Öfter mal was Neues: Swimrun Urban Challenge in Düsseldorf

Eine Auswertung sämtlicher Triathlon-Ergebnisse, an denen ich teilgenommen habe, dürfte eine klare Nachricht aussenden. Meine Platzierungen sind in den Disziplinen Schwimmen und Laufen am besten, auf dem Rad am schlechtesten. Das bedeutet also, dass ich eigentlich einen Vorteil haben sollte, wenn das Radfahren wegfällt und meine beiden stärkeren Disziplinen gewertet werden.

Das fühlte sich nur überhaupt nicht so an am letzten Septemberwochenende, als mich im Unterbacher See nicht einzelne Schwimmer passierten, sondern Heerscharen an mir vorbeipreschten.

 

Gute Miene zum neuen Spiel. Immer. Ohne Ausnahme.

Was war geschehen? Zunächst mal das Übliche: Es gab die Chance auf etwas Neues und bei einem in geringem Umfange albernen Unterfangen dabei zu sein. Swrimrun. Genauer: Swimrun Urban Challenge Düsseldorf. (Reichlich Bilder hinter dem Link. Looks like fun – ist nicht mal gelogen!)

Swimrun unterscheidet sich vom verdächtig ähnlich klingenden Swim&Run dadurch, dass man beide Disziplinen mehrfach ausübt. Bisschen Laufen, ab ins Wasser, wieder Laufen, wieder Schwimmen – so lange die Strecke es hergibt.

Mutter dieses Hin und Hers ist Ötillö – oder besser Ö till Ö und heißt „Von Insel zu Insel“. Das gibt es sei 2006 in Schweden und dabei treten 2er-Teams gegeneinander an. Distanz: 75 Kilometer, davon 65 Kilometer zu Fuß die übrigen 10 Kilometer schwimmend.

So weit, so irre – entstanden natürlich als Schnapsidee in einer Bar. Nicht Ausdauersport ist ungesund – in einer Bar sitzen ist es, wenn Sie mich fragen.

Die Düsseldorfer Ausgabe ist quasi ein Miniaturformat davon, ohne Insel, aber vier Schwimmgängen und in Summe rund 14 Kilometer. Manche machen das in unter anderthalb Stunden – ich war gut 2 unterwegs.

Denn ich war ja auch nicht so besonders fix im Wasser. Das mag nun viele Gründe haben. Kein Meter Schwimmen mehr seit dem Norseman – hat sicher nicht geholfen. Dazu kommt aber sich auch: Das Wasser war kälter im Unterbacher See als im Fjord und im Fjord trug ich weder ein Stoffleibchen über dem Neo, noch Turnschuhe an den Füßen – die spätere Auswertung zeigte: So langsam bin ich dieses Jahr noch nicht einmal geschwommen. Dafür hatte ich bei keinem der Wettbewerbe einen Pullbuoy zwischen den Beinen für mehr Auftrieb im Wasser und Paddles an den Händen, die natürlich deutlich mehr Druck erlauben.

Hab ich alles, was brauch ich überhaupt? Neuer Sport, null Routinen.

Ich stürze mich gerne in jeden sportlichen Unsinn, aber ungern zuallerst in Ausgaben für Equipment. „Das wird so gehen müssen“. Und ist es ja auch.

Mehr als das – es ist sogar eine Heidengaudi gewesen. Laufen im Neoprenanzug mit Badekappe auf dem Kopf, Schwimmen mit meinen Laufschuhen und Socken an den Füßen – herrlich abwegig eigentlich. Aber nicht anders zu machen, denn alles, was man von a nach b braucht, muss man die ganze Zeit mitschleppen.

Quasi Idealbedingungen (Wasser wärmer als die Umgebungsluft) ließen mich dann auch gar nicht lange zaudern. Warmschwimmen oder nassmachen – sollen mal die Profis machen. Mir reicht es, nass zu werden, wenn es nicht mehr zu vermeiden ist. Das war in diesem Fall gut 100 Meter hinter dem Start am Südstrand. Danach habe ich mir die ganze Lage erstmal in Ruhe betrachtet – paar Züge Brustschwimmen, paar Züge Kraulen, paar Züge Brustschwimmen – wo geht das hier eigentlich lang und wie fühlt sich das denn mit den Schuhen an?

Da war das Feld gefühlt schon drüben am anderen Ufer. Nun. Ich will nicht lügen, aber mir kam es vor, als sei da eine Strömung gewesen – oder ich schwimme einfach schief. Wahrscheinlicher. So landete ich im hinteren Drittel des ganzen Pulks. Zur Erinnerung: Bei Triathlons rangiere ich in der Regel am Ende des oberen Drittel.

Egal – erstaunlicherweise ließ es sich in meinem nicht so warmen, dafür flexiblen Neoprenanzug hervorragen laufen – zumindest hat mich nichts gestört. Es wurde nur dennoch etwas warm und tatsächlich war ich froh wieder im Wasser zu sein, um mich abzukühlen. Und im Dutzend von Torpedos überholen zu lassen, die ich wiederum an Land überholt hatte. Ein Hin und Her, das mir irgendwann seltsam vorkam.

Läufer, die ich an Land doch ziemlich effizient hinter mir gelassen hatte, waren beim nächsten Laufsplit wieder weit vor mir – im Wasser sieht man ja nicht, wer alles an einem vorbeizieht. Bis zur Ziellinie ging das so, wo eine Teilnehmerin, die wiederum mich beim Laufen hat stehen lassen und selbst sagte, sie sei heute langsam unterwegs im Wasser, auf einmal hinter mir war. Ich muss sie im Wasser überholt haben.

So stelle ich mir den Ö till Ö vor – wie einen Verkehrsstau – irgendwie sieht man sich immer wieder, egal welche vermeintlich schneller Spur man wählt.

Ein schönes Format, das über kurz oder lang sicher noch viel mehr Teilnehmer finden wird. Verdient hat es das meines Erachtens allemal. Und nicht allein wegen der Finisher-Bratwurst, obwohl die natürlich dem Veranstalter bei mir Extra-Sympathiepunkte brachte.

 

 

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