» 04.10.2012, 04:05

Eins zu Null für Romney

Ein müder, defensiver Barack Obama quält sich durch die erste Fernsehdebatte mit Romney. Der Republikaner wirkte frischer, aggressiver und sicherer als Obama.

Scharfzüngig, teilweise sogar manchmal witzig, dazu einfache klare Sätze – der Präsidentschaftskandidat der Republikaner hatte ganz offensichtlich viel geübt in den vergangenen Tagen: hervorragend war er auf die erste Fernsehdebatte mit US-Präsident Barack Obama vorbereitet. Aggressiv attackierte er den Präsidenten für seine Wirtschaftspolitik, seine Haushalts- und Steuerpolitik, die vor allem die Mittelklasse geschröpft habe. Immer wieder brachte Romney sein Mantra rüber: es ginge ihm um Jobs, Jobs und nochmals Jobs.

Obama verzettelte sich, verhedderte sich in langen akademischen Erklärungen wie das nun etwa genau sei mit Medicare und Medicaid, den beiden staatlichen Krankenversicherungen.

Zugegeben, viel Neues haben wir nicht erfahren in dieser Debatte von den beiden Kandidaten. Romney will einfach nicht herausrücken mit genaueren Plänen, wie er denn nun all die neuen Jobs schaffen will, die er verspricht. Unklar ist vor allem nicht, wie er, falls er gewählt wird,  und dann ja  „Government“, also Regierung ist, die Privatindustrie dazu bringen will, endlich mehr Leute einzustellen. Denn eigentlich, predigt Romney ja gebetesmühlenartig,  soll sich die Regierung  raushalten aus der Wirtschaft. „Die private Wirtschaft funktioniert besser und effizienter als der Staat“, so Romney.  Mit Steuererleichterungen allein, die er verspricht,  wird aber kaum ein großer Schub an Arbeitsplätzen zu schaffen sein.

Überrascht hat Romney  mit seiner Ankündigung, auch er wolle Regulierung für den Finanzmarkt. Leider nur habe die Wall-Street-Reform der US-Regierung den großen fünf Banken einen Freischein gegeben, weil der Dodd-Frank-Act ihnen die Rettung durch den Staat garantiere, falls es wieder zu einer Krise an den Finanzmärkten käme. Hoppla, Mr. Romney, das sind ja jetzt einmal ganz neue Töne. Zerhackt haben die Republikaner das umfangreiche Regulierungsgesetz für den Finanzsektor bisher.  Jetzt auf einmal ist Regulierung etwas Gutes – na, wenn da nicht einer dem Volke nach dem Munde redet.

US-Präsident Barack Obama wirkte erstaunlich müde und viel zu defensiv. Er löcherte Romney nicht beim Thema Steuererleichterungen. Obama fragte nicht nach, wo denn Romney genau plane im Haushalt zu kürzen. Nur beim Thema Gesundheitsreform parierte er schlagfertig Romneys Attacken.

Auch die Körpersprache beider Kandidaten war eindeutig: Romney stand kerzengerade da, sprach Obama direkt an, wenn er den Präsidenten attackierte. Obama hörte eher gelangweilt zu, blickte nach unten, blätterte in seinen Unterlagen auf dem Pult. Nein, Mr. President, so werden auch die nächsten zwei Debatten nicht gewonnen. An diesem Abend fehlte Obama die Leidenschaft, die Lust und die Kraft zum Streit und zu überzeugen.

 

 

 

 

» 04.10.2012, 04:05

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