Lagos, im November
Neulich hat Tosin Runsewe, der Mann von der Versicherung, ein schönes Beispiel von einem Anleger gefunden: Der Nigerianer war steinreich im Jahr 1981, als er 1,6 Millionen Dollar von seiner Bank in Lagos managen ließ. „Zehn Jahre später waren davon nur kaum mehr als 100.000 Dollar übrig“, sagt der Banker und gibt zu: „Der ältere Generation der Nigerianer hat in den Wirren der achtziger Jahre auf diese Weise fast alles Geld verloren. Es ist doch klar, dass sie Vermögensverwaltern misstrauen.“
Tosin Runsewe ist so einer wie Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer – nur heißt seine Versicherung Mansard Insurance, sie ist nicht Teil des Ergo-Konzerns, sondern sitzt in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos. Sein Job gleicht einer unmöglichen Mission: Er soll das Versicherungsprinzip in einem Land etablieren, dessen Wirtschaft immer irgendwann kollabiert ist und auch dank der Ölfunde der letzten Jahre erst langsam in die Gänge kommt.
Herr Kaiser aus Nigeria weiß, dass er gegen Windmühlen kämpft: Nur zwei der 170 Millionen Nigerianer leisten sich überhaupt irgendeine Versicherung. Andererseits hat sich der Umsatz seines Unternehmens Mansard Insurance im vergangenen Jahr um 80 Prozent erhöht – der Versicherer wuchs damit viermal schneller als der Markt, allerdings auf niedrigem Niveau. „In Nigeria entsteht eine starke Mittelschicht“, erklärt Runsewe. „Diese Leute haben irgendwann genug Flat-Screen-Fernseher und Autos gekauft, sodass sie sich über ihre Vorsorge Gedanken machen können.“
Die Deutschen glauben an die Entwicklung des Versicherungsmarkts in Nigeria. Als die nigerianische GT Bank im Zuge der Konsolidierung im Bankensektor bei Mansard Insurance ausstieg, erwarb DEG Invest neben Banken aus Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden Anteile. „Den europäischen Partnern verdanken wir ein seriöses Image, das ist entscheidend“, sagt Runsewe. Der Mitt-Vierziger, ganz Optimist, hofft jetzt auf ein zweistelliges Wachstum, sofern die Liberalisierung des Öl- und Gassektors in Nigeria gelingt. „Dann starten wir erst richtig durch.“
Florian Willershausen










