T -98 Reden wir über Equipment für den Norseman

Das Wasser wird kalt sein, die Berge hoch. So viel ist klar über den Norseman. Wenn das Wetter besonders warm sein sollte, dann ist das Wasser gegebenenfalls noch kälter – klingt zunächst widersprüchlich. Liegt aber am Schmelzwasser, das dann von den Bergen in den Fjord runter fließt.

Der Sprung von der Fähre ist fünf Meter tief. Das wiederum braucht kein besonderes Equipment, sondern lediglich ein wenig Mut.

Der für mich bislang überraschendste Unterschied des Norseman zu allen Triathlons, die ich bislang absolviert habe, ist, dass ich mich um Beleuchtung und Warnweste kümmern muss. Richtig gelesen – ich benötige eine Fahrradleuchte und eine Warnweste.

Der Athlet in seinem Habitat.

Doch beginnen wir beim Schwimmen. Das Wasser wird nie wärmer als 14 Grad in dem Fjord heißt es. Das wäre noch kuschelig, in einem Jahr waren es gar nur 10 Grad. Weniger allerdings war es Anfang August auch noch nicht. Ein beruhigender Gedanke.

Was trägt man da so? Ich habe – als Warmduscher – das Geld in die Hand genommen und einen neuen Neoprenanzug gekauft, der vom Ausrüster Huub stammt, der als Sponsor des Norseman hoffentlich weiß, was die Athleten dort brauchen. Im Gegensatz zu allen Anzügen, die ich je gesehen habe, besitzt er zusätzlich zu dem dicken Neopren eine frotteeartige Fütterung. Wenn man ihn bei Raumtemperatur anzieht, dann schwitzt man ihn dabei voll.

Mein anderer Anzug, den ich nach meinem ersten Triathlon am 11. Juni 2013 in der Hamburger Alster (noch in Badehose) kaufte, ist lediglich einen Millimeter dick – und mithin das dünnste, das man so bekommen kann. Mir war Beweglichkeit wichtiger als Isolation – was ich dann bei den gerade mal 14,8 Grad, die bei meiner ersten Langdistanz in einem Kanal in Hannover-Limmer herrschten auch bitter bezahlt habe. Ich war – trotz der Verkürzung des Schwimmens auf die Hälfte – nach den gut 33 Minuten solide durchgekühlt.

Eines ist also völlig klar – mit dem brauche ich nicht nach Eidfjord fahren, das ginge schief. Der Thermal Suit ist deutlich das Gegenteil von dem Orca Equipe Lite. So dick, wie es laut Regeln der ITU (International Triathlon Union) noch genehmigt ist. Dazu eine ziemlich dicke Kappe, die mich ziemlich dämlich aussehen lässt, aber darauf kommt es sicher nicht so an.

Das Rad wird auch beim Norseman verwendet, vielleicht noch mit einem anderen Vorderrad, je nach Wind.

Auch besonders am Norseman – Neo-Socken wären erlaubt. Ob ich sie nehme, entscheide ich vor Ort. In einem der Videos, in dem die Veranstalter die Teilnehmer informieren, erwähnte ein mehrfacher Teilnehmer, dass die Socken kaum etwas brächten. Wollen wir mal hoffen, dass er recht hat. Nicht erlaubt hingegen – Neo-Handschuhe. Schlicht, weil sie wie Paddel wirken würden. Es ist also davon auszugehen, dass ich wie jeder Teilnehmer frisch aus dem Wasser zunächst mal die Finger wieder warm und bewegungsfähig bekommen muss.

Pluspunkt meines Equipments: Keines meiner Radschuhmodelle besitzt Schnürsenkel.

Und damit sind wir auch schon beim Radsplit und DER Frage: Rennrad oder Triathlonrad. Auch dazu gibt es eine Videofolge mit den Veranstaltern. Die ist – für mich etwas überraschend – aber noch so viel Basisarbeit, dass ich denke, ich fahre damit gut, was ich auch sonst in Wettbewerben nutze: Mein Carbon-Triathlonfahrrad. Aerodynamik wird der Teil sein, mit dem ich am schnellsten Kraft sparen kann auf dem Kurs – die paar Gramm weniger am Rennrad werden nicht so spielentscheidend sein. Da reicht, sich vorher genau zu überlegen, wo ich die Getränkeflaschen aufs Minimum reduziere, um beim Anstieg möglichst wenig Gewicht hochwuchten zu müssen, oder wo es keine Rolle spielt, da es bergab oder geradeaus geht.

Der Norseman heißt ja nicht umsonst Extrem-Triathlon. Das liegt eben auch an der abschreckend hohen Zahl an zu absolvierenden Höhenmetern. Ich bin noch immer unsicher, wie viele es genau sein werden – je nach Quelle wohl zwischen 3500 und 4000 Höhenmetern. Natürlich bin ich noch nie im Leben so viele Höhenmeter an einem Stück gefahren und es ist auch gar nicht so leicht, so eine Strecke zu finden, wenn man nicht in den Bergen wohnt. 1800 auf 120 Kilometer war bislang das meiste, das ich im Training zusammenkratzen konnte.

Mittelalt und leichter. Generation 2 meines Lieblingsschuhs. Der wirds sicher werden.

Nach 140 Kilometern kommt im Radkurs die garstigste Steigung des Wettbewerbs. Ich habe mir deswegen noch ein Ritzelpaket gekauft, dessen größter Zahnkranz 32 Zähne hat – eine kleine Extra-Versicherung, die Anstiege von mehr als 10% zu packen. Sonst enden meine Räder alle bei 28 Zähnen.

Nun zu dem noch ungeklärten Problem: Beleuchtung. Vorne muss wegen der Passage mehrerer Tunnel im normalen Straßenverkehr eine Leuchte mit mindestens 100 Lumen montiert sein, die auch den vollen Radsplit durchhält. Noch habe ich keine gefunden, die auch noch leicht ist und die ich an meinen Lenker bekomme. Nun. Es sind ja noch 98 Tage. Die Rückleuchte ist easy.

Die Sichtbarkeit ist es auch, die es erfordert, dass alle Teilnehmer eine Warnweste auf dem Rad tragen. Und es ist gar nicht so leicht, herauszufinden, welche Modelle regelkonform sind. Und wer möchte schon beim Bike-Check-In am Wettbewerbstag feststellen, dass er keine korrekte besitzt? Zu flatterig soll sie bitte auch nicht sein, denn das nervt und kostet vermutlich Energie, sprich Zeit. Ich habe jetzt mal eine bestellt, mal sehen, wie es sich damit fährt.

Darunter plane ich derzeit tatsächlich mit einem klassischen Rennradoutfit – allein wegen der besseren Hose. In allen meinen Trisuits scheuere ich mich am Ende trotz Cremes auf – das zu vermeiden, scheint mir sinnvoll angesichts der doch zu vernachlässigenden 30-60 Sekunden, die es mich kostet, von Radklamotten in eine Laufhose zu wechseln in T2.

Und vielleicht noch dieser eingeschobene Nachtrag für alle, die es wirklich genau wissen wollen. Ich schwanke noch zwischen Conti GP4000iis (meinem Standard für Rennen) und dem Conti GP All Season wegen der Regenwahrscheinlichkeit dort. Auf jeden Fall fahre ich wenn auf 25mm wegen des Komforts.

Dann bliebe eigentlich nur noch die Wahl des Schuhs für den Marathon. Bislang ist da keine Entscheidung gefallen. Angesichts des – hoffentlich – abschließenden Anstiegs auf den Gaustatoppen über Gestein wäre sicher ein Trailschuh eine Idee, allerdings geht es die ersten 32km vergleichsweise flach über Asphalt, da wirds mein Standardschuh tun (Brooks Pure Connect).

Hochnehmen muss ich auch einen Laufrucksack, in dem die warmen Klamotten für den Zielbereich stecken. Das wird kontrolliert vor dem Aufstieg. Vergleichsweise sicher ist eigentlich nur die Verwendung einer ultraleichten, wind- und wasserdichten Jacke, die besitze ich schon. Warmes Pullöverchen noch, gefütterte Laufhose vielleicht. Mal abwarten. Ich werde sicher mit einem vollen Koffer anreisen.

 

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