» 27.12.2010, 12:39

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Im Januar drohen Streiks

Es ist ruhig geworden im Tarifstreit der Eisenbahner in Deutschland. Seitdem Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) Anfang Dezember die Schlichtung übernommen hat, scheint sich eine Lösung anzubahnen. Die Eisenbahnergewerkschaft EVG verhandelt sowohl mit der Deutschen Bahn als auch mit deren sechs größten Konkurrenten Keolis, Veolia, Abellio, Benex, Arriva Deutschland und den Hessischen Landesbahnen über einen Branchentarifvertrag im Nahverkehr. Ziel ist eine Angleichung der Löhne etwa für Zugbegleiter, Verkaufsmitarbeiter und Sicherheitspersonal. Man sei „auf gutem Wege“, ein Abschluss bis Ende Januar scheint wahrscheinlich – heißt es.

Doch die Ruhe trügt. Selbst wenn Schlichter Struck die Zankparteien auf einen Branchentarifvertrag einschwört, ist die Gefahr eines Bahnstreiks nicht vom Tisch. Parallel verhandelt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) mit der Deutschen Bahn und deren Wettbewerbern. Das Ziel der GDL: gleicher Lohn für alle Lokführer – auf dem vergleichsweise hohen Niveau des Staatskonzerns. Bei den Verhandlungen etwa mit den Wettbewerbsbahnen gebe es “Fortschritte“, ist zu hören, aber nur bei Randthemen wie Wochenarbeitszeiten und Qualifizierung. Das Lohnniveau verhandeln die Parteien erst Ende Januar.

Und das Gehalt ist die Achillesferse im Verhandlungspoker. Die Wettbewerbsbahnen beispielsweise lehnen eine totale Angleichung der Löhne ab, weil sie dadurch ihren Vorteil gegenüber der Deutschen Bahn verspielen würden. Und selbst mit der Deutschen Bahn konnte sich die GDL bislang auf keinen gemeinsamen Nenner einigen. Der Staatskonzern legte kurz vor Weihnachten ein Angebot für höhere Löhne der Lokführer vor: plus 1,8 Prozent ab März, weitere zwei Prozent ab 2012. Doch dies sei “unakzeptabel”, erklärte die Gewerkschaft bereits einen Tag später in einer Presseerklärung. Das angebotene Volumen sei “unzureichend”. Weitere Verhandlungen folgen Ende Januar.

Spätestens dann wird die GDL ihren Druck erhöhen und ihre Ziele kompromisslos verfolgen – schon deshalb, weil es ihr auch darum geht, der Konkurrenzgewerkschaft EVG Mitglieder abzujagen, die im Dezember aus der Fusion von Transnet und GDBA entstanden ist. Die GDL vertritt rund 70 bis 80 Prozent aller Lokführer in Deutschland — da ist noch Potenzial. „Die GDL strotzt vor Kraft“, sagt ein an den Verhandlungen Beteiligter. Ein mehrtägiger Ausnahmezustand auf deutschen Schienen von Ende Januar an ist deshalb ein realistisches Szenario.

» 27.12.2010, 12:39

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