T -102 Licht, Schatten, Flexibilität – Die Zielgerade zum Norseman steht an.

Vermutlich, nein ganz sicher, wollte ich am Stichtag T -100 einen Blogbeitrag schreiben zu den Vorbereitungen auf den Norseman. Nun also 102 Tage, denn man muss flexibel bleiben und Mittwoch komme ich vielleicht nicht dazu, jetzt sitze ich aber gerade im Zug und habe noch ausreichend Zeit bis zum Ziel.

Habe ich auch ausreichend Zeit fürs Training bis zum Ziel auf dem Gaustatoppen in Norwegen am 4. August? Das werde ich sicher erst am 4. August endgültig beantworten können, denn nur der Tag zählt. Alles andere ist Theorie. Die Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen – das ist die eigentliche Herausforderung. Arbeit, Familie, Freunde, Haushalt – kurz den Alltag – gibt es schließlich auch noch. Und sollen auch sein, ich neige bei aller Begeisterung nicht dazu, zum Sportmonster zu mutieren, das alles andere in seinem Leben dem einen Ziel unterordnet.

Bier und Zug statt bike back from work. Auch so eine Planänderung muss mal sein.

Also heißt es derzeit, die Zeitfenster clever und effizient zu nutzen. Als Hobbysportler ohne Trainer – also auch ohne ganz arg fundamentalen theoretischen Hintergrund – ist das vielleicht nicht so effizient, wie es ginge. Aber für mich gehört das auch zu meiner Art, diesen Sport zu betreiben.

Gute Ratschläge bekommt jeder überall. Immer einer, der es so macht, der andere, der es so macht. Meist in völliger Unkenntnis der Gegebenheiten, der Umstände und vor allem der Persönlichkeit des Menschen. Wenn ich mein Geld damit verdienen würde, sähe die Sache anders aus. So aber bin am Ende ich es, der sämtliche Faktoren kennt.

Und ich bin zumindest in einer Disziplin in meinen Augen immer ganz gut: Nicht irritieren lassen. Das Schwimmbad mit der 50-Meter-Bahn, in dem ich am liebsten trainiere, weil es nicht so langweilig ist und ich deswegen nicht abbreche und ich deswegen ganz gut Kilometer absolviere –  es hatte zwei Wochen geschlossen. Fest geplante Einheiten fielen aus, einmal habe ich versucht, ein anderes Schwimmbad zu wählen, aber in den Ferien sah ich Samstag nachmittag schon von außen: Sinnloses Unterfangen. Mund abputzen, heim Fahren, stattdessen laufen gehen.

Vorgestern wollte ich ebenfalls am Samstag zum Schwimmbad radeln, dort meine Bahnen ziehen, heimradeln, Sonntags laufen. Ein Platten nach 3 Kilometern mitten im Wald zwang mich, den Plan zu ändern, denn selbst wenn ich daheim wieder mit einem anderen Rad losgefahren wäre – das Schwimmbad hätte schon geschlossen gehabt bei meiner Ankunft. Also: Laufschuhe an, spontan einen Halbmarathon angesetzt in mittlerem Tempo. Bei der Hitze dieser Tage Umstellung genug. Und den Sonntag für eine sehr ausgiebige Radfahrt mit für meine Verhältnisse reichlich Höhenmeter geplant.

Schwimmen – so der Plan – heute in Berlin zwischen zwei Terminen als Mittagspause. Flexibel bleiben, was bleibt einem schon?

Unter all diesen Umständen beginnt nun also übermorgen die intensivste Zeit des Jahres. 100 Tage bis zum Wettkampf – das zählt sich rasend schnell herunter. Also noch etwas früher aufstehen, noch etwas früher ins Bett also eh schon, um – so ist die Idee – um gegen 6:30 im Schwimmbad zu sein und danach ins Büro zu fahren. Ob ich das so hinbekomme – werden wir sehen. Das sind sicher die Momente, wo sich Spreu von Weizen trennen und eigentlich die Anerkennung für gezollt werden sollte: Trainieren, wenn es nicht leicht fällt. Die einsamen Stunden, wo keiner zuguckt.

Das sind auch jene, die mich im Wettbewerb erwarten. Anstrengungen ohne irgendwen, der es sieht oder gar applaudiert. 250 Starter, die am Ende vermutlich ein weit auseinandergezogenes Feld bilden. Im Straßenverkehr ohne Absperrung mit Licht am Triathlonrad und Warnweste an. Da ist man allein, mit sich, der Natur und seinen Gedanken. Mir gefällt das, da ist jeder anders, das ist mir klar.

102 Tage also noch und ja, mir macht das auch Sorgen. Keine der drei Disziplinen – na, gut, doch Schwimmen schon – traue ich mir derzeit auf Anhieb einzeln zu. In Kombination? Absurd. Absurder als Ironman eh schon ist.

Es sind dann die kleinen Erfolge, die einem helfen, sich dem Ziel zu nähern, das man schließlich auch nicht 102 Tage vorher, sondern an Tag X. Zum Glück kenne ich dieses Auf und Ab aus beinahe Verzweiflung angesichts der scheinbar unlösbaren Aufgabe und der Zuversicht, dass man das schaffen kann, wenn es andere auch schon geschafft haben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, man sei der einzige, der etwas nicht hinbekäme, was schwer vorstellbar ist. Das Privileg bleibt den wahren Pionieren vorbehalten.

Und ohne das groß geplant und erst mittendrin realisiert zu haben, habe ich gestern einen kleinen „Rekord“ für mich aufgestellt, der nur möglich war, weil ich mich von dem kleinen „Rückschlag“ Samstag nicht habe beirren lassen: So viele Höhenmeter wie noch nie an einem Tag geradelt. Und das auf einer kürzeren Strecke als dem Ironman Klagenfurt, also eigentlich anstrengender. Gut – das ist noch immer noch nicht halb so viel, wie in Eidfjord nötig sein werden – aber es sind ja noch 102 Tage hin.

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