Ballermann oder Strandläufer – wie man Stress abbaut durchs Joggen

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Dies Bild hat nichts mit Laufen zu tun aber eine anregende und gleichzeitig beruhigende Wirkung.

Die Idee zu diesem Text kam mir bei Kilometer 8,33 am vorigen Sonntag. Es standen noch 18 weitere Kilometer an, von denen ich dann schlussendlich nur 16 gemacht habe, aber es war mit insgesamt 25km dennoch der LaLa – der Lange Lauf. Dieser Lange Lauf ist ein fester Bestandteil in fast allen Trainingsplänen für einen Marathon. Er ist in der Regel der langsamste Lauf und sollte im Prinzip deswegen auch gleich LaLaLa gekürzelt werden.

Ich liebe langsame Läufe. Es muss nicht immer so lang sein, aber in einem angenehmen Tempo für eine gute Stunde unterwegs zu sein, das sind die Läufe, die nicht nur den Körper in Schwung halten (über den Trainingseffekt könnte man lange diskutieren), sondern vor allem für den Kopf wichtig sind.

Es geht nicht um das so oft beschriebene und wohl doch seltene Phänomen des Runners High, das mir persönlich nie begegnet ist. Es sind die viel häufigeren und fast planbaren Momente, in denen die Beine einfach weiterlaufen, der Kopf sich von der Kontrolle der Bewegung und der Beobachtung der Anstrengung löst und die Dinge sich rütteln.

Das ist Stressabbau, wie ich ihn verstehe. Runter kommen, Zeit finden, Gedanken schweifen lassen. Und nicht selten kommt dabei sogar etwas Produktives heraus.

Giftige Läufe können entspannend sein. (Für diesen Brückenschlag von Foto zum Thema schäme ich fast selbst)

Giftige Läufe können entspannend sein. (Für diesen thematischen Brückenschlag schäme ich mich fast ein wenig.)

Dem Gegenüber steht der Ballermann. Gib ihm Gummi. Das ist wohl sein Motto, man spürt das Leben mit jedem Schritt, spürt, wie die Anstrengung da ist, aber man ihr nicht nachgibt, wie das Tempo einen beflügelt, der Speed einem Adrenalin in den Körper zu schießen scheint. Ich stelle mir das wie einen Punchingball vor, nur dass man läuft, statt boxt. Raus mit der Energie, raus mit der Kraft, raus mit dem Frust. Stressabbau in Tateinheit mit Erschöpfung.

Zwei meiner Lauffreunde sind diese Art von Läufer. Statt der stillen Freude an einer nur mäßig belebten Runde, feiern sie die Verwandlung von Energie in Vortrieb. Keine Lauf, der beschaulich ist, sondern jeder mit einem gerüttelt Maß an Energie.

Einer geht oft im Laufe des Tages laufen. Die ersten Bürostunden liegen hinter ihm, die ersten Dinge zum Haare raufen sind passiert. Er KANN, so beschreibt er es, dann gar nicht langsam laufen. Das muss raus, das muss weg. Für ihn funktioniert das so.

Noch mal zwei Lämmer. Beruhigend, oder?

Noch mal zwei Lämmer. Beruhigend, oder?

Ein richtig oder falsch kann es eigentlich nicht geben. Zumindest nicht, wenn es darum geht, womit man seinen Kopf frei bekommt. Wer ein Wettkampfziel hat, ist meiner allerbescheidensten Meinung nach mit langsamen Läufen gelegentlich besser bedient. Aber auch der andere Weg kann zu Erfolg führen, denn langsam sind meine Lauffreunde wahrlich nicht.

Es wird vermutlich ausreichend Studien geben, die das Verhältnis zwischen Intensität des Trainings und der Intensität des Trainings geben. Ich begnüge mich für den Moment mit der privaten Feldstudie und kann nur jedem empfehlen, das so für sich zu halten, wie es zu ihm passt. Denn es ist immer der eigene Kopf, nie der anderen.

Wenn Sie also Stress abbauen wollen durch Joggen – das kann langsam oder auch schnell gehen. Aber es geht.

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Alle Kommentare [2]

  1. LaLaLa gefällt mir sehr gut, besser als LSD (long slow distance)

    Wenn ich zurückdenke an die Achtziger, als ich das Laufen für mich entdeckte, da waren die langen oder längeren Läufe eigentlich immer langsam. Einfach weil ich kein Läufer war sondern Fußballer, und ich noch keine Ahnung hatte von Lauftraining, Intervallen, Fahrtspiel, Tempotraining, Laufen im Wettkampftempo und und und. Ich war ein Fußballer der das Laufen entdeckte. Und je öfter ich vor die Tür ging, um so länger wurden die Distanzen.

    Aber immer ruhig, oder eben LaLaLa. Das entspannte, machte Spaß, eben weil es – sagen wir mal – gemütlich wirkte. Ich konnte im LaLaLa wirklich lange laufen, war nicht gehetzt. Nahm meine Umwelt wahr und entwickelte so ein Faible fürs Laufen (ich, der als Fußballer extra die Position Torwart wählte, weil man da weniger laufen musste *g)

    Der LaLaLa ließ mich zum Läufer werden, einen Genußläufer, der stolz war 2 h und länger laufen zu können…( es wurden später tlw. im Training Strecken über 50/60 Kilometer absolviert, alle locker.) Dann kamen die Wettkämpfe, Trainingspläne, schlaue Laufkollegen…. und unbändiger Ehrgeiz, einen Marathon unter 3 h zu laufen (Geschafft 1987 ! *g)..und der LaLaLa wurde zum LaLa, das Langsam fiel weg.

    Wenn ich jetzt als Triathlet trainiere, laufe ich die langen Läufe alle wieder ruhig, und habe Spaß daran. Und dann erinnere ich mich auch wieder an die 80er, wie toll es damals war, und habe ein Lächeln im Gesicht.