen Branchentarifvertrag und unterzeichneten diesen Anfang der Woche feierlich.
Der GDL ist das zu wenig. Sie fordert eine hundertprozentige Angleichung der Tariflöhne für Lokführer bei der Deutschen Bahn als auch bei den G6. Neue Studien geben ihren Argumenten neues Futter. Die GDL argumentiert wiederholt mit dem Sicherheitsaspekt. Die Belastung der Lokführer bei den Konkurrrenten der Deutschen Bahn gingen zu Lasten der Sicherheit, heißt es. Jüngste Zahlen des Eisenbahnbundesamtes (EBA) lassen das vermuten: 355 Mal haben Lokführer in Deutschland 2009 rote Haltesignale übersehen. Lokführer privater Bahnunternehmen überfuhren rote Haltesignale dreimal so häufig wie die der Deutschen Bahn.
Die GDL wird daher wohl kaum von ihrer Maximalforderung abweichen. Einen Ausstand könnte wohl nur vermieden werden, wenn sich die G6-Gruppe bewegt. Für die GDL steht fest: Der Streik ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.











2 Kommentare zu “Der lange erwartete Bahn-Streik kommt”
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Hier erpresst eine kleine Gruppen alle Pendler, somit u.U. Millionen von Arbeitnehmern. Dies finde ich nicht in Ordnung.
Streik soll sein, aber mit Maß und Ziel! Die Lokführer haben bereits in den vergangenen Jahren viel höhere Lohnzuschläge erhaltenm als andere Arbeitnehmer.
Der “öffentliche Dienst” kann hiervon nur träumen.
Da nicht vorhergesagt wird, wo gestreikt wird, kann sich der einzelne Pendler nicht darauf einstellen.
Ich steige jetzt auf das Auto um. Soll diese Kerle bezahlen wer will.