Staffeln – wofür? Über den Sinn und Unsinn des geteilten Wettbewerbs.

Die Legende will es, dass der Bote Pheidippides die Nachricht nach einem Lauf von 42 Kilometer überbrachte und in Marathon, im Ziel, verstarb. Der Mythos des Marathons erwächst einerseits aus der schieren Länge der Strecke und desweiteren aus dem – wohl nur in der Überlieferung – fatalem Verlauf der Geschichte.

Wenn jeder mit anpackt, ist so ein Ironman rasch vorbei. Die Challenge Roth-Staffel 2015.

Wenn jeder mit anpackt, ist so ein Ironman rasch vorbei. Die Challenge Roth-Staffel 2015.

Triathlon, das ist jene Sportart, die entstand, weil einige Menschen mit offensichtlich reichlich Freizeit darüber sinnierten, wer denn nun der ausdauerndste sei, der Schwimmer, der Radfahrer oder der Läufer? Erst durch die Kombination wird das Unterfangen zu der speziellen Herausforderung, die in ihrer ursprünglichen Fassung die legendären 3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer ergeben. Alle drei basierend auf Wettbewerben auf Hawaii.

Was also ist es wert, wenn das große Ganze zerlegt wird, runtergebrochen auf verdauliche Happen, die es der Gruppe ermöglichen, die Distanz zu bewältigen, ohne dass der einzelne dafür außergewöhnliches tun muss?

Ich bin kein Freund von Staffeln. Zum einen hängt das damit zusammen, dass bei einigen Einzelwettbewerben Staffeln mit am gleichen Start sind. Klar, wer wird schon in einem Marathon gerne überholt? Aber genau das passiert natürlich, wenn der vierte und noch frische Läufer einer Marathonstaffel an dem locker vorbeizieht, der schon mehr als 30 Kilometer in den Knochen hat. Wenn dann noch Behinderungen dazu kommen durch Staffelteilnehmer, dann kann die Laune schon mal in den Keller gehen.

Zum anderen leuchtet es mir ein Stück weit nicht ein, wo der Sinn darin liegt, einen Marathon zu Vierteln, statt an einem zünftigen 10-Kilometer-Lauf teilzunehmen, die schließlich allerorten zu finden sind.

Die Veranstalter schätzen Staffeln. Zum einen kosten Staffeln mehr Teilnehmergebühren. Zum anderen kann man sie in die Statistik packen und alle Welt glaubt, der Marathon in Stadt X oder Y wäre so voll – die Zahl der Einzelstarter nimmt aber seit Jahren in Deutschland ab. Allein der Hamburg Marathon hatte 2016 mit 12093 Finishern 2600 weniger als im Jahr zuvor.

Staffel heißt mehr Teilnehmer, heißt mehr Zuschauer, heißt mehr Stau. Hier: Challenge Roth 2015

Staffel heißt mehr Teilnehmer, heißt mehr Zuschauer, heißt mehr Stau. Hier: Challenge Roth 2015

Nun war ich dieses Jahr bereits zwei Mal Teil einer Staffel und vergangenes Jahr auch. Beim Marathon, bei einem 100-Kilometer-Lauf, bei einem Triathlon. Wäre ich also ein Prinzipienreiter – dann hätte ich keinen dieser Wettbewerbe mitmachen sollen.

Und wenn man etwas tut, das einem selber eigentlich nicht so gefällt, dann kann man ja vom Gegenteil überzeugt werden. Nein – Staffeln sind mir irgendwie immer noch fremd. Ich verstehe weiterhin nicht, wo der Sinn liegt, einen Triathlon, der aus der Verbindung besteht, zu zerlegen.

Aber ich habe erleben dürfen, dass es als Ereignis, als gemeinsames Erlebnis, als verbindendes Sportfest seinen Charme hat.

Es bildet sich in dem Ausdauersport, der in seinem Wesen eine Einzeldisziplin ist, ein Team, eine Mannschaft, ein Gemeinschaftsgefühl. Selbst wenn sich die Teilnehmer – so wie beim WHEW 100 – nie gemeinsam sehen, teilweise nicht mal einzeln begegnen.

Auf eine sehr unkomplizierte Weise stellt sich sofort das Zusammengehörigkeitsgefühl ein, man teilt das Leid wie die Freude. In einer Staffel, die sich zum Spaß auf den Weg macht, sind Zeiten egal. Natürlich, es gibt auch sportlich ambitionierte Staffeln, die einen Wettkampf gewinnen wollen. Es ist die Minderheit. Die meisten treffen zusammen, um dabei zu sein. Erst dann wird in meinen Augen aus dem Zusammenschluss eine Einheit, die das gemeinsame Erleben in den Vordergrund stellt. Denn wer einfach nur schnell sein will, kann das auch allein sein.

So werde ich sicher auch in Zukunft wieder bei Staffeln mitmachen, denn auch wenn die Strecke geteilt ist, der Spaß am Projekt wird vervielfacht.

P.S. vom 6. Juni 2016 – einige Staffelradfahrer beim 70.3 Ironman in Kraichgau gestern zeigten mal wieder die unangenehmste Seite des Radsports (neben Doping) – ruppiges Testosteron-Geheize und arschiges Verhalten. Da wünschte ich mir die Staffeln wieder sonstwo hin. 

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