Test Garmin Forerunner 235 – untätowierte haarige Arme auf Bewährungsprobe.

Ich verrate Ihnen ein mehr oder minder intimes Geheimnis über mich: Ich bin nicht tätowiert. Nein, die Beine sind auch nicht rasiert, aber das wissen die treuen Leser dieses Blogs von den Wettkampfbildern eh. Und meine Arme schon mal gleich gar nicht.

Bleich, behaart und unterfordert. Der Tester als Uhrenmodellhalter.

Bleich, behaart und unterfordert. Der Tester als Uhrenmodellhalter.

Also ist auch mein Handgelenk behaart und untätowiert. Diese Info ist auf den ersten Blick bedeutungslos. Aber nicht länger, wenn ich mich dem Thema nähere, das in dem zugegebenermaßen sehr kleinen und auch sehr unwichtigen Segment „Herzrfrequenzmessung bei GPS-Sportuhren“ zu Verwürfnissen führen kann. So recht weiß ich gar nicht wieso. Aber in verschiedenen Diskussionen erhielt ich den Eindruck, einige Vertreter des Teams Brustgurt wollen partout nicht anerkennen, dass das Team Handgelenkmessung nicht nur Larifari-Datenmüll produziert.

Wenn Sie mich fragen, kann es einem Hobbysportler ziemlich egal sein, ob die Messgenauigkeit seiner Herzfrequenz nun bei 100 oder nur 98 Prozent liegt. Selbst 90 wäre immer noch genug. Wir sind keine Profis. Bei anstrengenden Sporteinheiten geht es darum, festzustellen, ob der Puls sich im Großen und Ganzen nach oben oder unten bewegt, wie also die Gesamtkurve verlaufen ist und welche Spitzen sich ergeben bei zum Beispiel Intervall-Einheiten, die jeden guten Trainingsplan würzen. Aber, so die immer wieder auftauchende Kritik: Die Messung am Handgelenk ist nicht genau genug – sei es durch übermäßige Behaarung oder eben ein sehr dunkles Tattoo.

Puls 66 beim Schreiben. Aufregende Texte lesen sich wohl anders.

Puls 66 beim Schreiben. Aufregende Texte lesen sich wohl anders.

Der Brustgurt leistet bei allen Anbietern von Sportuhren gute Dienste. Inzwischen sind auch die Textilgurte so, dass Schürfwunden seltener sind oder ganz verschwinden. Ich habe da meine Erfahrung und mit den heutigen Gurten deutlich weniger Schwierigkeiten. Dennoch verbreitet sich die optische Messung mittels mindestens zweier Leuchtdioden immer schneller. Garmin hatte mit der 225 bereits ein solches Modell im Programm, recht rasch danach kommt der Nachfolger 235. Auch Amateure können zählen: Es strahlen nun drei, statt zwei Dioden auf dem Gehäuserücken. Diese Technik wird auch Garmins jüngstem Modell fenix 3 HR verbaut, das Anfang Januar auf der CES in Las Vegas vorgestellt wurde.

Hecheln wir noch mal rasch durch die Vorteile einer Uhr, die keinen Brustgurt benötigt.

  1. Sie können ihn nicht vergessen.
  2. Seine Batterie kann nicht leer sein.
  3. Er scheuert nicht.
  4. Er stinkt nicht.

Kommen wir zu den Nachteilen der optischen Messung am Handgelenk:

  1. Die Uhr muss fest anliegen, sonst streut das Licht.
  2. Tättoos sollen die Messung verfälschen.
  3. Die Messung gilt als unpräziser.
  4. Sie benötigt mehr Strom.

Bevor ich das Thema Genauigkeit hier erörtere, hechele ich nochmals schnell durch andere gar nicht so unwichtige Themen, die für den Kauf oder Nichtkauf der Garmin Forerunner 235 sprechen.

BLOSS nichts verpassen. Ja, ich bin auf Path. Und?

BLOSS nichts verpassen. Was kommt denn heute auf Periscope?

Die Bedienungssystematik ist nachvollziehbar, aber sicher auch nicht intuitiv. Ich hatte genug Garmin-Modelle im Test, sonst würde ich wohl doch das Benutzerhandbuch bemühen müssen. Sie wird allein durch Tasten gesteuert, die sich auch in voller Bewegung gut erfühlen und mithin bedienen lassen. Das Display ist keine Lichtorgel, reicht aber mit seiner Farbigkeit in der Regel tagsüber aus, um es gut abzulesen. In der Dunkelheit ist es definitiv nötig, die Beleuchtung anzuknipsen. Das ist ein wenig lästig mitten in der Einheit. Die dauerhafte Hintergrundbeleuchtung ist möglich, geht aber natürlich auf den Akku. Sinnvoll ist es, die Uhr so einzustellen, dass das Licht bei der typischen Armbewegung, die man beim Auf-die-Uhr-schau macht, angeht. etwas träge vielleich, aber immerhin.

Selbstverständlich (weil heute eigentlich kein noch so simple Activitytracker mit Display ohne angeboten wird) empfängt die Garmin FR235 auch via Bluetooth Nachrichten (Smart Notifications) vom Telefon. Und selbstverständlich überspielt sie die Daten via Bluetooth an die App oder über Kabel direkt via Garmin Express an die Datenbank. Die Satellitensuche ist derart schnell geworden in dieser Generation der GPS-Uhren, dass ich eben drauf und dran war, ganz zu vergessen, das überhaupt zu erwähnen. Wer die Laufeinheit startet, hat in der Regel binnen Sekunden das Signal und teils sogar innerhalb der eigenen vier Wände, wenn man nah genug am Fenster steht. Dies gilt für eine offene Straße und nicht in dichten Wäldern oder Häuserschluchten, da ich da schlicht selten trainiere.

Die Verarbeitung der Garmin FR235 ist nicht die eines Panzers. Es ist ein Kunststoffgehäuse, das Display in den gut 30 Tagen des Tests allerdings unzerkratzt. Sie trägt sich an meinem recht schmalen Handgelenk gut und ich habe sie, auch um die Qualität meines Schlafs mit ihr zu messen, nachts getragen. Mich hat es nicht richtig gestört. Aber sie ist dennoch zu groß, um es gar nicht zu bemerken. Der Tragekomfort ist erstaunlich gut. Denn sie muss recht eng sitzen, damit die Dioden gut messen können.

Nun zum Streitpunkt Herzfrequenzmessung. Ich selber bin begeistert. Für meine eigene Vorbereitung auf einen Marathon samt Tempoläufen, Intervallen und langen Läufen würde ich mich den Daten der Uhr anvertrauen. Das sage ich nicht auf Basis eines Labortests oder Untersuchungen, sondern einigen Läufen, bei denen ich wie ein rennendes Test-Center mit zwei Brustgurten, einem Kopfhörer für HF-Messung und zwei oder drei Uhren am Arm unterwegs war. Ich habe – um in der Garminwelt zu bleiben, die Garmin FR235 mit meiner eigenen 910xt und dem Topmodell FR630 verglichen.  (Und ab hier lasse ich mal die Markenerwähnung, das muss für Google jetzt reichen)

Das Ergebnis: Ja. Es gibt Unterschiede. Sind Sie relevant? Ich finde nein, aber da ich in einem Gespräch darüber informiert wurde, dass das ja wohl krass ungenauer sei, bitte ich einfach jeden, selbst auf Basis der Bildergalerie mit den Screenshots sich ein eigenes Urteil zu bilden. Wem es zu ungenau ist – bleibt beim Brustgurt. Wem es genau genug ist – der kann drauf vertrauen.

Zu den wesentlichen Problemen, die ich bislang mit den Modellen hatte, die die optische HF-Messung haben, gehörte die Akkuleistung. Davon kann bei der FR235 keine Rede mehr sein. Einheiten um 60 Minuten leeren den Akku nicht deutlich. Selbst mehrstündige Ausläufe haben sie nicht nennenswert geleert. Da es nun keine Triathlonuhr ist, muss sie sich auch nicht über eine Langdistanz halten. Aber 10 Stunden am Stück sollte auch eine Laufuhr packen, denn Ultramarathon und Trailrunning sind Wörter, die immer mehr Läufer interessieren. Das ist auch der Einstellung „Intelligente Aufzeichnung“ zu verdanken. Für ganz genaue Kontrolle lässt sich auch die Messung aller Parameter „Jede Sekunde“ wählen, was ich nicht als notwendig betrachte, aber den Akku selbstverständlich stärker belastet.

Wer im Winter allerdings mit der FR235 laufen möchte, muss damit leben, zwischen Laufjacke und Handschuhe immer einen schmalen Spalt zu haben, denn eines kann sie nicht: Durch den Stoff hindurch messen. Das wäre fast wie ein schwarzes Tattoo.

Da dieses Modell schon vor dem Test einige Fragen aufgeworfen hat: Bitte in den Kommentaren stellen, ich versuche so rasch zu antworten wie möglich. Vielleicht bin ich aber auch gerade Laufen. Oder im Tattoo-Studio.

 

 

 

 

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Alle Kommentare [19]

  1. Wie verhält sich denn das von garmin entwickelte hf zu dem von Mio in der 225. Lohnt sich die 235 für Besitzer der 225? Danke für die Antwort

  2. Kann man die HF Messung ganz abstellen? Ich laufe außerhalb des Marathon-Trainings ohne HF Messung und vermisse das nicht. So könnte man vielleicht etwas Akku sparen und die Uhr im Winter über den Kleidung tragen, ohne unsinnigerweise den Akkzu zu belasten.

    Danke für den Testbericht!

  3. @matthias, nein, meines wissens geht das nicht, aber christoph, schreibt, dass es geht. dann wird er die Funktion gefunden haben. ich hatte nicht danach gesucht. aber akku ist wirklich nicht das große Thema.

  4. Vielen Dank für den tollen Bericht!

    Die Garmin Forerunner 235 ist gemäss deiner Einschätzung geeignet für den Hobbyläufer. Wie der Name schon sagt ist sie eigentlich nur eine Läuferuhr.
    Aber wie würdest du sie für das Rennvelo beurteilen? Bei DC Rainmakers Bericht kommt sie eher schlecht weg. Scheint so als sei die Garmin 235 wohl noch keine Alternative zum Brustgurt, da die Abweichungen relativ gross sind :/..

  5. Danke für den tollen Bericht. Ich habe mir lange überlegt, ob ich eine neue Pulsuhr brauche (bisher war ich mit meiner M400 von Polar eigentlich zufrieden). Jetzt habe ich die FR 235 gekauft und bereue es kein bisschen. Auch wenn mich der Brustgurt nicht wirklich gestört hat, ist „oben ohne“ laufen viel besser. Und die FR 235 hat ein paar tolle Funktion, die der M400 nicht hat, z.b. Vibrationsalarm oder die Beleuchtung geht an wenn man die Uhr zur Brust bewegt.
    Was ich allerdings schlechter finde, ist die Bedienlogik. Intuitiv ist was anderes! Aber ich denke, nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran, und dann hat man sich es gemerkt, welche Tastenkombination zu welcher Funktion gehört.

    Eine Frage: im Text ist die Rede von der Dauerbelastung. Wo kann man den das einstellen?
    Grüße Jochen

  6. @jonas dcrainmaker ist sicher „industriestandard“ beim testen. seine Einwände werden ihren Grund haben. Aber meine Erfahrungen sind so. Auf dem Rad habe ich sie nicht probiert, da sie einfach keine Radfunktion hat.

  7. Ich bin es nochmal. Blöde Rechtschreibkorrektur in meinem vorigen post. Eigentlich wollte ich nach der Dauerbeleuchtung fragen (und nicht nach der Dauerbelastung).
    Die Funktion, dass die Beleuchtung angeht, wenn man das Handgelenk zur Brust führt, kenne ich. Was ich noch nicht herausgefunden habe ist, wie man die Dauerbeleuchtung einschaltet. Gerade jetzt zu dieser Jahreszeit fände ich das gut.
    Grüße

  8. Habe den fr235 jetzt seit gestern. Habe vorhin ein kleines hiit Workout gemacht. War schon sehr anstrengend und die Uhr zeigte zwischendurch tatsächlich 135 Schläge an, um im nächsten Moment wieder auf 86 Schläge einzubrechen. Insgesamt zeigte die Uhr fast nie mehr als 95 Schläge an. Was eigentlich nicht stimmen kann. Hast du einen Tipp, wie ich die Genauigkeit bei crossfit Workouts verbessern kann?
    Und ich finde die Akku Laufzeit etwas niedrig. Gestern Abend 85 Prozent, heute schon nur noch 50,bei zwei kleinen Einheiten von je ner halben Stunde. Kann man das verbessern?

  9. @Tanja Zum einen: Bei einem sehr bewegten Workout, das HIIT ja sein kann, anders als Laufen, würde ich die Uhr sehr eng anlegen. Aus der Ferne kann ich da wenig zu sagen, ein Blick auf deine HF-Kurve wäre sicher interessant während des Trainings. Aber: Vielleicht bist du auch sehr gut trainiert, dann geht das schon sehr rasch runter. 😉

    Zum Akku: Ich habe mehrere Stunden Lauftraining gemacht und die Uhr war dann nicht halbleer. Ich bin da nicht teschnisch versiert genug, um zu wissen, ob diese Akkus einige Ladezyklyen brauchen, bis sie ihre volle Kapazität erreichen. Ein fehlerhaftes Produkt kann ich auch nicht ausschließen. Es gibt über alle Hersteller hinweg bei neuen Modellen immer wieder Probleme. Ich würde es noch beobachten und genau notieren und bei unbefriedigenden Ergebnissen den Service anfunken.

  10. @Tanja: Ich Habe die Uhr nun seit mehr also 2 Monate. Das Akku braucht so 2-3 Ladezyklus bis er vollständige Power hat. Beim Thema HIIT Training würde wie Thorsten empfohlen hat die Uhr ganz eng machen. Wobei ich festgestellt habe, dass es bei HIIT besser ist mit Brustgurt zu Trainieren. Der Zeichnet doch um einiges genauer auf. Besonders wenn man nur kurze HIIT Intervalle hat von ca 30 sec.

  11. Hallo Thorsten,

    danke für diesen Bericht. Ich habe die fr235 jetzt seit 4 Monaten und bin rundum glücklich.
    Die HF-Messung funktioniert im Großen und Ganzen so, wie ich es als Hobbysportler brauche. Zwischenzeitlich produziert sie aber auch kompletten Unsinn – beispielsweise 10 min HF deutlich jenseits meines (denkbaren) Maximalpulses. Auch das kratzt mich nicht wirklich. Es beeinflusst ja nur den rechnerischen Durchschnittswert und wer die Grafiken lesen kann, ist da im Vorteil.
    Da meine letzte HFmax Messung achon wieder 10 Jahre zurückliegt, wollte ich mich mal wieder dahin schinden. Und genau für dieses eine Mal ist mir die fr235 zu unpräzise. Kann man sie für diese eine Messung mit dem Garmin-Brustgurt kombinieren? Ich finde nicht so recht die Antwort im Netz. Und bevor ich das Ding bestelle…..
    Beste Grüße aus Köln
    maetes

  12. @maetes absolut, sie lässt sich wie alle anderen auch mit dem brustgurt verbinden.

  13. Hallo Thorsten,

    super Beitrag zu den Pulsuhren der Garmin Reihe.
    Es ist ganz klar, dass die Handgelenkmessungen immer besser geworden sind. Allerdings muss man halt dennoch sagen, dass die Brustgurte genauer sind. Dafür halt auch unbequemer und lästiger beim anziehen..
    Momentan nutze ich die Polar M400 und würde mir gerne eine neue Pulsuhr kaufen.
    Ist die 235 eine Aufrüstung wert? Wenn ja wie lange hält der Akku im Dauerbetrieb? Weil meine Polar regt mich förmlich auf, weil der Akku so lästig kurz hält.

    Danke und liebe Grüße

  14. Meine Erfahrungen sind das der Puls teilweise krass falsch ist.
    Habe bis zu 30 Schläge unterschied gemessen.
    Finde die Uhr gut aber die optische Pulsmessung muss noch verbessert werden.