Bamako, im Januar
Freie Platzwahl und Beinfreiheit – Air France-Flug AF 3096 lockt dieser Tage mit seltenen Annehmlichkeiten. Der wuchtige Airbus A-340 aus Paris ist nur zu einem Fünftel besetzt. Kein Wunder, denn die Maschine fliegt nach Bamako, in die Hauptstadt von Mali. Im Land ist Krieg und kaum wer will hin, nur weg: Gegen die Abflughalle presst sich eine lange Schlange, der Rückflug wird kuschelig. Die Crew muss die Maschine noch bis zum Zusatz-Stop in Casablanca fliegen, erst dort wird sie abgelöst. Air France lässt Mitarbeiter nicht mehr in Bamako übernachten.
Ich indes bin angekommen – im Krieg? Nein, von Krieg ist in Bamako nichts zu sehen. Am Airport steht einsam eine Antonow-Frachtmaschine, die französische Panzer transportiert hat. Auf dem Weg zum Hotel passieren wir zwei Polizeikontrollen. Allerdings meiden die Menschen die Straße, seit die Regierung den Notstand ausgerufen hat. Die Stadt scheint verdunkelt, irgendwo schlafen Schläfer, hießt es. Unsichtbar schwebt die latente Gefahr von Anschlägen über Bamako, seit französische und malische Armee im Norden gegen islamistische Rebellen vorgehen.
Wirtschaftsjournalist bin ich und kein Kriegsreporter. Ich plane keine Adrenalin-getriebenen Ausflüge in den Norden, wo Monsieur Hollande’s Grande Armee kämpft und Islamisten aus dem al-Quaida-Lager weiter in die Sahara drängt. Blutige Bilder sind nicht das, was ich suche. Vielmehr will ich verstehen: Wie kann ein zur Muster-Demokratie hochgejazztes Armenhaus in Afrika so lange ignoriert und vergessen werden, bis es politisch derart kippt, dass es teils in die Hand von Islamisten fällt und als deren Operationsbasis zur Bedrohung für Europa zu werden droht?
In den kommenden Tagen werde ich Gesprächen mit Politikern, Ökonomen und lokalen Unternehmern führen, um den Fehlern der Vergangenheit nachzuspüren. Schon die Vorrecherchen zeigten, dass die Bundesregierung über die Entwicklungshilfe zwar viele humanitäre Projekte anschob – handfeste deutsche Investitionen trotz der vermeintlichen politischen Stabilität in Mali ausblieben. Warum eigentlich?
Seit im März vergangenen Jahres Putschisten das Land regieren, hat Deutschland die Entwicklungshilfe formal eingestellt und einen Teil der Entwicklungshelfer aus dem Land abgezogen. Inzwischen hat das Auswärtige Amt scharfe Sicherheitswarnungen für das ganze Land erlassen, sodass die meisten der wenigen deutschen NGOs, Stiftungen und Unternehmen ihre Mitarbeiter abgezogen haben. Die Bar des Radisson Blu wäre verwaist, wenn die Kriegsreporter nicht wären.
Egal, wie die französischen Militär-Mission ausgeht und wie lange sie dauert – die EU wird sich in den kommenden Monaten mit Mali beschäftigen. Vor allem mit der Frage, wie die fragile Sahel-Zone durch politische und wirtschaftliche Hilfe von außen stabilisiert und entwickelt werden kann. Die bisherigen Versuche, so viel steht fest, sind gescheitert.
Lesen Sie hier oder im Blog (twitter.com/willershausen) die frischen Ad-Hoc-Eindrücke von der wirtschaftlichen Lage in Mali – und diskutieren Sie Fragen oder Anregungen gern über die Kommentar-Funktion oder per E-Mail: florian.willershausen@wiwo.de










