Don’t take a no for an answer

Vorweg – auch mein Schweinehund hat manchmal leichtes Spiel. Diesen  Eintrag wollte ich vorvorgestern schreiben. Gedrückt. Ich habe „Nein“ gesagt – auch wenn es eher nach „morgen“, „muss ja nicht“, „du bist krank“, klang. Ich habe „Nein“ gesagt.

Und damit sind wir mittendrin in einem Schlüsselsatz des Buches „Über den Wassern. Rudern – Eine Lebenskunst“ des amerikanischen Autoren Craig Lambert: Don’t take a no for an answer – „Akzeptiere kein Nein“ grob übersetzt. Der Versuch, die mentalen Aspekte des Sportes zu übertragen in die Welt der Wirtschaft, den persönlichen Erfolg, das Fortkommen, das Durchsetzungsvermögen, wird häufig und gern unternommen. Was lernen wir von Ausnahmeathleten, um es für uns einzusetzen? Meist, was man so ahnt: Ohne Leidenschaft geht nichts, nur wer sich aufopfert, schafft Höchstleistung. So banal, so wahr, das füllt nur kein Buch.

Lambert geht weiter. Der Amateur-Ruderer, erwähnt diesen Satz in einer Szene, die aus dem Boot berichtet, in dem er mit anderen Ruderern sitzt. Die Muskeln schmerzen wie die Hölle, die Lunge brennt, der Körper schreit mit jeder ihm zur Verfügung stehenden Faser: Aufhören. Aber das Boot ist mitten im Rennen, die anderen Athleten schlagen immer weiter, ein einzelnes Glied dieser Kraft-Kette, das reißt, würde das ganze Boot bremsen. Ein Nein ist keine Option. Inakzeptabel. Es ist die Verpflichtung der Gemeinschaft gegenüber, ein Plädoyer für den Mannschaftssport.

Wer einmal in seinem Leben in einem Rennruderboot saß, ahnt, dass es gut für einige Gleichnisse ist. Es ist ein schmales Ding, ohne die Skulls, die Ruderblätter als stabilisierendes Element, würde es binnen Sekunden umkippen, ich weiß das, ich bin als Schüler in der Schülerriege mehrfach in die Umkleide gegangen, um den 2. Satz Sportklamotten anzuziehen. Sobald zwei bis zu acht Menschen in so einem empfindlichen Sportgerät sitzen und für einige Sekunde alle gleichzeitig die Blätter aus dem Wasser heben, dann fliegt das Boot. Oder es sinkt.

Lambert schlachtet den Grenzbereich zwischen Himmel (Fliegen) und Hölle (Sinken) aus, erinnert an legendäre Duelle auf dem Wasser. Es ist dabei kein Sachbuch, keine trockene Materie, die erhobenen Zeigefingers auf die Vorzüge konsquenten Trainings hinweist. Eine Liebeserklärung ans Wasser, an Sport in der Natur.

Es hilft, selber einmal in einem Ruderboot gesessen zu haben, um zu ahnen, was drin steckt im Buch und im Sport. Und dennoch ist es für jeden Hobbysportler das Buch, das einem erklären kann, wieso anfangen, dranbleiben und weitermachen lohnt.Es gibt einem das Rüstzeug mit, wenn das Sofa ruft, das Training schmerzt, das Wetter nicht so will, sich am Rieman zu reißen (Riemen-Rudern ist das Rudern mit nur einem Skull, wie der Achter) und sich selbst zu sagen: Ein Nein wird als Antwort nicht akzeptiert.

In Deutschland ist das Buch leider vergriffen, gebrauchte Exemplare werden für 80 Euro angeboten – die englische Version ist weiter als Taschenbuch erhältlich – und gut verständlich.

 

 

 

 

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