Die Garmin Forerunner 225 im Test

Wenn es eine Sache gibt, die kein Laufsportler wirklich am Laufen liebt, dann ist es wohl das Tragen des Brustgurtes zur Messung der Herzfrequenz. (Eine halt- und zügellose Debatte dazu von Liebhabern des Themas Bondage würde ich in den Kommentaren unterbinden. (no pun intended)).

Ein Imperativ? Eine Beschreibung? Na, egal. Ich lauf.

Ein Imperativ? Eine Beschreibung? Na, egal. Ich lauf‘.

Das Ding ist kalt, wenn man es anlegt. Es ist nass danach. Es liegt irgendwo in der Wohnung rum. Es verrutscht. Die Batterien des Sensors sind alle. Es scheuert die Haut blutend wund. Es engt ein. Es ist einfach: Mist. Seien Sie froh, dass ich auf Zombiefotos meiner ruinierten Hautpartien verzichte.

Brustgurte gehören für mich selber zu den unangenehmen Begleiterscheinungen des Ausdauersports auf Augenhöhe mit Blasen am Zeh und sich plötzlich öffnenden Autotüren. Inzwischen bin ich so weit, dass ich die Wettkämpfe gleich ohne bestreite. So viel Körpergefühl habe ich inzwischen, dass es dann reicht. Im Training ist mir die Kontrolle der Herzfrequenz jedoch immer wieder wichtig.

Auftritt Micoach. 2013 stellte Adidas eine Uhr vor, die am Handgelenk den Puls misst. An der Oberseite mit zwei Leuchtdioden. 2014 hat auch TomTom so eine vorgestellt und die stolzen Besitzer einer Applewatch dürfen sich auch 2015 freuen: Die Technik ist die gleiche. Und eigentlich ist alles toll an der Idee. Kein Scheuern, kein Drücken, keine Teil, das man vergessen kann und in meiner Erfahrung deutlich präzisere Werte, die weniger schwanken.

Stromhungrige Leuchten.

Die Leuchten überwachen Ihre Herzfrequenz. Und Ihre Gedanken. Illuminati – Sie wissen schon. Nicht drüber reden. Pssst!

Einziger Nachteil: Es frisst Strom. Mehr als die Akkus bislang so leisteten. 2014 habe ich einen Wettbewerb leider erst nach mehr als sieben Stunden beendet. Ich war fertig von den 63 Kilometern beim Röntgenlauf – die TomTom war fertiger. Sie hat die Route nicht vollständig aufgezeichnet.

Garmin hat nun mit der Forerunner 225 ein Modell rausgebracht, das ein maskulines großes Gehäuse hat und ich hoffe, es ist so groß wegen des Akkus der drin steckt. Gleiche Dioden wie TomTom und Applewatch, ein wechselbarer Gummiring dichtet an der Forerunner nach rechts und links und oben und unten ab und so kann kein Licht zur Seite hinausdringen. Der Gummiring gibt am Arm durchaus Halt, die Uhr verrutscht deutlich weniger als beispielsweise die bequemer zu tragende Applewatch. Diese misst allerdings trotz des Rutschens die gleichen Werte.

Und damit ist der Test im Prinzip schon durch. Ich geh’s nochmal durch:

GPS-Suche Sehr schnell, viel länger als 30 Sekunden habe ich nie gewartet und wenn nur nachdem die Uhr gereist ist. Verbleibt sie an einem Ort ist sie in der Regel sofort fertig mit der Satellitensuche.

Genauigkeit Herzfrequenz Nun, ganz genau wüsste es sicher nur ein Kardiologe, der mit mir mitrennt. Schwankungen, wie ich sie von Brustgurten kenne, bleiben aus. Wohl aber habe ich mit der Forerunner eine für mich doch überraschend hohe Pulszahl erreicht in einem Wettkampf. Ob mein Maximalpuls nun also höher ist als gedacht oder bei Schweiß und Bewegung sich doch noch mal fünf, sechs Schläge dazugerechnet haben, kann ich verbrieft leider nicht sagen. Völlig abwegig wären die Zahlen nicht. Diese typischen Ausschläge eines Brustgurts mit schwacher Batterie, der aus dem Nichts einen Fabelpuls anzeigt, sind es nicht. Siehe die Fotos: Die Herzfrequenz ist im Maximum schon an Stellen, an denen ich auch ordentlich gerannt bin.

Funktionalität Sie folgt dem gleichen Menüaufbau der anderen Garminprodukte, die ich ganz gut kenne – ich war also schnell im Film. Das bloße Starten einer Einheit ist denkbar einfach. Auch die Einstellungen für ein Intervalltraining wurden verbessert. Wer sie ein mal mit einem Smartphone per Bluetooth gekoppelt hat, kann die Daten über die App Connect rasch auslesen. Ein deutlicher Fortschritt gegenüber den Modellen, die noch einen Extra-USB-Stick benötigten. Allerdings auch inzwischen Standard, das können die Mittbewerber in der Regel auch.

Akku Er reicht. Er reicht sicher für einen Marathon, auch sicher für einen Röntgenlauf. Ein Energiewunder ist allerdings auch die 225 nicht. Ich bin Sonntag mit 42 Prozent Akku losgelaufen und nach 24 Kilometer meldete sie, dass der Akku schwach sei. Ich habe dann die Einheit gesichert und eine neue gestartet, um nicht schlimmstenfalls alles zu verlieren. Auch die wurden vollständig aufgezeichnet. Einen Lauf über einen ganzen Tag würde ich sicher aber nicht starten, wenn der Akku nicht auf 100 Prozent steht.

The beauty and two beasts. Aber alle das gleich Licht.

The beauty and two beasts. Aber alle das gleich Licht.

Die Forerunner 225 ist eine reine Uhr für Läufer. Es gibt keine Funktionen für Radfahrer allerdings auch einen Schrittzähler. Zusätzlich gibt es ein Farbsystem, das hilft, den richtigen Trainingsbereich zu erwischen. Das ist nett, ich benötige das nicht, mir wäre es lieber gewesen, ich hätte in den Datenfeldern einstellen können, bei Intervalltraining die Pace und die Zeit des letzten Intervalls zu sehen. So bleibt man bis zum Auslesen im Unklaren, ob der Intervall zu schnell oder zu langsam oder richtig war. Ein ärgerliches Manko in meinen Augen. Ich hoffe, ein Update ändert das, denn die Funktion ist in wesentlich älteren Garminmodellen schließlich vorhanden.

Zur Gretchenfrage: Wer soll die kaufen? Alle Läufer, die nur laufen wollen und die Uhr gerne auch tags tragen. Sie ist als Trainingspartner auch für sehr ambitionierte Läufer geeignet, spätestens sobald auch noch Details wie Intervallzeiten dazukämen. Wer das Live-Tracking mag, der kann in Verbindung mit einem Smartphone seine Laufdaten auch in Echtzeit ins Internet stellen. Meins ist das nicht, ich brauch die Intervallrundenzeiten.

Sie kostet bei günstigen Anbietern 250 Euro. Und erspart einem den Ärger mit dem Brustgurt.

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Alle Kommentare [6]

  1. So langsam kommen immer mehr Berichte zur 225, das freut mich.
    Ich war von der Uhr begeistert, als ich das erste Mal davon hörte: Eine Pulsuhr, ohne dass ich einen Gurt brauche (mit dem ich schon häufiger technische Scherereien hatte) und ich kann sogar bei Garmin bleiben.
    Schade ist allerdings wirklich, dass man die Datenfelder scheinbar nicht selber einstellen kann, etwas was für mich auch essentiell ist, vor Allem, wenn ich so viel Geld für eine neue Uhr ausgeben soll.
    Da bleibt die Frage, ob ich nicht doch hoffe, dass meine Forerunner 610 noch etwas länger durchhält und dann irgendwann noch weitere Uhren mit der „neuen“ Technologie vorgestellt werden (vielleicht dann auch mit Mehrsportmodus, etc.).

  2. Hallo Thorsten, einen schönen Bericht hast du zur Forerunner 225 geschrieben. Ich kann deine Einschätzung mit dem Brustgurt teilen. Kalt, nass und ein notwendiges Übel, wenn man halbwegs sinnvoll trainieren wollte. Da sind die ganzen Neuerungen mit der Messung per Licht schon toll. Ich hatte bisher eine Fitbit Charge HR und die hat es mir schon angetan. Aber es kann noch ein bisschen mehr sein. Vor allem das GPS gefällt mir gut und nachdem die Uhr auch bei Fitness Tracker Test sehr gut abgeschnitten hat, steht sie jetzt auf dem Wunschzettel für Weihnachten.

    Auch wenn es noch ein paar Tage hin sind, aber 250 EUR sind natürlich auch eine Stange Geld.

  3. @Flocke Ja, ist viel Geld. Aber auch ein ausgeschlafenes Teil. Und ich bin ziemlich sicher: Der Preis wird rasch sinken. Das haben alle diese Uhren gemein. Ein paar Wochen warten, dann sind die ersten Angebote draußen.

  4. Hmm… ich bin mir nicht sicher, ob der Preis so schnell fallen wird. Noch sind Garmin und TomTom relativ alleine mit dieser Technik. So lange es nicht mehr (ernst zu nehmende) vergleichbare Uhren gibt, wird sich da vermutlich nicht viel tun. Vielleicht erst im Vergleich mit anderen Modellen, die Garmin sicherlich auch noch mit der Technik ausstatten wird.

  5. @thomas Nun, die Applewatch hat sie, war nicht Adidas mit der Micoach die erste, die das verwendet? Polar und Suunto werden nachziehen. Bin ich mir recht sicher. Bei Polar sogar sehr.

  6. Ich hab vor Monaten eine Pulsuhr von Garmin gekauft. Einer der besten vorteile war dass der Brustgurt codiert ist – d.h. du bekommst keine anderen Signale auf die Uhr wenn du jetzt mit anderen läufst.
    Ich hab mirs mittlerweile abgewöhnt, da ich jetzt meinen Körper genau kenne und weiss wann ich ans Limit komme. Mein bester Freund schwört auf die GPS von Garmin mit dem integrierten Herzfrequenzmesser, da kannst du auch Pace und Zielzonen bei der Belastung einstellen, bist du drüber oder drunter dann vibriert die Uhr…