Artikel mit dem Tag: Armut

Besuch bei den Opfern der Textilfabrik-Katastrophe

Es grenzte an ein Wunder, als die Näherin Rashem Begum nach 17 Tagen aus den Trümmern des Gebäudes „Rana Plaza“ gerettet wurde – unter Schock stehend, aber physisch unversehrt. Die 19-jährige Näherin hatte Löschwasser aus einer Pfütze getrunken, das die Feuerwehr nach einem Brand bei den Rettungsarbeiten in die Ruine gepumpt hatte. Die Bilder ihrer Rettung gingen um die Welt. Mehr als 1100 Menschen kamen kläglich ums Leben beim Einsturz jenes Gebäudes, das bis dahin auf jeder Etage von einem Generator durchgerüttelt worden war – ohne dass dies der TÜV Süd bei einer Kontrolle im Frühjahr abstellen ließ.

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Die Gesichter der Armut

Dhaka / Bangladesch, im August

Demütig dankbar bin ich dem lieben Gott, dass er mich in der hessischen Provinz in die Welt gesetzt hat. Zuweilen mag es langweilig gewesen sein, das Dorfleben – aber es war stets hygienisch dort und zivilisiert, von Armut weit und breit keine Spur, nur Reichtum. In Bangladesch kann niemand der Armut entfliehen. Jeder H&M-Einkäufer, der in den engen Straßen von Dhaka mal im Stau stand, kennt den Anblick armloser Bettler mit verfaulten Zähnen. Fahrer der weißen Ausländer-Limousinen drücken dann hastig die Zentralverriegelung, damit die Armut bloß hinter der Glasscheibe bleibt und nicht auch noch die Tür aufreißt (wozu den Armen wohl eh die Kraft fehlt). So bleibt Armut schön abstrakt – wie im Fernsehen. 

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