Ironman Maastricht-Limburg – Darum sollte man hier teilnehmen

Für meinen spontanen Entschluss, nach dem Ironman in Klagenfurt noch aus verschiedenen Gründen (hier und hier) eine weitere Langdistanz anzuhängen, kamen im Grunde nur wenige Rennen in Frage. Hamburg? Zu kurz vorm Urlaub. Alles andere: Zu spät, zu ausgebucht, zu weit weg. Der Ironman Maastricht-Limburg hingegen: Recht nah, nicht ausgebucht, Termin noch frei. Zack, Anmeldung.

Maastricht am Morgen.

Es ist ein „junger“ Ironman, dieses Jahr wurde das Rennen zum dritten Mal ausgetragen und es werden mindestens drei weitere kommen, dafür wurden die Verträge gerade unterzeichnet.

Wenn es um Kenntnis von Strecken geht, ist es bei mir nicht weit her, denn auf der Langdistanz war ich bislang bei 6 Rennen lediglich an 3 Orten am Start (plus 1x Roth als Staffelschwimmer). Zu den oben genannten Argumenten kam also noch dazu, mal einen neuen Kurs kennen zu lernen. Ich wollte die Unterschiede sehen.

Jedes Rennen hat seinen Groove, seine Eigenheiten, seine Farbe. Im Kraichgau wie in Roth sind es die Menschen vor Ort, die IHR Rennen zu dem machen, was es ist. In Klagenfurt ist es die Landschaft, der Wörthersee, die die Eindrücke dominieren. Hannover war vor allem Hannover. Also nicht viel los, dafür aber sehr nett und mit

Die Maas wird tags umgepflügt ist aber überraschend angenehmes Schwimmterrain.

allem, was man braucht.

Maastricht-Limburg findet sich noch, definiert noch, was es sein könnte, warum Triathleten diesen Ort an der Maas wählen sollten. Aber – der dortige Ironman bringt einiges mit, was ihn auszeichnet und warum ich zwar während des Wochenendes viel mit anderen Fragestellungen unterwegs war – mich dann aber doch das Rennen selber in Beschlag nahm und für sich gewann.

Ausgerechnet bei einer Langdistanz mutet das komisch an: Kurze Wege. Die Stadt mit einer erklecklichen Zahl an Café, Restaurants, Boutiquen und Kopfsteinpflaster ist so überschaubar, dass alle wichtigen Punkte von Anmeldung, Messe, Start, Wechselzone, Ziel gut zu Fuß zu machen sind. Das Auto kann im Prinzip stehen bleiben.

Die Liebe der Niederländer und auch der Mit-Namengebenden Provinz Limburg zum Radsport ist sicher das Herz dieses Ironman, der in den Niederlanden startet und durch Belgien führt. Von allen Radkursen, die ich in Wettbewerben kennen gelernt habe, ist dies der technisch anspruchsvollste. Sicher nicht der härteste, die „Wand“ Cote de Hallembaye ist zwar eine garstige Anhöhe, aber ihr Ruf schlimmer ials am Ende die Wahrheit.

Aber Kurve links, rechts, Waldwege im Zwielicht, vorbei an Eseln, mächtigen weißen Rindern, Pferden im Morgennebel, hinüber über holprige Betonplattenstrecken, aber auch gerade Ufer-Asphaltwege brettern entlang der Maas – alles dabei. Scharfe Kurven? Muss man ja wohl mit rechnen, oder? Eigenverantwortliches Fahren ist gefragt und bringt eine Heidenlaune. Absoluter Höhepunkt und für jeden, der die nicht kennt bei erster Sichtung ein Moment des Schreckens: Zwei Gerüstbrücken.

 

Einstieg und Ausstieg.

Da in Belgien wohl für das Rennen nicht alle Strecken gesperrt werden konnten, musste eine Lösung her – provisorische Brücken aus Gerüstmaterial, belegt mit glatten Holzplatten. Da Lkw drunter durch passen müssen – gut fünf oder sieben Meter hoch – so genau kann ich das gar nicht sagen. Bevor ich drüber nachdenken konnte, war ich schon wieder auf dem Weg nach unten.

Auf der ersten Runde machte ein Polizist noch Zeichen, dass man das Tempo reduzieren solle. Fun ist aber, mit Vollgas hochzurollen – was dann auch erstaunlich unkompliziert ging. Und wieder abwärts – fast so schön wie Achterbahnfahren. Ein Knaller. Dass eine der beiden Brücke auf der Flachstelle oben noch eine Kurve eingebaut hatte – geschenkt. Beim zweiten Durchgang der 90-km-Schleife weiß man es ja.

Mit all seinen knappen Kurven ist das kein Hochgeschwindigkeitskurs aber ein Fest für alle, die mit Radbeherrschung ihr Rad eng um die Kurve bekommen und dort den Mitfahrern, die bremsen, ohne Mühe näher kommen oder überholen. Eine Gaudi! 2x! Das kleine Kind in mir juchzte.

Es war schon überraschend früh am Tag am Jubeln. Die Maas machte am Samstag bei der Streckenbesichtigung mit grünlich-braunem Wasser wenig Werbung für sich als Badespaß. Als dann noch ein Binnenschiff mit ordentlich Schraubenkraft das Wasser umwühlte, war ich geringfügig unsicher. Und dann? Warmes Wasser, Brücken auf denen Menschen jubeln, leichte Navigation dank Ufers, ein kurzer Landgang mit weiteren Zuschauern und zurück zum Start, während die Sonne langsam über die Häuserfront und die Baumkronen stieg.

Sonniges Ziel im Stadtzentrum.

Obwohl Ironman in Maastricht noch nicht „gelernt“ ist – viele Bewohner und Besucher schlossen den Wettbewerb rasch ins Herz. Überraschend viele T-Shirts mit dem Logo, Sinnsprüchen, Vornamen – alles, was das Fan-Herz begehrt. Dank der 10km Runde mit vier Wiederholungen und einigen Passagen, an denen die Läufer sowohl hin- als auch zurückliefen, ist das ein Fressen für Zuschauer. Wer sich richtig positioniert, sieht „seinen“ Athleten achtmal. Wer sich nur ein wenig bewegt 12 mal. Oder mehr!

Der Läufer selbst profitiert von der guten Stimmung, wenn schon nicht vom hübschen, aber doch anstrengenden Kopfsteinpflaster. Die Bändchen für die absolvierten Runde gibt es vor einer Kulisse an Straßencafés, auf der halben Strecke ein Zelt mit einer Stimmungstruppe mit – Achtung, begabtem! – Karaokesänger.

Obwohl ich ihn nicht in erster Linie gesucht habe – ich habe Spaß gefunden an Strecke, Publikum und Organisation. Die wird vielleicht mit ein wenig Trauer zur Kenntnis nehmen, dass ich statt umfangreichen Wettkamp-Merchandise mein Taschengeld in Gouda „Petit Belegen“auf dem Markt, Kaffeebohnen der Rösterei Blanche Dael und 250 Gramm Pralinen von Abbing-Nollé investiert habe.

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Richtig cool! Dafür ist noch ein bisschen Training notwendig, aber ich habe Lust drauf. Danke für den tollen Beitrag und die Inspiration!

    Beste Grüße
    Christoph