» 06.02.2013, 16:12

Gehen Sie ins Form-Gefängnis, ziehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 400 Euro ein.

Form verlieren nicht nur rote Lieblings-Pullover aus Schurwolle, wenn Sie ein Trottel von Ehemann bei 60 Grad wäscht, sondern auch der Körper, sobald er zu lange ruht.

Und das geht rasend fix. Wäre die Kurve der persönlichen Fitness so genau zu beziffern wie der DAX, dann müsste sich jeder Hobbysportler vor den Tagen fürchten, an dem die Börse schließt oder gar der Euro kracht.

Und irgendwie ist es ja doch der Stolz auf die Fortschritte, die einen antreiben, die aufgezeichneten Daten über Entfernung, Tempo und Anzahl, die man sammelt wie Wanderer die Metallplatten, die sie an den Wanderstock nageln. Und dann greift die Grippe zu, vielleicht auch nur der Jahresurlaub und schon findet man sich da, wo man Wochen zuvor. Zurück im Basislager des Trainings, den Berg heruntergekullert.

Die Autoren des empfehlenswerten Buches Hanson Marathon Method empfehlen nach einer krankheitsbedingten Pause von ein bis zwei Tagen einfach im Plan zu bleiben, ab 3 Tagen anzupassen und wer eine Woche – gar durch eine schwächende Krankheit – aus dem Verkehr gezogen wurde, muss wohl neu planen. Alles machbar, alles kein Problem. Aber ärgerlich. Und das geht an die Motivation. Und auf einmal merkt man, dass das Sofa eben doch auch bequem ist. Länger im Bett liegen bleiben irgendwie ja auch schön ist. Alles, was erkämpft wurde an Fitness schwindet rasch dahin. So war es auch nach der Woche Siechtum, die mich vergangene Woche erwischt hat.

Die ersten zaghaften Schritte gingen zwar, aber ein Blick auf die Uhr verrät schnell – genau das ist man nicht mehr. Vergangenes Jahr habe ich den Husten ignoriert, weiter gemacht, alle Warnungen in den Wind geschlagen und später einsehen müssen: Die Gesundheit riskieren ist die dümmste Idee. Dieses Jahr habe ich mich also auskuriert. Und dann lief es eben so lala. Nicht wirklich mies, nicht wirklich toll. Beflügelnde Euphorie geht anders. Kann man auch sitzen bleiben auf dem Sofa und endlich das Buch zu Ende lesen.

Wenn es nicht so will, hilft nur eines: Weitermachen. Gar nicht draufschauen auf die Ergebnisse. Leichter gesagt, als getan. Und das ist der Moment, wo ein Trainingsplan und sei er noch so rudimentär Halt und Motivation bietet. Ob Sie ihn für Ihre Sportart im Internet gesucht haben, ihn sich von einem Trainer haben schreiben lassen: Betrachten Sie es als Befehl. Als dienstliche Anordnung, die befolgt wird, ohne zu diskutieren. Auch wenn Sie keine Lust dazu haben. Ich säße noch jetzt auf dem Sofa, wenn da nicht die mahnenden Anweisungen wären, die ich in Outlook eingetragen habe. Machen Sie das, was Sie als pflichtbewusster Mitarbeiter auch tun: Befolgen Sie die Anweisungen. Und alles wird gut. Auch die Form.

 

» 06.02.2013, 16:12

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