Es ist gespenstisch ruhig in Manhattan. Busse, U-Bahnen, Züge – nichts fährt mehr. Heute nachmittag in Chinatown standen die Menschen um zwei Blocks herum für Bustickets nach Washington und Boston an.
Ich harre mit einer Freundin in Zone B im East Village aus. Die Evakuierungszone A ist nur eine Straße weiter. Aber meine Wohnung in Brooklyn fast direkt am East River war mir dann doch zu unsicher. Also haben wir die Fenster mit tape vor fliegenden Objekten gesichert, alle Blumen und Blumenkästen vom Balkon reingeschleppt, Stühle ebenso.
Der Kühlschrank ist voll. Ich wollte noch schnell mehr Wasser holen, doch da gab’s schon nix mehr, ich hab ein, zwei six packs Bier mitgenommen und Chips. Wer weiß, wie lange das hier alles dauert mit Sandy – dem Hurricane Sandy.
Irgendwie bin ich noch ganz ruhig. Ich denke an den Sommer 2011, an Wirbelsturm Irene, aus dem dann nicht mehr wurde als ein leichter Sommerregen – zumindest in New York. Diesmal soll es anders werden, sagen die Meterologen. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg warnt mit ernster Stimme im Fernsehen, die New Yorker sollten Sandy Ernst nehmen. Der Präsidentschaftswahlkampf ruht, Obama ist in Washington.
Wir haben den Kamin angeschmissen.
Dass es so schlimm wird, das hätte ich allerdings nicht gedacht.











