Test Polar M430 – eine (fast) perfekte Alltagsuhr

Die Kollegen haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass ich mit zwei Uhren an den Armen herumlaufe. Eine ist meine, eine ein Testgerät. Es ist also nahezu zwangsläufig, dass mich der eine oder andere fragt, was für eine Uhr ich denn empfehlen möge. Dem schließt sich meist das an, was ich persönlich unter dem Versuch verbuchen würde, jemanden zu beraten. Die Uhr, die zu meinem Leben, zu meinem Training passt, muss nicht zwingend zu dem eines anderen passen.

 

Von vorne eine scheinbar alte Bekannte.

Größe des Menschen, seine Gewohnheiten, die Intensität, mit der er Sport betreibt – all das lässt sich berücksichtigen.

Inzwischen nähern sich die großen Hersteller jedoch mit den Leistungen und Möglichkeiten selbst im mittleren Segment dem an, was zu Beginn meiner Triathlonkarriere 2011 noch als absolute Spitzenklasse gegolten hätte – und schlicht gar nicht existierte.

Die Polar M430 ist exakt so eine Uhr. Sie bringt vieles von dem mit, was ein ambitionierter Hobbyläufer heute zu Recht erwarten darf. Akkulaufzeit (8 Stunden bei allem angeschalteten Funktionen), Präzision und Schnelligkeit des GPS-Moduls. Mit Feldversuchen, welche Uhr denn schneller das GPS-Signal findet, lässt sich meines Erachtens im Testwesen kein Blumentopf mehr gewinnen. Raus gehen, einschalten, kurz warten, vielleicht nicht mal das – fertig.

In der M430 ist zudem – im Gegensatz zum Vorgänger M400 – auch ein Modul für die Messung der Herzfrequenz am Handgelenk eingebaut. Trage ich die Uhr, bin ich fürs Training in der Regel gerüstet. Die Uhrzeit zeigt sie eh an, Smart Notifications empfängt sie auch.

Von hinten zeigt sie ihr neues Gesicht. Die Eigenentwicklung von Polars Herzfrequenzmessung am Arm.

Diese Herzfrequenzmessung ist bei mir genau. Ich weiß – es gibt Vorbehalte dagegen, Athleten, die grundsätzlich von Abweichungen schreiben. Sämtliche Läufe, die ich mit der M430 und einer Uhr eines anderen Herstellers mit Brustgurt gemacht haben zeigen – die Frequenzkurve über die Einheit hinweg ist nahezu deckungsgleich. Bis zu dem Punkt, an dem es irrelevant ist, ob das ein Schlag mehr oder weniger ist. Es sind Richtwerte, keine Prüfungen auf dem Messstand.

Die M430 richtet sich vor allem an Läufer. Laufbandlaufen ist ebenso möglich wie eine Bewertung der Fortschritte im Lauftraining durch die Software.

Auch dazu wird herangezogen: Die Herzfrequenz.

Aus den Datenvermessern wie einst den ersten Pulsuhren sind Trainingsbegleiter geworden, die es erlauben, an der eigenen Form zu arbeiten und bestimmte Veränderungen, die man nicht sofort spürt, doch zu erkennen.

Essentieller Bestandteil ist dabei die Software flow von Polar. Die Datenbank, die nicht nur minutiös die zurückgelegten Laufkilometer aufführt, mehr oder minder sinnvolle kleine Simulationen der Läufe aus den Daten generiert, sondern diese Daten auch interpretieren hilft. Running Index – eine Kennziffer, mit der ich vielleicht zunächst mal nicht viel anfangen kann – aber ob er steigt oder sinkt – das sagt jedem was. Das Polar Laufprogramm soll dabei helfen, nicht nur stur einem Trainingsplan für Distanzen bis zum Marathon zu folgen, sondern individuell zu erkennen, wann mein Körper dafür bereit ist und wann nicht. Ich persönlich lasse mich von Geräten nicht überstimmen – schaue mir die Einschätzung aber sehr wohl an. Oft genug deckte es sich eh.

Dafür ist es sinnvoll, die Uhr 24 Stunden zu tragen, denn wie schon ihr Vorgänger ist auch die M430 zeitgleich Activity Tracker, der Bewegungsziele kontrolliert und auch im Schlaf schaut, wie bewegt und damit unruhig der war.

Mobil per App alle Daten auf einen Blick.

Vor allem letzteres ist für Sportler mit größeren Ambitionen nicht so uninteressant, wie es vielleicht klingt – aber Regeneration ist die wohl am häufigsten vernachlässigte Komponente im Leben vieler Hobbysportler.

Um sie ständig zu tragen, muss eine Uhr bequem sein. Es ist sinnlos, eine noch so schöne große Uhr zu besitzen, wenn das Armband scheuert oder schon das Gewicht als Störfaktor wahrgenommen wird. Da spielt die M430 einen großen Trumpf aus. Weiches Armband mit feiner Einstellung, geringes Gewicht, keine störenden Kanten. Die Bandanstöße sind jedoch starr, es empfiehlt sich also für Menschen mit außergewöhnlich dünnen Armen, die Uhr vor dem Kauf anzulegen. Ich habe eine Kollegin gefunden, der die Uhr tatsächlich nicht gepasst hätte. Auch wenn ich suchen musste.

Wenn das aber klappt, ist die M430 eine grundsätzlich so gelungene Uhr, dass es wenig zu mäkeln gibt. Der Anschluss für das Kabel wurde verbessert, auch hier eine mögliche Störquelle eliminiert. Allein die Displaytechnologie ist nicht mehr der Stand der Dinge – spart dafür allerdings Akkulaufzeit.

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Super Bericht. Endlich mal kein Fenix-Fanboy der den teureren und ungenaueren Rotz bis aufs letzte verteidigt und gut findet!
    Die M430 ist schlicht eine tolle Uhr für einen guten preis der manch anderen Geräten locker was vormacht.
    Danke für die Mühe!

    Plektronaut