Schwimmtechnik in der Videoanalyse. Warum oben bleiben noch nicht Schwimmen bedeutet. Teil 1.

Ich wollte sie nicht sehen. Die drei Szenen im hier verlinkten Video hakten beim ersten Versuch, sie abzuspielen und ich war ganz froh drum. Sie zeigen mich beim Schwimmen. Ich wollte das nicht sehen. Nackte Angst vor der Wahrheit! Ich habe aber dennoch einigen Aufwand und Kosten auf mich genommen, um es sehen zu können. Denn nur wer ehrlich zu sich ist, kann Fehler erkennen.

Morgenstund hat hier nix im Mund.

Morgenstund hat hier nix im Mund.

Von allen drei Sportarten des Triathlon ist das Schwimmen die für den Körper technisch herausforderndste. Und die am schlechtesten zu kontrollierende. Denn keiner kann sich dabei so recht selber beobachten, was vorm Spiegel auf einer Trainingsrolle mit dem Rad und bedingt auch beim Laufen klappt. Zumindest könnte man sich an Land von einem Bekannten einfach mal filmen lassen. Beim Schwimmen nicht so recht, denn die Musik spielt unter Wasser. (Im Video ist es Händels Wassermusik zur Untermalung, eingespielt von der Academy St. Martin’s in the Fields). Wasserlage, Armzug – das lässt sich besser unter Wasser beurteilen als allein von oben.

Da es eine sehr technische und sehr schlecht selber zu kontrollierende Sportart ist, hofft man immer, dass man es richtig macht. Dass es sich richtig „anfühlt“. Ob das dann auch richtig ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Also habe ich mich angemeldet zu einer Videoanalyse in einem Schulschwimmbad an einem Dienstag morgen um 7:30. Eben. Wer will da schon schwimmen? So richtig begeistert wirkte dann auch keiner der 15 Teilnehmer, die sich doch einfanden.

Die Foltersinstrumente des Schwimmtrainings bleiben hinter Gittern.

Die Folterinstrumente des Schwimmtrainings bleiben zum Glück hinter Gittern.

Die Aufnahme selber ist recht schnell und unspektakulär. Jeder Teilnehmer schwimmt drei Bahnen, erst jeder eine, während von oben gefilmt wird, danach eine, wo die Kamera seitlich unter Wasser positioniert ist, zuletzt schwimmt jeder auf die Kamera zu.

Aber erst ein mal Einschwimmen. Wer weiß, wie sehr mich das Bahnenschwimmen langweilt (hier gehts zum langweiligsten Text dieses Blogs zu diesem Thema) ahnt: Meine Begeisterung brodelt so sehr, wie das Wasser im Schulschwimmbad. Zwei Bahnen, das muss reichen, schöner schwimme ich im warmen Zustand auch nicht.

Dann ist es eigentlich auch schon so weit und die Aufnahme ist herzlich unspektakulär, es gibt auch keine Hinweise oder Kommentare, jeder schwimmt eine Bahn, nach dem sein Name aufgerufen wird, dann kommt der nächste. Sind alle durch, die nächste Perspektive. Bitte, danke. Ich versuche, so gut es geht, drei mal gleichmäßig zu schwimmen. Und nicht mit allem Vorsatz so schön und vorschriftsmäßig, wie ich es mir einbilde, zu können – sondern so, wie ich meine Bahnen so halt ziehe.

Die blauen Lagune sieht anders aus. Schnödes Kacheln zählen. Es sind 1734.

Die blauen Lagune sieht anders aus. Schnödes Kacheln zählen. Es sind 3734.

Das ist nach 30 Minuten eigentlich im Sack und wir könnten alle nach Hause gehen. Ja, wenn nicht das übertragen der Daten von der Videokamera mit den Sequenzen von 15 Teilnehmern auf 15 USB-Sticks gespielt sind, damit jeder sein Familienvideo mit nach Hause nehmen kann.

Wer technisch falsch schwimmt, muss seine Technik verbessern. Das geht dem Golfspieler, dessen Putt nicht so recht trifft, genau wie beim Tennisspieler, dessen Vorhand nicht sitzt. Die Bewegungsabläufe werden also in den Post-Aufnahme-90-Minuten zerlegt. Mal dürfen die Arme nur im Wasser nach vorne gebracht werden, mal nur bis zur Hälfte durchgezogen werden, dann wieder nur so, wie man sich halt gerade noch bewegen kann, wenn der Daumen in der Achselhöhle klemmt. Entenschwimmen, Badewanne – die Trainingsphilosophie hat sich lustige Begriffe für doofe Übungen einfallen lassen. Ich räume ein: Ich hasse es. Aber bitte, ich habe bezahlt. Also schwimme ich. Und räume ein – uninteressant ist das alles gar nicht. Es hilft sogar. Ich sollte das nicht sagen, aber Techniktraining scheint mir nun sinnvoll – ich lehne es natürlich dennoch weiterhin für mich ab. Aber diese ganzen Zusammenhänge zwischen Druck- und Zugphase wurden mir im Schwimmverein in Kindheitstagen nicht erzählt oder ich habe es vergessen. Vermutlich beides. Wir sind halt einfach geschwommen.

So endet der Tag mit grässlichen Sprints über jeweils 50 Meter. 16 mal und bitteschön schneller mit weniger Zügen. Aha. Und Aua.

Die Auswertung des Videos dauert 14 Tage, dann bekomme ich mein Zeugnis. Bis dahin schauen wir einfach alle das Video so an, wer mag, kann schon mal rumnörgeln.

Schwimmvideo

In Teil 2 in einigen Wochen dann die Erkenntnisse aus der Nachbesprechung.

 

 

 

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Alle Kommentare [6]

  1. Coole Sache das. Du siehst durchaus so aus, als würdest du dich beobachtet fühlen. Die Musik ist mir zu dramatisch für die Schwimmerei. Aber bitte. 🙂

  2. @Heike Ich schwimme flüchtig. Händels Wassermusik schien mir passend. TLCs Waterfalls wäre natürlich auch gegangen. 🙂

  3. Moin, mir steht das mit der Videoanalyse ende Januar auch noch bevor und ich bin erst seit 8 Wochen am Schwimmen. Kraulen konnte ich bis dahin gar nicht. Alles bis jetzt selbst (falsch) beigebracht 😉
    Bin mal gespannt was mein Trainer sagt, wenn er mich das erst mal schwimmen sieht.
    Dir weiter viel Spaß beim „lernen“

  4. Sooo schlecht schaut das doch gar nicht aus. Mache auf die schnelle zwei wichtige Punkte aus, die es zu verbessern gilt. Aber Grundsätzlich: Daumen Hoch!

  5. Danke für die Zusammenfassung des Weihnachtsgeschenkes meiner Frau. Bin auch gespannt was die Auswertung ergibt. An diesem Dienstag bestätigte sich meine Meinung über Vereinszugehörigkeit oder sonstigen Sportlichen Verpflichtungen. Technik und Intervalle gehören dazu aber Man(n) darf den Spaß nicht hinter dem Erfolg setzen.

  6. Technisch wahrscheinlich am schwierigsten zu kontrollieren, aber auch eine der gesündesten Sportarten. Ein gutes Beispiel sind die Profi-Schwimmer, die man meist auch im Schwimmbad beobachten kann.