Berlin, im Januar
Stolz erfüllt den Japaner, der bei Toyota oder Sony seinen Dienst tun darf. Globale Giganten wie Apple, Microsoft und General Motors haben die US-Wirtschaft stark und mächtig gemacht. Selbst in Deutschland braucht es nicht viel Patriotismus, um sich am globalen Erfolg von Volkswagen, Bosch oder Siemens zu laben – die Weltstars der deutschen Wirtschaft, die “made in Germany” fröhlich immer weiter globalisieren.
Es sind die Dickschiffe des Westens, die das öffentliche Bild der Wirtschaft dominieren. Über sie berichten Wirtschaftsmedien in epischer Breite – vielleicht nicht gar so massiv in Deutschland, der Heimstatt vieler kleiner Wachstums-Champions. Wohl aber im englischsprachigen Sprachraum, wo multinationale Konzerne weltweite Aufmerksamkeit für sich beanspruchen. Bisweilen fehlt im recht selbstreferentiellen Westen der Blick dafür, was sich im Rest der Welt so tut.
Jetzt hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) eine Studie veröffentlicht, die den Fokus auf neue Wettbewerber jenseits des Westens richtet: “Global Challenger” nennen die Berater die 100 Unternehmen, die sich im weltweiten Vergleich am schnellsten globalisieren. Alle kommen sie selbst aus Wachstumsmärkten, von deren starker Binnennachfrage sie über Jahre profitieren konnten. Dies hat sie so gepäppelt, dass sie sich nun über die ferne Heimat hinauswachsen – und den Platzhirschen des Westens am Weltmarkt als neue Herausforderer gegenübertreten.
Wir könnten jetzt wieder rufen: “Hilfe, die Chinesen kommen!” Oder die Russen. Sicher sind viele der schnell wachsenden Konzerne aus den BRIC-Staaten – darunter Flugzeugbauer Embraer (Brasilien), der Mischkonzern Tata (Indien), Technikriese Huawei (China) oder Russlands Energieriese Gazprom. Die standen alle bei der Vorläuferstudie vor vier Jahren schon auf der Liste. Auf die BRIC-Staaten haben sich alle Konzerne längst eingestellt.
Spannender ist, dass der Anteil der Unternehmen aus den BRIC-Staaten sinkt – und plötztlich Konzerne aus der Türkei, Südafrika, Thailand, Indonesien und Qatar am Weltmarkt angreifen. Airlines wie Emirates oder Etihad mag der Kunde schon kennen – Südafrikas Mobilfunkkonzern MTN wird er noch kennen lernen. Gestützt auf die Basis am riesigen Mobilfunk-Markt Afrika startet das Unternehmen jetzt im Westen durch. Oder Kolumbiens Grupo Empresarial Antioqueno: Vielleicht müssen sich die Südamerikaner einen eingängieren Namen zulegen – aber als Mischkonzern mit Lebensmittel-, Zement- und Bankingsparte haben die Kolumbianer zuhause so viel Geld verdient, dass sie sich jetzt globalisieren.
Es sind keine kleinen Klitschen, die BCG als “Global Challengers” adelt – sondern Konzerne, die im Schnitt der Top-100 bereits mehr Umsatz machen als die 500 größten Unternehmen der Welt im Ranking von Standard&Poors. Allerdings wachsen sie mit durchschnittlich 16 Prozent dreimal so schnell wie die S&P-500, die pro Jahr um fünf Prozent zulegen.
Im Klartext heißt das: Die Welt wird immer heterogener. Einst gab es den Westen, dann wuchs der Westen in den BRIC-Staaten – und jetzt schwingen sich die BRICs und andere kaum bekannte Wachstumsländer auf, im Westen zu wachsen. Wohl dem, der die neuen Player am Weltmarkt gut im Blick behält. Sie könnten selbst den Größen der West-Wirtschaft gefährlich werden.
Unsere neunteilige Serie “Märkte von Morgen” steht Ihnen im WiWo-Shop zum Download bereit: http://www.wiwo-shop.de/downloads/maerkte-von-morgen-p4382.html










