Auszeit. Warum ich kein Läufer mehr bin.

Geplant war das nicht. Woche um Woche verstreicht und ich laufe nicht. Oder so gut wie nicht. Mein Trainingskalender spuckt über den Zeitraum 1. Juli bis 1. September, also geschlagene 2 Monate, die kumulierte Distanz von 52,86 Kilometer aus. Das laufe ich sonst notfalls an einem Tag. (Dies Jahr sicher nicht.)

These feet are made for standing. l

These feet are made for standing. l

Ich laufe nicht, wenn morgens die Sonne aufsteigt und der Nebel sich über den Feldern langsam auflöst. Ich laufe nicht Sonntags, wenn Zeit ist und der Kopf die Abwechslung begrüßen würde. Ich laufe nicht, wenn ich auf Dienstreise in einer neuen Stadt bin und sie laufend entdecken könnte. Ich habe auch gar keine Lust. Im Bett ist es morgens kuschelig, bei den Temperaturen am Wochenende scheint mir der Radausflug verlockender. und Dienstreisen sind oft so vollgepackt mit Terminen, das ist eng genug gestrickt.

Ich laufe nicht, obwohl ich es müsste. Zumindest, wenn ich den Trainingsplan verfolgen würde, der zum Ziel hat, mir beim Marathon in Essen eine akzeptable Zeit zu bescheren. Von dem Gedanken habe ich mich schon lange verabschiedet. Ich will nicht, es interessiert mich nicht, es motiviert mich nicht.

Mein Jahr ist um.

Das war es im Prinzip schon im November 2015 als mich eine schmerzhafte Sehnenentzündung unter dem Fuß zur Zwangspause verdammte. Da wollte ich. Da hatte ich Lust. Da war ich motiviert. Aber dann eben verletzt.

Gut. Ich bin nicht faul. Radkilometer sammele ich derzeit so viele wie in keiner Phase meines Lebens. Das Wetter ist zu verlockend, der Fahrtwind zu erfrischend, das neue Material zu begeisternd. Aber davor noch laufen? Och, nöööö. Morgen vielleicht.

So wurde aus „morgen“ „nie“.

Ich fühle mich auch ohne Laufschuhe an den Füßen mal wohl.

Ich fühle mich auch ohne Laufschuhe an den Füßen mal wohl.

Was mache ich nun? Verzweifeln, dass ich zu der Riesenschar an Menschen gehöre, die ihren Arsch nicht hochkriegen? Die mehr Ausreden als verlockende Laufstrecken in der Nachbarschaft haben? Das schlechte Gewissen bekämpfen, das sich meldet, sobald einer der Lauffreunde diesen Erfolg twittert oder jene Riesenrunde glücklich teilt?

Auch: Nö. Ich lass‘ das jetzt mal so. Das Sportjahr hat einen Haken dran, im Herbst 2016 keine Versuche, die Bestzeit zu knacken oder wenigstens eine neue Distanz zu erobern (was nach den 100km von 2015 auch jetzt nicht ganz so einfach wäre…).

Bin ich deswegen ein hoffnungsloser Fall? Ein ausgebrannter Hobbysportler mit Tendenz zur Gewichtszunahme, der sich nur noch aus Pflichtgefühl bewegt oder weil er sich schämt? Ich empfinde das nicht so. Aber erneut wird mir klar, was mich bewegt: Ziele.

Ohne die bin ich weniger beweglich als ein Faultier in den Ferien.

Neue Ziele sind auch schon da. Es sind die inzwischen schon fast traditionellen, lieb gewonnenen alten. Im Winter vorbereiten auf das Stelldichein der Rundläufer beim Utramarathon Rodgau 50, der Ironman in Klagenfurt und mal sehen, was noch so passiert. Deswegen bleibe ich ruhig, entspannt, gönne mir die Zeit des Aussetzens, salbadere von gründlichem Auskurieren des Fußes und setze wieder ein, wenn es mir passt.

Bis dahin: Füße hoch!

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Alle Kommentare [10]

  1. Also den Arsch kriegst Du ja hoch nur halt um eine andere Sportart zu machen, also was solls? Deine Einstellung ist genau die richtige, Ziele sind notwendig aber dürfen nicht erzwungen werden! Dann macht es keinen Spaß mehr!

  2. naja, das du bei deinen leistungen auch mal „in nen Loch fällst“ ist denke absolut nachvollziehbar. glaube man muss ich einfach zeit geben? um wieder beissen zu wollen/können. und um so grösser die erfolge umso härter das zu toppen. auch logisch. hey du bist nen ironman!

  3. Hallo Thorsten.

    Pausen, Regeneration und Auszeiten sind enorm wichtig für Körper und Geist und man sollte als Sportler auf seinen Körper und besonders auf seine Gefühl hören.

    Das erzähle ich als Lauftrainer und Personal Trainer nicht nur meinen Lauf-Gruppen und Kunden, sondern auch mir. Und ich habe eigentlich immer Lust zu Laufen. Am liebsten mehrfach täglich.

    Das Du gerade nicht läufst hat einen bestimmten Grund und es ist meist das schlechte Gewissen oder die unermüdlichen Laufposts anderer Athleten die einen plagen.

    Lass es einfach mal zu.
    Wenn Du wieder neue Ziele hast und Dein Feuer für einen Lauf brennt, dann wirst Du auch wieder ins Training und die wunderbare Welt des Laufens eintauchen.

    Außerdem: “ Kein Leistungszuwachs ohne ausreichende Erholung“.

    Vielleicht kann ich Dir im Herbst/ Winter ja mit einem Trailrun auf den Düsseldorfer Rheintrails oder im Grafenberger Wald den Spaß und die Lust am Laufen zurückbringen…

    Genieß die Zeit im Sattel!

    Philip Mes

    Philip Mes Personal Training

  4. Versteh ich jetzt nicht, unten schreibst Du von Deinem Ironman Klagenfurt in 2016 und dass Du Dich für 2017 angemeldet, und hier, dass Du dieses Jahr noch nicht gelaufen bist… Passt irgendwie nicht zsuammen…

  5. @franck Zwischen 1. Juli und 1. September lediglich rund 50 Kilometer. 20 davon jeweils im Wettbewerb. Von gar nicht laufen im gesamten Jahr steht da nichts. Aber so wenig bin ich am Stück seit bestimmt 4 Jahren nicht mehr gelaufen. Das ist für mich quasi null.

  6. Ich bin froh und glücklich, daß du das so geschrieben hast.
    Oft geht’s mit ebenso. Bei einer stehenden Tätigkeit (in der Regel 9-10 Std.) ist dieses Laufen auch nir Ausgleich, den Gesundheitsfördernd.
    Danke, Thorsten.
    Sportliche Grüße
    Michael

  7. Hallo Torsten,

    So eine Verletzung ist ja auch der Hinweis deines Körpers: „Hey, du hast mich ein wenig überstrapaziert, mach mal Pause!“
    Von daher alles richtig gemacht. Wenn die Lust wieder da ist, und die kommt in Form von Bewegungsdrang von alleine, dann wird das schon. Ich konnte im letzten Jahr auch erst im November wieder ins Laufen einsteigen und trotzdem hat es für Rodgau gereicht.

    See you there!

    Michael

  8. Ein absolut normales Verhalten wenn man mal keine Lust hat.
    Sieh es mal von der guten Seite: es gab schon Menschen, die mitten beim Joggen einfach umgekippt sind und tot waren.