T – 171 Ich habe Angst vorm Laufen

Es war Sonntag, also T -173 und ich hatte Angst. Angst vorm Lauftraining. Angst davor, nicht durchzuhalten. Angst davor, wieder langsamer geworden zu sein. Angst davor, mich wieder wie ein Kartoffelsack zu fühlen. Angst davor, an dem großen Abstand zwischen der Form heute und der vor zwei bis drei Jahren zu verzweifeln. Angst davor, die Reizung der Achillessehne zu verschlimmern. Angst davor, trotz einer Verschlimmerung nur noch langsamer zu werden. Ich hatte Angst, und ich wollte nicht los.

Angst ist stark. Angst ist auch irrational. Mit einem mehrstündigen Anlauf haben sich Angst und Wille auf 10 Kilometer geeinigt in nicht zu kriechendem Tempo. Wie immer war ich auch nach diesem Lauf froh, dass ich ihn gemacht habe, auch wenn ich im Anschluss von der Laufuhr die wenig erquickliche Info bekam, dass meine Laktatschwelle sich verändert habe. Und zwar um 3 Sekunden pro Kilometer schlechter. Hurra.

Das ist keine ganz leichte Situation, vielleicht kennt sie der ein oder andere irgendwie ein wenig. Es geht mir derzeit ja nicht mal darum, eine Bestzeit zu knacken oder eine Qualifikation zu erfüllen. Dieses Jahr geht es einzig und allein darum, beim Norseman gut genug laufen zu können, um a) anzukommen und b) möglichst zu den ersten 160 zu gehören, die nach oben auf den Gaustatoppen dürfen – das Schwarze Shirt wartet dort neben heißer Brühe auf die Finisher.

Die Angst, mit Überlastung die Sehnen immer stärker zu strapazieren, bis gar nichts mehr geht, ist vermutlich die größte. Entsprechend verhalten laufe ich, entsprechend übersensibel reagiere ich auf jede kleine Entwicklung im rechten Fuß.

Die Angst, am Ende zwar ganz gut durchs Wasser und über die Berge zu kommen, dann aber nicht mehr in der Lage zu sein, überhaupt 42 Kilometer zu laufen – auch da.

Vor ein paar Jahren waren Distanzen von 30 oder mehr Kilometern etwas, das ich einfach tun konnte. Schuhe an, bisserl Geld für ein Malzbier an der Tanke auf halber Strecke – auf geht’s. Dieses Selbstbewusstsein ist mit den schmerzbedingten Trainingspausen fort. Nun, wo ich langsam zum einen ernstfhaft loslegen muss mit dem Lauftraining und die Beschwerden zu vernachlässigen zu sein scheinen, habe ich Angst.

Was macht man mit Ängsten – sich ihnen stellen. Und so banal die Antwort klingt, die ich derzeit darauf finde: Ich werde eben kürzer und langsamer laufen, bis es wieder schneller und weiter geht.

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Alle Kommentare [1]

  1. Vielleicht ist das Geheimrezept auch nur, herauszufinden, wovor die Angst glaubt dich schützen zu müssen und ihr so den Raum zu nehmen überhaupt so in dieser Größenordnung da zu sein.