» 08.11.2012, 18:36

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Eine WiWo für Nigeria

Lagos, im November

Fast hätte sich Jennifer Tan sogar eine Druckmaschine aufschwatzen lassen. Verzweifelt war sie auf der Suche nach einer Druckerei, die ein farbiges Magazin in ordentlicher Qualität zu Papier bringen kann. In ganz Nigeria fand sie keinen geeigneten Drucker, also verhandelte sie über den Kauf einer ausrangierten Maschine. Eine Druckerpresse ist teuer, Jennifer Tan bat um Bedenkzeit. Just als sie nachdachte, meldete sich ein Drucker, der ihr Magazin drucken will – und kann.

Jennifer Tan atmete auf – und legte los. Die 31-jährige Deutsche ist dabei, in Lagos ein wöchentliches Wirtschaftsmagazin aufzubauen, sozusagen die WirtschaftsWoche Nigerias. Erste Dummys des Titels “Breeze” hat sie mit Mediengestaltern aus Hamburg schon entworfen, ein Team aus freien Journalisten steht bereit, im Februar soll die erste Ausgabe in den Handel kommen. „Es gibt in Nigeria kein brauchbares Wirtschaftsmagazin“, erzählt Jennifer Tan. „Dabei tut sich in der Wirtschaft sehr viel mehr als in der Politik, die in Nigeria eher einer Seifenoper ähnelt.“

Einfach wird das nicht. Als Dienstleister wirft einem der nigerianische Staat zwar keine Knüppel entgegen, eine ISSN-Registrierung hat die Unternehmerin schon, allzu viel Strom muss sie dem chronisch knappen Energiesystem des Landes nicht entziehen. Allein, es fehlt an Strukturen im Vertrieb: Die meisten Medien werden über Straßenhändler an Autofahrer verkauft, die in Lagos im Dauerstau stehen. Oft sind es Bordexemplare aus Flugzeugen, die internationale Airlines vor Ort gelassen haben – furchtbar inaktuell, aber dennoch werden sie für ein paar Dollar verhökert.

Die Verlegerin will den Vertrieb selbst aufbauen: „Wir schicken Verkäufer mit Käppi und Logo über den Mittelstreifen, das hilft uns auch gleich beim Markenaufbau.“ 500 Naira, rund 2,50 Euro soll die Ausgabe kosten. Geld verdienen will sie aber eher über Anzeigenkunden – vor allem nigerianische Unternehmen. Damit die anbeißen, muss sie ihr Magazin in den Behörden verteilen. Dort wachen die Beamten über die Fleischtöpfe für Infrastruktur-Investitionen. An die wollen alle ran.

Jennifer Tan lebt seit 2005 in Lagos, der Wirtschaftsmetropole von Nigeria. Die zierliche Frau Anfang Dreißig hat schon waghalsigere Projekte hinter sich als der Aufbau eines Wirtschaftsmagazins: Einige Jahre durchreiste sie alle Gouvernements in Nigeria, um einen Investment-Guide zu recherchieren. Ihre Buchrecherche führte sie auch in die heißen Regionen des Nordens und Südwestens, wo sich Regierungsarmee und separatistische Islamisten bekriegen. Ausländer werden dort zuweilen entführt und gegen Lösegeld freigelassen – wenn sie Glück haben.

Überlebt hat sie das mit einem Trick: „Ich bin nicht mit einem Trupp an Sicherheitskräften gereist, sondern in einem alten 80er Peugeot mit getönten Scheiben.“ So viel sie nicht auf und konnte in Ruhe arbeiten. Für Jennifer Tan, die bis heute regionale Regierungen in Wirtschaftsfragen berät, ist der Aufbau des Wirtschaftsmagazins im Vergleich dazu ein Spaziergang…

Florian Willershausen

» 08.11.2012, 18:36

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