Mein Verein, das Internet. Heute: Stella schwimmt. (26 Kilometer am Stück!!!)

Es geht immer wilder. In den Zeitschriftenregalen rangeln die Laufmagazine um die Aufmerksamkeit der etwaigen Kunden. Sie tun das in hübscher Regelmäßigkeit auch mit dem Thema: „10 Kilometer Laufen – so schaffen Sie das“. Die Distanz von 10 Kilometer ist für untrainierte Menschen oft schon eine unvorstellbare – aus guten Gründen. Danach kommt für viele die Frage nach einem Halbmarathon oder eben einem ganzen Marathon. Der Halbmarathon ist mit 21 Kilometer schon nichts mehr, was man mal eben so macht. Er ist aber immer noch 5,4 Kilometer kürzer als die Distanz, die Stella Pechmann zurückgelegt hat im Juni. Schwimmend.

26,4 Kilometer.

Schwimmen.

Lassen wir das sinken.  Ich schreib‘ mal, was ich dachte, und viele andere sicher auch: „Waaaaas?????“.

Zürichsee von oben bis unten. Bild von Bijoy Imhof, Sri Chinmoy Marathon Team

Zürichsee von oben bis unten. Bild von Bijoy Imhof, Sri Chinmoy Marathon Team

Es fehlt mir jede Phantasie, wie das gehen soll, auch wenn ich natürlich weiß, dass der Ärmelkanal durchquert wurde. Aber so mitten unter uns, Menschen, die solche Distanzen machen? Spannend.  Deswegen stelle ich hier Stella Pechmann, die für einen norddeutschen Autokonzern arbeitet (richtig, der), die Fragen:

Warum machen Sie das?
Weil ich es kann, andere Sportarten liegen mir deutlich weniger.
Außerdem soll schwimmen gut für den Rücken sein und die Tage im Büro sind oft sehr lang. Vor allem aber schwimme ich einfach gern. Gilt allerdings nur, wenn sich das, was ich im Wasser tue, auch wie Schwimmen anfühlt. Bis es soweit ist, vergeht schon mal eine Stunde. Um das zu begreifen, brauchte ich allerdings viel länger. Um Spaß zu haben, und das ist mir wichtig, muss ich also bloß etwas länger schwimmen. Früher war das anders.

Als Schülerin trainierte ich ein paar Jahre ganz klassisch in einem
Verein und schwamm dabei selten mehr als 800 Meter am Stück. Meine
Bestzeiten waren ordentlich, reichten aber nie für ganz große
Wettbewerbe. Heute hätte ich damit oft beste Chancen in meiner
Altersklasse. Aber mit Beginn des Studiums endete die Schwimmerei
zunächst.

Erst zwei Jahrzehnte später fing ich wieder an. Um mich zu motivieren,
buchte ich einen Schwimmurlaub. Auf dem Programm stand Küstenschwimmen vor Malta und Gozo, in kleinen Gruppen, abgesichert durch Begleitboote und Rettungsschwimmer. Das war 2009. Mittlerweile bin ich begeisterte Freiwasserschwimmerin und taste mich an immer längere Distanzen heran.

Wann machen Sie das?
Ich schwimme beinahe täglich. Unter der Woche bin ich morgens um sechs oder abends ab acht Uhr für ein bis zwei Stunden im Schwimmbad. An den Wochenenden stehen oft lange Einheiten an, also drei und mehr Stunden, gern mal am Stück und möglichst im Freiwasser. Im Schnitt  kommen so mehr als 20 Kilometer pro Woche zusammen, in der Spitze mehr als 40.

Wer viel schwimmt, hat mehr Hunger. Ein Bild nach einer langen Trainingseinheit.

Wer viel schwimmt, setzt auf „Biopren“. Ein Bild nach einer langen Trainingseinheit.

Mittlerweile habe ich auch das eine oder andere Kaltwassertraining mit
Ärmelkanal-Aspiranten und anderen nebenberuflichen Marathonschwimmern absolviert. Eine Woche lang geht es jeden Tag mehrere Stunden in 14-15 Grad kaltes Wasser, ohne wärmenden Neoprenanzug. Der Marathonschwimmer an und für sich bevorzugt Biopren, weist also einen deutlich höheren Körperfettanteil auf als zum Beispiel Triathleten oder Läufer. Was das angeht, bringe ich die besten Voraussetzungen fürs Langstreckenschwimmen mit.

Wo soll das hinführen?
Ich weiß es noch nicht. Ich würd gern wieder etwas schneller schwimmen können und am Schwimmstil gibt es immer was zu verbessern. Da kann das Training richtig mühsam werden. Aber Ziele motivieren  ungemein. Deshalb sehe ich mich gerade nach geeigneten Events für 2014 um. Mehr als 25 Kilometer müssen es allerdings nicht sein. Der Zürichsee ist toll und ich werde mich wieder um einen der raren Startplätze bewerben. Aber auch in Großbritannien, Skandinavien, in den USA und in Neuseeland gibt es tolle Langstreckenveranstaltungen für alle Leistungsklassen. Der Ärmelkanal oder der Fehmarnbelt reizen mich weniger, da sind mir zu viele Feuerquallen unterwegs.

Was sagen Familie und Freunde?
Viele staunen immer noch, dass es Leute gibt, die 26 Kilometer am Stück schwimmen können und das ganz ohne Not tun. Mir geht das übrigens mit bis dahin unauffälligen Freunden so, sobald sie für einen Halbmarathon oder sogar Marathon trainieren. Jedenfalls unterstützt meine Familie mich, wo sie nur kann. Dafür bin ich sehr dankbar, es macht alles leichter. Einige Freunde sind Langstreckensportler oder auf dem Weg dahin oder wären es gern mal. Sie verfolgen mein Training und muntern mich auf, wenn es mal nicht so gut läuft. Letzteres gilt aber
auch für die, die gar keinen Sport machen.

Was machen Sie, wenn Sie mal keine Lust haben?
Das kommt vor und hängt sehr direkt mit der Tageszeit zusammen. Ich
stehe einfach ungern vor sechs Uhr auf. Ich bedauere mich dann auch
gern mal einen Moment und tue das bei Twitter kund. Natürlich mit dem Hashtag #mimimi. Und dann schwimme ich trotzdem, weil die Bahnen um die Uhrzeit weniger belegt sind. Wenn es mal gar nicht geht, gönne ich mir die Pause.

stellaschwimmt.blogspot.com

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Alle Kommentare [2]

  1. Hut ab, ich bewundere wirklich solche Leistungen. Ich selber bin auch jemand. Der gerne mal morgens zum Sport geht. Vor kurzem habe ich das Fitnesstudio Abo gekündigt und werde mir nun erst mal eine 10/20 er Karte für das Schwimmbad anlegen und einen Schwimmkurs buchen.

    Ich finde es wirklich faszinierend und ein tolles Element. Wobei ich mir 25km bei bestem Willen nicht vorstellen kann. Ich fange dann mal mit 1 km an 🙂