Welche GPS-Uhr? Heute im Test: Garmin 910xt

Vorweg: Diese Uhr ist für mich Belohnung und Ansporn gewesen. Rund 450 Euro kostete sie ursprünglich, und beim letztjährigen Skoda-Velothon, dem Berliner Jedermannradrennen, bin ich am Messestand bei einem Messepreis deutlich darunter dann sehr schwach geworden. Ein preiswertes Vergnügen sieht anders aus. Dafür kann ein Radfahrer sein Rad ordentlich aufmotzen, der Jogger drei bis vier gute Paar neue Schuhe kaufen. Und schneller macht die Uhr nicht. Oder doch. Denn Sie mahnt, sie nicht links liegen zu lassen. Und sie liefert Daten, die helfen, das Training präzise zu machen. Wer sieht, wie es voran geht, der gewinnt neuen Antrieb. Diese Uhr sagt es einem sekundengenau auf den Meter.

Allgemein

Die Garmin, auch wenn ich sie mir schön geredet habe, ist kein Armschmuck, wie viele reine Herzfrequenzuhren es sind oder sein können. Es ist ein grober Klotz. Dies ist eine Meinung. Meine. Und an meinem recht dünnen Arm ist es ein Riesenklotz, der eigentlich bei jeder anderen Tätigkeit außer dem Sport stört. Geschuldet ist dies dem großen Display, das bis zu vier Datenfelder gleichzeitig anzeigt, die dann immer noch gut lesbar sind. Die 910xt hat einen Akku, gut 20 Stunden soll er halten, das kommt gut hin, ich selber lade sie viel öfter auf, um nicht mitten in einer Sahneeinheit die Aufzeichnung unterbrochen zu sehen. Die Ladezeit ist gering, mit einer halben Stunde aufladen lässt sich jede Trainingseinheit überstehen. Dass sie leer war, ist natürlich dennoch passiert. Sie schaltet sich auch nicht ab. Und sie hält in der Wohnung keine 20 Stunden aus, wenn sie verzweifelt wie ein ausgesetztes Hündchen nach seinem Herrchen nach GPS-Signalen sucht.

Für die Größe trägt sie sich beim Sport wiederum akzeptabel, das lange Armband reicht zumindest bei mir im Winter auch, um es über die Laufjacke zu verschließen. Im Lieferumfang enthalten sind im Komplettpaket die Uhr, ein USB-Stick zur Datenübertragung und ggf. der Brustgurt. Es gibt die Uhr auch ohne Brustgurt für alle, die bereits einen Garmin-Gurt haben, weil sie ein Vorgängermodell nutzen.

Die Garmin, das war auch der Grund, warum ich nicht lange weiter gesucht habe, bietet die Möglichkeit, sowohl das Schwimmtraining im Schwimmbecken beliebiger Länge von 20 bis 50 Meter aufzuzeichnen als auch im Freiwasser. Es ist also eine Uhr, die maßgeschneidert wurde für Triathleten. Beim Schwimmen muss ich allerdings auf die Daten zur Herzfrequenz verzichten, die wird unter Wasser nicht übertragen, tragen darf man den Gurt schon. Wasserdicht ist alles.

Anwendung

Wenn man erstmal weiß, wie, dann ist es einfach. Aber ohne Handbuch – keine Chance. Bei der Garmin so wenig wie bei den anderen Uhren. Zu mannigfaltig sind die Möglichkeiten. Zunächst muss die Uhr eingeschaltet werden, das klingt jetzt blöd, ist bei der Garmin aber anders als bei anderen Modellen. Sie sollte tunlichst immer ausgeschaltet sein, weil sie  sonst viel Stromverbraucht. Über Nacht anlassen bedeutet in aller Regel, dass sie am nächsten morgen leer ist und der Morgenlauf dann doch nicht aufgezeichnet werden kann. Wichtig für Dunkelläufer: Ein doppelter Fingertipp wie ein Mausklick auf das Display und die Hintergrundbeleuchtung geht an, das funktioniert sogar mit nicht zu dicken Handschuhen.

Es gibt bereits programmierte  Aufzeichnungsmodi für Laufen, Rad fahren, Schwimmen, für die ersten beiden lassen sich neben Schrittsensor auch ein Trittfrequenzsensor dazukaufen, die dann noch mehr Daten anschwemmen. Andere Sportarten laufen dann unter diesem Sammelbegriff „Andere Sportart“. Wenn sie im Lauf- oder Radmodus angeschaltet ist, sucht die Uhr nach Satelliten. Sie zeigt mit einem einfachen Balkendiagramm, wie viel sie schon gefunden hat, ist sie fertig, brummt sie. Sie brummt viel. Wenn man einen Kilometer gelaufen ist, 10 Kilometer. Oder auch irgendwas dazwischen, denn nahezu alle Funktionen sind frei einzustellen. Ein Brummer, in jeder Hinsicht.

Die 910xt erlaubt es, eine virtuellen Partner zu wählen, gegen den man antreten kann, sie kann programmiert werden, dass sie brummt, sobald man ein bestimmtes Tempo unter- oder überschreitet. Wer als Läufer Intervalltrainings im Plan hat, kann die programmieren. Mit Einlaufen, Auslaufen, auf Distanz, Zeit – was auch immer. Die Höhenunterschiede werden aufgezeichnet, inzwischen auch die Wetterdaten.

Die Datenfelder können starr bleiben, können automatisch auf dem Display wechseln – die Uhr macht alles, was, man sich so vorstellen kann. Außer einfach mal die Uhrzeit anzuzeigen. Wie spät es ist, ist bei knapp geplantem Training keine unwichtige Info und die könnte die Uhr gerne auch anzeigen. Und vor allem auch im ausgeschalteten Zustand.

Die Bedienung erfolgt über recht schwergängige Tasten, da muss man schon kräftig drücken – dafür drückt man auch nicht so leicht aus Versehen eine Taste während des Sports. Die beiden wichtigsten für Start und Pause sind oben angebracht, auch eine gestauchte Sportjacke kann da nichts auslösen, was der Besitzer nicht möchte.

Eine der wichtigsten Dinge: Wie lange braucht die Uhr, bis sie alle Satelliten zusammenhat? Das kann in weniger als einer Minute sein, das kann auch vier dauern. Bei bewölktem wie blauem Himmel – das scheint keiner Regel zu unterliegen. Immerhin: Die Garmin meldet sich, wenn sie alle beisammen hat. Es kann sein, dass sie fragt, ob man in den letzten Tagen mehrere Hundert Kilometer gereist ist. Fragt sie auch, wenn man – wie am Vortag – vor der eigenen Haustüre steht.

Für Triathleten – und an die richtet sich der 910xt sicher in erster Linie – ist noch die Funktion automatischer Multisport wichtig, in einem Wettkampf reicht jeweils ein Knopfdruck, um zu starten, den Beginn und Ende der Wechselzone und den Start der nächsten Sportart aufzuzeichnen.

Der Brustgurt hat bei mir am Brustbein eine Wunde verursacht, das kann mein Körperbau sein, das Textilband ist eigentlich bequem und im Vergleich mit denen anderer Hersteller spürt man keinen Unterschied. Waschen kann man ihn leider nur per Hand. Der Sensor wir mit einer normalen Knopfzelle (CR 2032) betrieben, die jeder Drogeriemarkt führt.

Auswertung

Was nützen die schönsten Daten, wenn man sie nicht bequem lesen kann? Deswegen nutzt die Garmin wie alle anderen Uhren auch, ein Webportal namens connect.garmin.com, in dem der Datenwust aufläuft. Die Übertragung vertraut Garmin einem USB-Stick an. Der Ant-Agent kann – so legt es das Portal nahe – wohl auch noch meinen Blackberry oder eine SD-Karte auslesen. Probiert habe ich das nicht. Die Nachteile liegen auf der Hand: Der  USB-Stick kann überall liegen, wer mehrere Rechner nutzt zur Auswertung, der hat den Stick vielleicht nicht immer dabei. Und die Übertragung geht öfter schief, als einem das recht ist. Das ist in der Tat nervig. Am Ende gelangen Sie immer ins Portal. Mindestens aber in das nicht webbasierte kostenfreie Programm „Trainingscenter“, das allerdings so unerfreulich unübersichtlich ist, dass es weit weniger attraktiv ist, dort seine Fortschritte anzuschauen als im Internet. Via connect.garmin.com lassen sich auch alle Daten in die Öffentlichkeit tragen, in der Garmin-eigenen Gruppe diskutieren, Routenvorschläge anschauen, und, und, und. Komplette Kontrolle, allerdings nicht, wie bei Programmen für Mobiltelefone als Liveaufzeichnung. Logisch, die Uhr besitzt schließlich kein Telefon, mit dem die Daten übertragen werden könnten.

Ein Füllhorn an Infos. Trittfrequenz, Armzüge, Kalorien, Effizienz der Schwimmbewegung. Im Durchschnitt, die Maximal-Werte. Vergleichen bezogen auf Distanzen oder Zeiten, Berichte über Fortschritte, und und und. Wer von der schieren Masse nicht erschlagen wird, ist wohl begeisterter Excel-Spezialist und selbstverständlich lassen sich die Daten auch exportieren. In Excel. Alles – es ist alles da.

Wer mag, nimmt sich einfach den „Trainingseffect“ zu Herzen, der auf einer Skala von 1-5 anhand der erbrachten Leistungen einstuft, was die Einheit gebracht hat.

Ansicht

Das perfekte Trainingswerkzeug für Triathleten. Komplett übers Ziel hinausgeschossen, wenn Sie jedoch nur planen, ein wenig mit Plan einen Marathon anzugehen, oder ein Radrennen vorzubereiten, dafür gibt es passendere Geräte, dazu später mehr. Für meine Ansprüche und meine Verwendung ist es schlicht das beste Gerät trotz der Einschränkungen, die ich erwähnt habe.

In der nächsten Folge dann der Polar RC3 GPS im Test

Garmin 910xt

Preis: Etwa 370 Euro inklusive Brustgurt, 330 ohne.

http://sites.garmin.com/forerunner910xt/?lang=de&country=DE#

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Alle Kommentare [3]

  1. Hi und Toller Beitrag!! 🙂
    Ein sehr hoher Preis. Aber kann ich verstehen, Garmin macht halt die besten Pulsuhren. Ich selber benutze zurzeit die Garmin fenix 3. Und ich muss sagen ich bin echt zufrieden mit der Pulsuhr und kann sie nur weiterempfehlen.

  2. Hallo Oliver 🙂
    ich hätt mal eine frage . Wie lange benutzt du die Garmin Pulsuhr den schon?

  3. @ jürgen Hui, ich hatte neulich auf die Quittung geschaut. 4 Jahre? Echt schon ewig. Und heute wieder. 25% Akku verbraucht beim Marathon – kann man nicht meckern. Bisserl ungenau, aber gut, damit kann ich leben.